Solothurn
Tagesschule ist ein Erfolgsmodell – konfrontiert die Schule aber mit einer «riesigen Herausforderung»

In der Stadt Solothurn besucht bereits jeder vierte Schüler die Tagesschule, die mit einer «riesigen Herausforderung» konfrontiert ist. Diese betrifft die stark schwankende Anzahl Anzahl Schülerinnen und Schüler den Tag hindurch.

Fabio Vonarburg
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Die Stadt Solothurn hat das Modell der Tagesschule 2008 gestartet.

Die Stadt Solothurn hat das Modell der Tagesschule 2008 gestartet.

Symbolbild/Henry Muchenberger

«Tagesschulen – ein Bedürfnis?», fragte man sich 1999 an einer Veranstaltung in Solothurn. Eine Frage, die mittlerweile beantwortet ist. Die Tagesschule, welche die Stadt 2008 als Pilotprojekt eingeführt hat und seit 2012 im Regelbetrieb führt, stösst bei den Eltern auf grosses Interesse. Dies zeigen auch die neuesten Zahlen, die die Schuldirektion der Stadt Solothurn veröffentlicht hat.

«Besuchten 2017 rund 18 Prozent unserer Schülerinnen und Schüler die Tagesschulen, so sind dies nun gesamtstädtisch durchschnittlich bereits 23 Prozent», ist im Bericht Schulenplanung 2021/2022 der Stadt Solothurn zu lesen. Oder in absoluten Zahlen ausgedrückt: In diesem Schuljahr besuchen 254 Kinder die Tagesschule, respektive es wurden 55'708 Betreuungseinheiten gebucht.

Zum Vergleich: Bei der Einführung des Regelbetriebs 2012 waren es 142 Kinder, respektive 29'930 Einheiten. Damals gab es das Angebot jedoch erst in drei Schulkreisen der Stadt – im Hermesbühl, im Brühl, sowie im Vorstadt-Schulhaus. Auf das Schuljahr 17/18 kam das Schulhaus Fegetz, zwei Jahre später auch die Tagesschule Birkenweg dazu.

Auffallende Unterschiede zwischen den Schulkreisen

Im Vergleich der verschiedenen Schulkreise fällt auf, dass die Vorstadt im Verhältnis der Anzahl Schülerinnen und Schüler mit 31 Prozent den grössten Anteil an Tagesschulkinder aufweist. Durchschnittlich wird pro Kind allerdings nur die erforderliche minimale Zahl von vier Einheiten gebucht. Umgekehrt die Situation im Brühl. Hier besucht nur jedes fünfte Kind die Tagesschule, im Durchschnitt werden jedoch pro Kind 7 Einheiten gebucht.

Schuldirektorin Irène Schori ist zufrieden, wie sich die Tagesschule in der Stadt entwickelt hat. Man sei aber mit einer «riesigen Herausforderung» konfrontiert, sagt sie. Damit meint die Schuldirektorin die stark schwankende Anzahl Schülerinnen und Schüler, die über den Tag verteilt in der Tagesschule betreut werden. «Je nach Standort können es über den Mittag bis 68 Kinder sein. Von 14 bis 16 Uhr sind es dann plötzlich zum Beispiel noch 8 Kinder, bevor es gegen den Abend wieder mehr werden.»

Diese zeitliche Dynamik hat zwei negative Auswirkungen: Einerseits macht sie die Arbeit in der Betreuung unattraktiv, da nicht alle Betreuungspersonen vom Mittag bis Abend durcharbeiten können, sondern teilweise Zwischenstunden haben. Zweitens sind die räumlichen Kapazitäten am Mittag stark ausgelastet.

Modell der gebundenen Tagesschule

Darum schaut Schuldirektorin Irène Schori derzeit gespannt nach Zürich. Dort setzt man immer stärker auf das Modell der gebundenen Tagesschule. Die Eltern haben dort die Wahlfreiheit, ob sie ihr Kind in eine Schule oder Klasse schicken möchten, wo Bildung und Betreuung aus einer Hand erfolgt. Bei diesem Modell verbringen alle Kinder der Klasse von zirka 8 Uhr bis 15.30 Uhr den Tag zusammen. «Dadurch hat man mehr Gestaltungsspielraum vor Ort, das Einhergehen von schulischen und ausserschulischen Angeboten ist viel harmonischer», sagt Schori.

Dies weil die Kinder geschlossen im Klassenverband nebst dem Unterricht auch die Tagesschule besuchen. So könne man zum Beispiel im Klassenverband gestaffelt essen gehen und dadurch auch die Mittagsinfrastruktur optimaler nutzen. Zudem können Lehr- und Betreuungspersonen enger zusammenarbeiten, tragfähigere Beziehungen aufbauen und dem Förderaspekt mehr Rechnung tragen.

Doch noch ist ein allfälliger Modellwechsel in Solothurn in weiter Ferne, konkrete Pläne gibt es noch keine. Die Schuldirektorin ist aber überzeugt, dass der jetzt noch visionäre Ansatz irgendwann in der Schweiz zur Regel wird. So wie einst auch das Modell der Tagesschule als visionär galt.

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