Jeder Frühling trägt den Zauber eines Anfangs in sich. Die Natur erwacht und verzaubert unsere Sinne. Das Licht wird intensiver, und es beginnt zu spriessen, wo immer unser Auge hinreicht.

Die Menschen bewegen sich wieder mehr draussen und haben Lust auf Neues. Ein Aufbruch, der auch auf dem Solothurner Märet seine Spuren hinterlässt. Frischer Kopf- und Schnittsalat, Frühlingszwiebeln, wohlriechende Kräuter, die ersten Radieschen und Gemüse, auf das wir lange verzichten mussten, regen unseren Gaumen an und sorgen dafür, dass wir mit vollgefüllten Einkaufstaschen nach Hause gehen.

«Die Leute haben das Wintergemüse satt», sagt Niklaus Bolliger vom Biohof Rigi in Hessigkofen und bedient gut gelaunt seine Kunden, die deutlich an der Zahl zugenommen haben, seit sich in der Erde wieder etwas zu regen begann.

Der überzeugte Biobauer, der zusammen mit seiner Frau Regula im Bucheggberg biologischen Obst- und Gemüsebau betreibt, ist Chef der IG Märet in Solothurn und bringt nur einheimische Produkte auf den Markt.

Tomaten, neue Kartoffeln, frische Spargeln? Bolliger winkt ab. In der Natur braucht alles seine Zeit. Dies trifft auch auf die Spargeln zu, die wie andere Pflanzen einen warmen Boden lieben. Doch Bolliger hat eine gute Nachricht: «Die Kunden können sich freuen, nächste Woche bringen wir die ersten Spargeln mit.»

Ökologischer Unsinn

Befragt nach neuen Kartoffeln kommt Hanspeter Hohl aus Attiswil in Fahrt. «Wie sollen wir neue Kartoffeln im Angebot haben, wenn wir diese erst im März gesetzt haben und auf dem Weissenstein immer noch Schnee liegt?»

Die gesetzten Kartoffeln bräuchten nun eineinhalb Monate Zeit zum Wachsen und zudem seien die letztjährigen Kartoffeln noch nicht einmal ein Jahr alt und in bestem Zustand. «Kartoffeln aus Israel oder Ägypten zu importieren ist ein ökologischer Unsinn, dessen sich viele Leute nicht bewusst sind», bricht Hohl eine Lanze für Einheimisches, das am Vortag geerntet wird.

Im Gegensatz zu den noch immer gut mundenden Kartoffeln schrumpft das Sortiment an Äpfeln bei Astrid Weber auf dem Märetplatz. «Die Äpfel werden immer trockener und sind nicht mehr so knackig», sagt die Seeländerin. Das spüre man auch bei der Kundschaft, die spärlicher werde. Doch Probleme hat sie damit nicht. Bald seien schon die Erdbeeren und Kirschen reif, und im Übrigen müsse man bei den verschiedenen Jahreszeiten auf seinen Körper hören.

Bei Beatrix Wyss vom Buechihof in Leuzigen sind Rhabarbern ein grosses Thema. Man kann sie beim Gurzelngass-Brunnen nicht übersehen. «Wir haben das Glück, dass sie in Hanglage in einem Mikroklima gedeihen und von der Sonne bestrahlt werden.» Auch im Tunnel herrschten gute Bedingungen und förderten zur Zeit bei 25 Grad das Wachstum von Salaten, Krautstielen, Frühlingszwiebeln, Radieschen und Gurken.

Süditalien hat Vorsprung

Beim Bieltor ist die Familie Siragusa mit ihren importierten italienischen Produkten den hiesigen Gemüsebauern etwas voraus. Tomaten aus Sardinien und Sizilien, verschiedene Spargelsorten und als Spezialität der Mönchsbart bereichern das Frühlingssortiment das, wie Andreas Siragusa betont, bei Menschen unterschiedlichster Nationalität beliebt ist.

Mit dem Erwachen der Natur wird auch das Blumensortiment auf dem Märet immer grösser und üppiger. Über den reichhaltigen Frühlingsflor, der schon langsam dem Sommerflor Platz macht, freut sich auch das Team der Gärtnerei Krebs aus Kriegstetten.

Zierpflanzen, Schnittblumen und immer mehr auch Gemüsesetzlinge brauchen Platz beim St.-Ursen-Brunnen auf dem Märetplatz. «Die Menschen haben Freude an der Schönheit der Blumen und den inspirierenden Düften», weiss Andreas Krebs. Deshalb sei auch der Kundenkontakt wichtig. Und schliesslich: «Alles zusammen macht den Märet aus», sagt der Gärtnermeister.