Die Bombe ist geplatzt: Nach nur gut 20 Monaten als Leiterin des Personal- und Rechtsdienstes hat Christine Krattiger gekündigt. In der Sitzung der Gemeinderatskommission GRK vom Donnerstagnachmittag gab die 40-Jährige ihren Entscheid bekannt. Die Nachfolgerin von Vorgänger Gaston Barth hatte schon 2013 bei der Stadt als Juristin angeheuert.

Stadtpräsident Kurt Fluri bestätigte den Grund für die Kündigung: «Christine Krattiger wollte aus privaten Gründen ihr Pensum reduzieren, was aber in dieser Funktion nicht möglich ist.» Also habe sie sich entschlossen, auf Ende Februar ihre Kündigung einzureichen. «Sollte Bedarf bestehen, wäre sie aber bereit, ihre Arbeit noch fortzusetzen», so Fluri.

Keine Option sei es, zwischenzeitlich den Anfang 2016 pensionierten Gaston Barth als «Überbrückung» wieder an Bord zu nehmen, auch wenn der vorherige Leiter des Personal- und Rechtsdienstes noch Aufträge für die Stadt auf Mandats-Basis übernommen hatte – so vor allem in Bezug auf den Prozess der laufenden Ortsplanungsrevision. «Zudem hat Christine Krattiger eine Stellvertreterin», ergänzt der Stadtpräsident.

«Nicht gerade erfrischend»

Zuletzt war die Leiterin des Rechts- und Personaldienstes etlichem Druck aus dem Umfeld der Sportvereine ausgesetzt gewesen, die im CIS-Sportcenter eingemietet sind. Die Stadt und damit Krattiger täten zu wenig für sie und gegen die Hallen-Eigentümer, die ihrer Unterhaltspflicht ungenügend nachgekommen waren, so die Vorwürfe. Zudem war das neue Wirtschafts- und Arbeitsgesetz mit den Restriktionen in Sachen Öffnungszeiten ein Dauerthema für die Leiterin des Rechtsdienstes.

Noch im Gemeinderat hatte Stadtpräsident Kurt Fluri darauf hingewiesen, dass sich Christine Krattiger mit der Entwicklung im CIS «herumgeärgert» habe. Doch das sei kaum das Problem gewesen, sondern alle die kleineren Reibereien wie Personalentscheide beim Putzpersonal, die laut Fluri im Berufsalltag des Rechts- und Personaldienstes «nicht gerade erfrischend» seien. Und schon gar nicht habe man Christine Krattiger seitens der Stadt eine Kündigung nahegelegt, weist der Stadtpräsident solche Spekulationen weit von sich.

Schliesslich sei die Situat Bilderion für sie auch in Bezug auf die Umsetzung des neuen Wirtschafts- und Arbeitsgesetzes nicht einfach gewesen, verwies Fluri auf das juristische Spannungsfeld zwischen den kantonalen und städtischen Baubehörden bei der Interpretation des neuen Gesetzes.

Private Entscheidung

«Da es nicht möglich war, mein Pensum zu reduzieren, habe ich die Prioritäten anders gesetzt», begründet die scheidende Leiterin des Rechts- und Personaldienstes ihren Schritt. «Es ist eine private Entscheidung», meint Christine Krattiger. Es sei auch kein Geheimnis, wo sie eine neue Anstellung gefunden hat. Sie wird künftig als Juristin bei der Motorfahrzeugkontrolle des Kantons Solothurn in Bellach arbeiten, wie gewünscht im 60-Prozent-Pensum.

Dass ihr Posten als Verwaltungsleitende der Stadt viele Belastungen bei komplexen Geschäften – wie zuletzt die Schieflage des CIS-Sportcenters – mit sich gebracht hat, bestreitet sie nicht: «Aber das gehört zu meinem Job. Und das ist nicht der Grund, warum ich gehe.» In Sachen CIS ergänzt sie: «Ich habe mich nicht über die Vereine geärgert und auch nicht über Kritik aus der Politik.» Geärgert habe sie sich lediglich über die CIS-Geschäftsführung, mit der sie sich in oft wechselnder Besetzung auseinanderzusetzen hatte. Und die laut Christine Krattiger dabei «nicht professionell» aufgetreten sei.

Auch eine Frage des Wohnorts?

Unter Druck war Christine Krattiger jedoch noch in ganz anderer Hinsicht gestanden: Die Gemeinderatskommission GRK hatte sie 2015 nur unter dem ausdrücklichen Vorbehalt gewählt, dass sie ihren Wohnsitz bis Ende 2017 in die Stadt Solothurn verlegen würde. Eine Auflage, der die in Zuchwil wohnhafte Verwaltungsleiterin allerdings bis heute nicht nachgekommen war – oder nachkommen konnte. Jedenfalls ist mit ihrer Kündigung auch diese Wohnsitzpflicht kein Thema mehr – ihr neuer Arbeitgeber, der Kanton, schreibt ihr nur ein Domizil innerhalb der Kantonalgrenzen vor.

Rasch neu besetzen

Die Gemeinderatskommission als Wahlgremium will nun die Stelle umgehend, also noch diesen Monat, ausschreiben. Allerdings gehe man je nach Kündigungsfrist nicht davon aus, dass der vakante Chefsessel schon wieder ab dem 1. März besetzt werden könnte. Immerhin hat die GRK zusätzlich auch schon ein Wahlantrags-Komitee eingesetzt.