Stein-Serie
Steinreich: 11 Beispiele, wo Solothurner Stein verbaut wurde

Solothurner Marmor: Der Jura-Kalkstein prägt das Stadtbild noch heute. Auch über die Kantonsgrenze hinaus sind Überbleibsel der Solothurner Steinindustrie zu finden.

Noëlle Karpf
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Führung zum Solothurner Stein
22 Bilder
Führung Solothurner Stein Der Schutzpatron St. Ursus wacht über dem Bieltor. Hier steht heute allerdings nur eine Kopie - das Original aus Solothurner Stein ist im Steinmuseum vorzufinden.
Führung Solothurner Stein Im Vordergrund rechts ein Stein des Muttiturms, im Hintergrund die Gruppe der Steinfreunde.
Führung Solothurner Stein Der Vorsteher der Solothurner Steinfreunde: Peter H. R. Studer
Führung Solothurner Stein Interessierte lauschen den Ausführungen zum Solothurner Stein.
Führung Solothurner Stein Interessierte lauschen den Ausführungen zum Solothurner Stein.
Führung Solothurner Stein Die Besucher und die Stadtführer vor der Krummturmschanze.
Führung Solothurner Stein Rund 60 Jahre lang dauerte der Bau der Krummturmschanze.
Führung Solothurner Stein Zur Mitarbeit am Bau der Krummturnschanze wurden damals sogar Gefangene zwangsverpflichtet.
Führung Solothurner Stein Weiss ebenfalls Bescheid über den Solothurner Stein: Helmuth Zipperlen.
Führung Solothurner Stein Auch im elsässischen Guebwiller findet sich Solothurner Stein: Hier beim Delphinbrunnen mit der Schwanenskulptur auf der Spitze.
Führung Solothurner Stein Weicher als Granit, harter als Sandstein - der Solothurner Stein eignet sich deshalb zum Bau von Mauern.
Führung Solothurner Stein Der Blick vom Aaremürli aus Solothurner Stein auf noch mehr Solothurner Stein: Das Bürgerhaus und die Heiliggeist-Kirche in der Vorstadt.
Führung Solothurner Stein Auch die Ostfassade des Solothurner Ratshauses ist vom Kalkstein geprägt. Hinter den Türen befinden sich die Treppenstufen zum Kantonsratssaal - ebenfalls aus Solothurner Stein.
Führung Solothurner Stein Marschiert voran: Stadtführerin Susanne Imhof.
Führung Solothurner Stein Besteht auch aus Solothurner Stein: Das Aaremürli.
Führung Solothurner Stein Hat jede Menge zum Solothurner Stein und der Altstadt zu erzählen: Die Stadtführerin Susanne Imhof.
Führung Solothurner Stein Den Jura-Kalkstein gibt es in verschiedenen Farbtönen: weisslich-gelb bis bläulich-grau.
Führung Solothurner Stein Die Fassade des Alten Spitals: Solothurner Stein.
Führung Solothurner Stein Interessierte lauschen den Ausführungen zum Solothurner Stein.
Führung Solothurner Stein Gelblicher Solothurner Marmor findet sich auch in der Vorstadt.
Führung Solothurner Stein Die Steinfreunde Solothurn und Interessierte nahmen an dem Spaziergang durch die Altstadt teil.

Führung zum Solothurner Stein

michelluethi.ch

Die Stadt Solothurn ist steinreich – wortwörtlich. Bis vor rund 150 Millionen Jahren befand sich an ihrer Stelle aber nur Wasser. Das Jurameer. Darin jede Menge Kalkablagerungen. Dann zog sich das Wasser zurück, die Tiere verschwanden, der Stein blieb. Mit diesem arbeiteten schon die Römer in «Salodurum», die um das Jahr drei n.Ch. auf dem heutigen Stadtgebiet lebten. Die Steinhauerei wird daher als ältester Industriezweig Solothurns angesehen.

Serie Steine

Steinreich, über Stock und Stein, Edelstein, Zahnstein und steinige Lebenswege. In einer Serie widmen wir uns dem Thema Stein in den verschiedensten Variationen – heute dem Solothurner Stein.

Bereits erschienen:

7.7. 2018: Besuch im Steinladen von Sonja Baumgartner in Oensingen
17.7. 2018: Interview mit dem Steinbildhauer Beat Meierhans aus Olten
25.7. 2018: Zu Besuch bei den Steiners in Selzach

Nördlich des heutigen Stadtgebiet gab es elf Steinbrüche mit zweitweise je bis zu 300 Arbeitern. Junge Männer konnten ihr Geld entweder als Söldner im Krieg verdienen – oder aber auf dem Steinbruch arbeiten gehen. Für Kirchen und Patrizierhäuser in der Stadt brauchte es immer wieder Arbeiter. Und jede Menge Stein. 11 Beispiele.

