Lange lockte die Herbstsonne Gross und Klein nach draussen. Auch auf den Solothurner Chantier-Spielplatz. Jetzt aber dürften die schönen Spielplatz-Erinnerungen bei einigen Eltern eher Beklommenheit auslösen. Am Freitag wurde die Anlage gesperrt, nachdem diese Zeitung das Stadtbauamt mit erheblichen Sicherheitsmängeln konfrontiert hatte.

Dabei geht es keineswegs darum, sklavisch jeder Erziehungsmentalität zu gehorchen, die den Nachwuchs kategorisch und permanent in Watte packen will. Sogar die neuesten Normen besagen: Ja, es darf durchaus Schrammen und Kratzer geben, ohne dass überfürsorgliche Eltern gerade den Anwalt anrufen. Berechtigt sind die Sicherheitsstandards aber, weil es um die Motorik der heutigen Kinder nicht mehr so gut bestellt ist wie noch vor 20 Jahren. Selbst die Stadt hat die Norm für Spielplatzsicherheit bei ihrer letzten grossen Inspektion vor acht Jahren beherzigt. Aber nicht, dass die Norm auch eine jährliche Hauptkontrolle vorsieht. Eine, die notabene nicht nur nach morschem Holz und rostigen Schrauben Ausschau hält, sondern auch nach Konstruktionsmängeln, die sogar für Lebensgefahr sorgen. 

Im Fall des Chantier-Spielplatzes spricht der Fachmann von potenziellen Gefahrenherden mit Unfällen bis zu einem Genickbruch oder einer Strangulation. Nun sind Sicherheitsnormen leider erst ein Thema, wenn nach einem Unfall die Haftungsfrage gestellt wird. Dass bislang auf dem Spielplatz noch nichts passiert ist, ist pures Glück für die Stadtverwaltung. Dass aber zuerst Fragen gestellt werden müssen, welche die Betreiberin an ihre Verantwortung erinnern, ist hingegen ihr grosses Versäumnis.