Solothurn
«Superstücke» unter dem Solothurner Theatersaal entdeckt

Nochmals nutzten Interessierte die Möglichkeit, dem Solothurner Stadttheater «auf den Grund» zu gehen und Schätze zu sehen. Rund 70 Besucher genehmigten sich einen Blick auf die neuen Funde.

Andreas Kaufmann
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Was unter dem Theatersaal des Solothurner Stadttheaters hervorkommt
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Teile des im Administrationsteil gefundenen Kachelofens
Teile des im Administrationsteil gefundenen Kachelofens
Gefundene Möbelelemente müssen in Wasser gehalten werden, bis sie durch flüssiges Harz konserviert werden
Die Schichtabfolgen erzählt etwas über die baugeschichtliche Vergangenheit
Die gefundenen Feuerstellen
Der gefundene Keller, wo das Wasser mitunter verschiedene Möbelteile konservierte

Was unter dem Theatersaal des Solothurner Stadttheaters hervorkommt

Andreas Kaufmann

Wer noch vor vier Monaten auf einem Samtsessel des Stadttheaters Platz nahm, hätte kaum ahnen geschweige denn wissen können, welche archäologische Schätze wenige Ellenlängen unter dem Theatersaal schlummern.

Auch archäologischer Sicht hingegen muss man in jedem Kubikmeter einer Altstadtbaustelle Geschichtsträchtiges vermuten und ist auch darauf vorbereitet. «Wer in der Altstadt baut, weiss, das überall was zum Vorschein kommen kann», sagt auch Fabio Tortoli, Ausgrabungsleiter an der Grabungsstelle im Stadttheater. Das gilt erst recht bei einer Grossbaustelle wie dem Stadttheater.

Kellergewölbe entdeckt

Doch selbst wenn das Team der Kantonsarchäologie in einem so grossen Grabungsperimeter Schätze im Boden vermutet, waren auch die Fachleute erstaunt, was sie letzte Woche wenige Meter unter dem Theatersaal zutage förderten: ein Kellergewölbe, aus dem 16. oder 17. Jahrhundert.

Somit hatte die Kantonsarchäologie am Donnerstagabend nicht vergebens zu einer Besichtigung der Baustelle im Theatersaal eingeladen – zum letzten Mal, bevor die Sanierung dort seinen weiteren Lauf nimmt. Rund 70 interessierte Besucher genehmigten sich einen Blick auf die neuen Funde.

Möbelfragmente gefunden

Dass mitunter ein intaktes Kellergewölbe präsentiert werden konnte, übertrifft auch die Erwartungen Tortolis. Zudem gelangten unter dem Grundwasserspiegel, der den Raum bis zur Hälfte füllte und dann abgepumpt wurde, diverse Fundstücke wie Möbelfragmente ans Licht: Schrankfüsse und -türen sowie Holzschrauben. Auch ein Lederschuh wurde entdeckt. «Die Fundstücke kamen pünktlich auf diese Abendführung zum Vorschein», so Tortoli. Und was die Möbelfundstücke angeht: Diese lagen unter Wasser, sprich unter Luftausschluss und blieben somit konserviert.

Die Objekte müssen nun aber weiter feucht gehalten werden, bis sie für eine dauerhafte Konservierung allenfalls mit Harz versiegelt werden. Damit wendet man sich den Trouvaillen liebevoller zu als womöglich ihre Vorbesitzer: Denn es ist zu vermuten, dass der Gewölbekeller später zur Entsorgung des Mobiliars verwendet wurde.

Stadtmauer nimmt «Form» an

Mit dieser zweiten Führung konnten die Archäologen weitere «Puzzleteile» zur Mauer zutage fördern, die bei der vorausgehenden Führung durchs Haus Krieg vorgestellt wurde. Der vermutliche Mauerverlauf führt durch sämtliche Gebäudeteile des Stadttheaters. Auch können die Funde mit dem zuvor entdeckten Mauerfragment beim «Bindella» in einen Zusammenhang gebracht werden. Weiter erhärten sich Vermutungen, wonach die Mauer aus dem 13. Jahrhundert die Stadt gegen die Aare abgrenzte.

Innerhalb der Altstadt dürfte ein Weg oder ein Hinterhof die Mauer von den ersten Gebäudestrukturen getrennt haben. Denn Hochwasser der Aare blieb auch so ein mehr als lästiges Problem. Ebenso das Feuer, das gerade die Fachwerkhäuser aus Holz im nördlichen Bereich des Theatersaals mehrfach heimgesucht haben muss. Davon zeugen dunkle Brandschuttschichten. Feuerstellen aus dem späten Mittelalter gehören ebenfalls zu den aufgefundenen Besonderheiten.

Lücken der Baugeschichte füllen

Für den weiteren Bauverlauf rechnen die Kantonsarchäologen mit keinen Verzögerungen: Bis Ende Oktober räumen sie die Notgrabungsstelle im Theatersaal. Foyer, Krieg-Haus und das Administrationsgebäude wurden bereits wieder der Bauleitung übergeben. Da im Saal lediglich bis aufs Niveau des neuen Fundaments gegraben wurde, ist auch nicht mit einem Mehraufwand bei der Sanierung zu rechnen. Aber auch für die Kantonsarchäologen geht die Arbeit weiter.

Nach dem Erstellen einer Dokumentation und der Inventarisierung der Fundstücke werden entsprechende Publikationen folgen. Eines weiss Tortoli schon jetzt: «Wir werden durch die Befunde in Sachen Baugeschichte zwischen dem 13. Jahrhundert und heute einige Lücken füllen.» Dies betrifft insbesondere auch die Ufermauer, die auch Erkenntnisse über die Entwicklung der Altstadt als Ganzes zulassen.

Kachelofen als wahre Trouvaille

Und vielleicht kommt im Stadttheater gar eine Infotafel über die Trouvaillen zu stehen. «Ebenfalls schliessen wir nicht aus, dass die ‹Superstücke› dereinst im Pächterhaus beim Museum Blumenstein zu sehen sein werden.» Zweifellos zu den «Superstücken» zählen die gut erhaltenen Ofenkacheln aus dem Spätmittelalter, die im Administrationsgebäude gefunden wurden.

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