Das Bieltor

Bis Ende des 13. Jahrhunderts war Solothurn mit einer Mauer und drei Toren umgeben. Das Bieltor entstand im 12. Jahrhundert – aus Solothurner Stein. Die Figur des St. Ursus ist einige der wenigen Figuren aus Solothurner Stein. Heute wacht allerdings eine Kopie des Stadtpatrons über dem Bieltor. Das Original steht im Steinmuseum.

Die Jesuitenkirche

Die Fassade aus Solothurner Stein wurde beim Bau um 1680 von Ludwig XIV. gesponsert. Man sagt, die Madonna-Figur auf dem Dach schaut heute noch Richtung Frankreich – aus Dankbarkeit gegenüber dem Sonnenkönig – oder weil Solothurn immer noch auf den Batzen des Monarchen wartet, der häufig leere Staatskassen hatte.

Das Rathaus

Als «Meisterwerk» wurde der Bau des Rathauses Mitte des 15. Jahrhunderts bezeichnet. Die Ostfront – heute der Besuchereingang, der zum Kantonsratssaal führt – sei ein «Zeugnis des blühenden Kunsthandwerks» in der Region, hiess es. Wer durch ebendiesen Besuchereingang geht, gelangt zur Treppe aus Solothurner Stein.

Die Gebäude hinter der Schanze

Die reformierte Kirche (Neubau 1922), der Konzertsaal und das Kunstmuseum (beide Ende 19. Jahrhundert) stehen in einer Reihe hinter dem Schanzengraben. Sie bestehen aus verschiedenen Steinen wie etwa aus dem Laufental. Die Gebäude stehen alle auf aufgeschüttetem Solothurner Stein der ehemaligen Schanzen. Die breiten Treppen im Konzertsaal und im Kunstmuseum sind zudem aus Lommiswiler Stein.

Der Mutti- und der Riedholzturm

Die beiden breiten Türme wurden im 16. Jahrhundert zur Verstärkung der Stadtmauer gebaut. Hier waren über zehn Steinmetze am Werk. Damals wurde pro Stein abgerechnet. Deshalb hinterliess jeder Steinmetz sein Logo auf seinen Steinblöcken, damit er dafür auch sicher bezahlt wurde. Allein beim Riedholzturm wurden 14 solcher Logos gefunden.

Der «Füdlistein»

Das ehemalige Berntor in der Vorstadt gibt es seit 1877 nicht mehr – und es wird auch nicht wieder aufgebaut. Übrig bleibt der «Füdlistein», ein Quader mit zwei Rundungen, der einst das Tor zierte; explizit Richtung Bern ausgerichtet.

Die Krummturmschanze

60 Jahre lang dauerte der Bau der Schanze hinter dem Krummturm um 1700. Dafür wurden auch Gefangene und Landstreicher zur Arbeit zwangsverpflichtet. Die Schanze in der Vorstadt ist nebst der Riedholzschanze der einzige Teil der ehemaligen Befestigungsanlage, die nicht zurückgebaut wurde.

Das «St. Ursusmünster»

Solothurn hatte früher ein Münster, das schon im 10. Jahrhundert entstanden sein soll. Als man 1760 dabei war, Teile der Kirche abzubrechen, stürzte der Wendelstein ein, was dann zum kompletten Neubau führte. Die Kathedrale besteht aus Solothurner Marmor. Nicht jedoch die Figuren. Diese sind aus gelblichem Neuenburger Stein, dem ein weisser Ölanstrich verpasst wurde.

Das «Aaremürli»

Die Bars entlang der Aare stellen zwar jeweils Stühle und Tische bereit – viele lehnen sich aber lieber an das «Mürli». Es besteht aus Resten der Schanzen. Von der früheren «rue de blamage», wo einst Bordelle und das Henkershaus standen, blickt man über die Aare übrigens auf noch mehr Kalkstein. Das «Mürli» bei der «Hafebar», das Bürgerhaus und die alte Spitalkirche in der Solothurner Vorstadt.

Das Bundeshaus

Auch der bernische Nachbar baute mit Solothurner Stein. Und zwar Teile des Bundeshauses. Kalkstein wurde im Sockel der Südfassade sowie beim dortigen Brunnen verwendet. Am Bundeshaus Ost wurde der Solothurner Marmor in Aussensockel, Treppenhäuser, Säulen und Bodenbelägen verbaut.

Die Brunnen

Der Solothurner Stein reiste früher auch noch weiter. Vor allem in Form von Brunnenbecken. Solche finden sich in Bern und Zürich, in Luzern, Lörrach und Freiburg. Eine Touristenattraktion ist der Delphinbrunnen im elsässischen Guebwiller. Der Transport des Brunnens vom Solothurner Steinmetz Bargetzi dauerte sechs Tage. Der Karren musste zeitweise von bis zu 36 Pferden und 4 Stieren gezogen werden.

Die obigen Informationen stammen von einer Stadtführung der Steinfreunde Solothurn.

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