Bühnenjubiläum
«Studer & Stampfli»: Kalorien, die einfach nur guttun

Die Komiker-Musiker-Combo «Studer & Stampfli» präsentierte im Kreuz in Solothurn kalorienhaltiges. Das neue Programm mit dem Titel «Zucker» zum Bühnenjubiläum wurde süss und lustig.

Julian Perrenoud (Text und Foto)
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Studer&Stampfli bei der süssen Premiere im «Kreuz».

Studer&Stampfli bei der süssen Premiere im «Kreuz».

Solothurner Zeitung

Dem Zucker begegnen wir mehr als uns lieb sein könnte. An fast jeder Ecke, in fast allen Lebensmitteln und Gerichten ist er versteckt. Und nun bringt das Solothurner Duo Studer & Stampfli zu seinem zehnten Geburtstag noch ein gezuckertes Jubiläumsprogramm – ob das gut gehen kann? Ausverkauft ist die erste Vorstellung, lang die Schlange vor dem Kreuzsaal die Treppe runter. Helfer tragen Silbertabletts voller süsser Kuchen mit blauer Glasur hoch, das kann ja heiter werden.

Und heiter wird es: Obwohl das erste Lied der Primarschullehrerin und des Musiklehrers «Time to say Goodbye» heisst, umrahmt von Klavier, Akkordeon und Ukulele. Die beiden machen nicht Halt vor wechselnden Musikstilen, reihen Übergänge an Übergänge und würzen den Gaumenschmaus mit verführerischem «Sugar, Baby, Love.» Das sei auch gleich die Kernaussage des gesamten 80-minütigen Auftritts, sagt Philipp Stampfli: Zucker, Baby, Liebe. Und um diesem Rezept für ein unbeschwertes Leben Nachdruck zu verleihen, schiebt Rahel Studer eine runde Kuchenform in den mobilen Ofen, der auf einem Tischchen mitten auf der Bühne thront.

Gefühlsschwangerer Bariton

Süss und verschwenderisch soll ihr Auftritt werden, versprach das Konzertprogramm. Verschwenderisch oft nehmen die beiden Musiker dabei die Worte «Sugar», «Honey» und «Candy» in den Mund. Sie modeln bestehende Klassiker aus Oper, Schlager oder heutigen Charts um und pressen die Melodie in einen vorgesüssten Text. Begleitet wird dieser aberwitzige Auftritt durch das Raagini Digital, ein elektronisches Tambura, das Töne ausspuckt, wie ein erschöpfter Dudelsack. Dazu folgt ein kräftiger Jodel über den Herrgott und das Schätzli, das reich sei, aber minder schön.

Ob ein Telefon mit Herr Zucker, dem Steuerberater, oder eine neue Version des Kultlieds Baila Morena, am Ende landen Studer & Stampfli wieder in der kleinen Konditorei bei Kuchen und Tee. Theatralisch lange lässt Stampfli den Ton in seinem Mund wandern, bis er ihn gefühlsschwanger in den Raum entlässt. Ein Seitenhieb an den berühmten deutschen Baritonsänger Max Raabe?

Dass Zucker gefährlich sein kann, beweist das Fotoshooting des Duos für deren Programmkarte. Denn der riesige Zuckerberg auf dem Grundstück, auf dem sie sich ablichten liessen, wurde täglich kleiner, Kinder und Tiere im Quartier kränker. Nun sei das Quartier zu einer DiabetesGefahrenzone erklärt worden, sagt Stampfli, und man habe als Entschädigung Geld auf ein Diabetes-Frühwarn-Konto überwiesen.

Wie Kinder in der Konditorei

Ein Höhepunkt der Vorführung ist ein musikalischer Besuch beim Zahnarzt. Er will ihr eine provisorische Eckfüllung verpassen, die Spritze ansetzen; sie keine Schmerzen und nur nach Hause zu ihren Kindern. Das Ganze spitzt sich zu einer Fast-Liaison zu, bis der Backofen-Wecker scheppert, der Kuchen fertig ist. Dann halt ein Stück über Chocolata. Mit Magenschmerzen haben die Besucher ob des so viel Schwerverdaulichen nicht zu kämpfen, im Gegenteil: Fasziniert sitzen sie da, als würden sie in ihren Kinderjahren einen Konditor bei der Arbeit beobachten.

Studer & Stampfli zeigen sich variationsreich, auch pfeifend vermögen sie Gedichte vorzutragen. Und sie erklären, weshalb sie Schlagersänger werden wollten, dann aber trotzdem als Klavierlehrer und Krankenschwester endeten, denn Schlagersingen könne, wie die Vergangenheit beweise, tödlich sein. «Zucker» ist ein Potpourri aus alter, moderner Musik und Theater. Und wer nach anderthalb Stunden noch immer zu wenig Süsses abbekommen hat, darf sich anschliessend über das grosse Kuchen- und Küchleinbüffet mit Sahnehäubchen hermachen. Doch Vorsicht: Anders als beim Auftritt können diese Kalorien schwer aufliegen.

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