Solothurner Fasnacht
Steht der Ober über dem Ober-Ober oder was?

Samuel Hofer und Markus Wälti sind Ober und Ober-Ober der diesjährigen Solothurner Fasnacht. Beide verbindet die Begeisterung für die fünfte Jahreszeit.

Wolfgang Wagmann
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Ober Samuel Hofer und Ober-Ober Markus «Kusi» Wälti führen in den nächsten Jahren an der Solothurner Fasnacht Regie.

Ober Samuel Hofer und Ober-Ober Markus «Kusi» Wälti führen in den nächsten Jahren an der Solothurner Fasnacht Regie.

Wolfgang Wagmann

Fasnacht, was bedeutet das für die zwei «höchsten» Fasnächtler im heutigen Solothurn, dem baldigen Honolulu? «Sehr traditionsreiches Brauchtum in der Stadt und Region Solothurn. Und in der Zunft enge Kontakte mit den Kollegen.» Für Samuel Hofer, Ober der Narrenzunft Honolulu, wird jedenfalls die Fasnacht «immer wichtiger in meinem Leben. Und eine Woche lang habe ichs dann huere luschtig.»

Ober-Ober Markus Wälti ordnet der Fasnacht gleich als Erstes den Begriff «wichtiges Kulturgut» zu. «Auch wenn wir es nicht geschafft haben, auf die Liste des Unesco-Weltkulturerbes zu kommen – Solothurn hat die beste Fasnacht.» Samuel Hofer, designierter Stadtpräsident, schätzt vor allem einen Vorteil gegenüber Kurt Fluri hoch ein: Er werde «viel mehr Zeit haben» und das Pültli im Stadtpräsidium sauber halten. Traditionen seien aber für ihn wichtig, «do bini scho fasch verbohret». Eine Innovation hat der Ober mit seiner Narrenzunft am Hilari-Abend dennoch vor: Jede Perle, die auf den ominösen Stuhl steigt, soll eine Krawatte tragen. «Zumindest versuch ich’s», schwört Hofer.

Der Ober

Samuel Hofer, 36-jähriger Bankkundenberater bei der Berner Kantonalbank BEKB, ist seit dem Frühling 2014 für vier Jahre oder Fasnachten Ober der Narrenzunft Honolulu. In diese wurde er 2009 aufgenommen. Der Wasserämter – er wohnt in Winistorf – wird am Hilaritag, 13. Januar, Kurt Fluri absetzen, das Stadtpräsidium übernehmen und abends mit seinen Zunftkollegen in den vier Lokalitäten «Stephan», Säulenhalle, Roter Turm und Zunfthaus zu Wirten «tout Soleure» mit Produktionen unterhalten. (ww)

Ober-Ober Markus Wälti dagegen scheint in seinem Amt gerade mal richtig angekommen zu sein. Eigentlich habe die UNO die Aufgabe, den Umzug und dafür den Plakettenverkauf zu organisieren. «Aber seit dem 5. Januar bin ich nur noch eine Verteilzentrale.» Anfragen für einen Imbissstand oder besorgte Interventionen wegen möglicher zu lauter Bar-Musik während der Fasnacht – alles Mögliche prasselt auf Wälti herein, und geduldig verweist er die Anfragen in die richtigen Kanäle. Denn «eigentlich habe ich auch gar nichts zu sagen».

Der Ober-Ober

Markus Wälti, 40-jähriger Geschäftsinhaber der Powerhouse AG in Luterbach, ist seit letztem Sommer Ober-Ober der Vereinigten Fasnachtsgesellschaft Solothurn UNO, welche die sieben Stammzünfte und die GUSO (Guggen Solothurn) vertritt. Wälti wohnt in Hubersdorf und wird am Hilarimorgen seinen ersten offiziellen Auftritt mit einem Programm für die gesamte Narrenschar haben. Er gehört seit 2003 der Weschtstadt-Zunft an, die nun turnusgemäss für drei Jahre den Ober-Ober stellt. (ww)

Ober-Ober oder Ober?

Die Rivalität zwischen dem Administrativ-Chef der Fasnacht, dem Ober-Ober der UNO, und dem Ober der Narrenzunft Honolulu, wer nun der Ranghöchste in Honolulu sei, das beschäftige eher fasnachtsintern. «Die Rollen sind klar verteilt», meint Ober Samuel Hofer, der den Stadtpräsidenten absetzt. Ansonsten habe die Narrenzunft seit über 100 Jahren die Fasnacht organisiert, «bis sie irgendeinmal zu gross geworden ist. Und so wurden die Aufgaben neu verteilt.»

Damit sind die Zünfte unter dem UNO-Dach angesprochen. «In den letzten Jahren sind die Zünfte vermehrt aufeinander zugegangen», spricht Markus Wälti die Kollegialität unter allen Fasnächtlern an. «Wir haben es gut untereinander», findet er eine gewisse Rivalität zwar witzig, aber keineswegs wichtig. Fasnacht könne nicht nur aus Zünften oder Guggen bestehen. Es brauche auch ein Publikum, das die Umzüge geniesst. Das Ganze steht für Wälti im Vordergrund, und deshalb möchte er als UNO-Chef «Kollegialität und Zusammenhang verkörpern».

Was die Fasnacht braucht

Markus Wälti sieht den Nachwuchs als die Garantie, dass Solothurn weiterhin seine Fasnacht hat. «Der Narrenochwuchs-Umzug muss gepflegt werden. So stellt auch unsere Zunft dieses Jahr eine Gruppe.» Eine andere Sorge für die Zukunft der Fasnacht umtreibt Samuel Hofer: «Als Banker sehe ich, wie schwierig die Situation für Restaurants ist. Und wegen einer Woche Fasnacht hat man ja keine Beiz.» Doch sei Solothurn «grundsätzlich eine Beizenfasnacht». Wie bei den verschwundenen Maskenbällen auch, müsse sich die Fasnacht halt den neuen Gegebenheiten anpassen. Auch die zunehmenden Alltagsbelastungen für die Fasnächtler sieht der Narrenzunft-Ober kritisch und dass es «immer mehr Regulatorien und Vorschriften» bei der Durchführung der Fasnacht braucht.

Da hakt auch Wälti wieder ein: «Das Märet-Fescht hat ein OK» – Anlass und Zuständigkeit seien dort klar geregelt. An der Fasnacht sei das Ganze weniger klar zuzuordnen, spricht er beispielsweise die Genehmigung von Imbiss- und Getränkeständen an, die nicht in der Verantwortlichkeit der UNO, sondern der Stadtpolizei liege. Und schon gar nichts hat die UNO mit dem Samstagabend zu tun, an dem Fasnachtfans aus dem halben Kanton und auswärtige Guggenmusigen einfach in Solothurn der Gassenfasnacht frönen.

Ein bisschen bedauert Markus Wälti, dass vor allem bei den Umzugssujets das Lokalkolorit ziemlich verloren gegangen sei. «Aber genau das wäre an unserer Fasnacht wichtig», betont Samuel Hofer, der sich jetzt erst einmal auf den Hilari-Abend freut: «Zuletzt habe ich auch schon ruhiger geschlafen», bekennt der Ober, der jetzt endlich die erarbeiteten Narreteien unter die Leute bringen will.

Hilari kann kommen.