Solothurner Stadtschulen
Tablet-Boom forciert Umdenken – Vereinbarung mit Regio Energie aufgehoben

Per 2018 wird die Vereinbarung mit Regio Energie als IT-Supporter aufgehoben.

Andreas Kaufmann
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An Solothurns Schulen sind alle Schüler der dritten bis sechsten Klassen mit Samsung-Tablets, die erste Sekundarstufe mit iPads ausgestattet. Ergänzend dazu besteht ein Pool mit Notebooks.

An Solothurns Schulen sind alle Schüler der dritten bis sechsten Klassen mit Samsung-Tablets, die erste Sekundarstufe mit iPads ausgestattet. Ergänzend dazu besteht ein Pool mit Notebooks.

Chris Iseli/Symbolbild

Claudio Hugs Interpellation wirbelte Staub auf: Indem der GLP-Gemeinderat unbequeme Fragen zu zahlreichen Ausfällen in der städtischen ICT-Infrastruktur stellte, gelangte ein Sabotageakt quasi aus den eigenen Reihen ans Tageslicht. Die Regio Energie Solothurn (RES), die zu 100 Prozent der Stadt gehört, ist zuständig für die Computer- und Netzwerkinfrastruktur der Stadtverwaltung. Laut Antwort des Stadtpräsidiums hatte nun ein neu eingetretener Mitarbeiter die Systeme sabotiert.

Was nicht unbemerkt blieb: Seit Anfang 2016 waren Ausfälle aufgetreten, die vor allem Mail-, Internet- und Office-Anwendungen betrafen – Ausfälle, die sich schliesslich in der zweiten Jahreshälfte häuften. Bald war die Ursache ermittelt und der Täter ertappt, worauf dessen fristlose Kündigung bei der RES folgte. Rechtliche Schritte gegen den Saboteur werden derzeit geprüft. Allerdings könne man zum laufenden Verfahren aktuell keine Auskünfte geben, heisst es seitens Sandra Hungerbühler, zuständig für Marketing und Kommunikation bei der RES.

Was heisst ICT?

Die Abkürzung ICT steht für den englischen Ausdruck «Information and Communications Technology» und fasst als Sammelausdruck die Fachbereiche der Informatik und Telekommunikation zusammen. Gerade auf dem Hintergrund der Vernetzung einzelner Computer zum Internet erwies sich der Begriff ICT bald einmal als treffender als nur EDV (elektronische Datenverarbeitung), Informatik oder IT. Insbesondere in der Bildung fand der Begriff ICT rasch Eingang. ICT ist Thema im Sinne einer Ausbildung in digitalen Kulturtechniken: Damit ist die technische Beherrschung ebenso gemeint wie der verantwortungsvolle Umgang mit diesen Mitteln (Medienkompetenz); und die inhaltliche Auseinandersetzung mit Informatik ebenso wie der Gebrauch eines digitalen Geräts als Unterrichtsinstrument. (ak)

Dreimal mehr Geräte als 2005

Nun war in der Interpellationsantwort en passant auch die Rede von einer ICT-Vereinbarung, die mit den Stadtschulen bestehe. Gemäss Stadtpräsidium habe die RES diese Vereinbarung per Ende Jahr gekündigt. Schuldirektorin Irène Schori unterscheidet auf Anfrage zwei Dienstleistungsverhältnisse, die zwischen der Regio Energie Solothurn und der Stadtverwaltung bestehen. Der sogenannte Konzessionsvertrag enthält die ICT-Unterstützung der gesamten Stadtverwaltung. Dies beinhaltet neben allen anderen Verwaltungsbereichen auch die Schuldirektion, nicht aber die Schulen selbst. Die Vereinbarung, die spezifisch für die schulische Infrastruktur besteht, ist jene, die per Ende Jahr gekündigt wurde.

Unter dem Namen «ICT-Support für die Stadtschulen der Einwohnergemeinde der Stadt Solothurn» von 2005 ist darin der Support für die Notebooks und Desktop-Computer aller Schulhäuser inklusive Peripheriegeräte geregelt, darüber hinaus auch der Unterhalt der Netzwerkstruktur. Für niederschwellige technische Anwenderprobleme hingegen waren und sind weiterhin die dafür bestimmten ICT-Verantwortlichen aus der Lehrerschaft zuständig.

Aufgelöst wurde die Vereinbarung laut Schori im gegenseitigen Einvernehmen der beiden Parteien. Grund für die Kündigung: Laut Schori entspreche die Vereinbarung nicht mehr den heutigen Gegebenheiten und Anforderungen an die ICT-Infrastruktur. Tablets haben zunehmend Notebooks abgelöst. Laut Stadtschreiber Hansjörg Boll sei es nicht gelungen, auf bestehender Vertragsbasis Anpassungen zu finden, die für beide Seiten akzeptabel gewesen wären. Hungerbühler ergänzt, dass der Vertrag auch hinsichtlich der Anzahl Geräte nicht mehr aktuellen Gegebenheiten entspreche. «So betreuen wir 2017 rund dreimal mehr Arbeitsgeräte wie Notebooks oder Tablets als 2005.»

Irène Schori sieht im Richtungswechsel Vorteile: «Da wir nicht mehr an die Regio Energie gebunden sind, ergibt sich mehr Handlungsspielraum hinsichtlich Gerätebeschaffung und Support.» Der Sabotageakt selbst spiele für die Kündigung keine Rolle – da er laut Boll das Netzwerk der Stadtverwaltung, nicht aber jenes der Stadtschulen tangierte. Die Auflösung der Vereinbarung betrifft seitens RES zwei Mitarbeitende, so Hungerbühler: «Wie vertraglich vorgesehen, suchen wir gemeinsam mit der Schuldirektion eine Lösung bezüglich der Übernahme der Betroffenen.»

Submission läuft

Doch wer wird künftig die Supportaufgaben für die Stadtschulen übernehmen? Diverse potenzielle Dienstleister haben in der laufenden Ausschreibung laut Hansjörg Boll Offerten platziert. Hungerbühler bestätigt, dass auch die RES für die entsprechende Submissions-Ausschreibung eingeladen worden sei: «Wir werden diese prüfen.»