Solothurn
Standortwechsel von Manor Food könnte 2016 Tatsache werden

Klarer ist die Zukunft des Manor-Food-Centers in der Solothurner Schanzmühle nicht geworden. Die Manor-Zentrale bestätigte lediglich, man prüfe, welches der ideale künftige Standort in Solothurn sei. Viel Auswahl gibt es nicht .

Wolfgang Wagmann
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Läuft die Uhr von Manor Food am Standort Schanzmühle/Sphinxareal bereits im Jahr 2016 ab?

Läuft die Uhr von Manor Food am Standort Schanzmühle/Sphinxareal bereits im Jahr 2016 ab?

Wolfgang Wagmann

Der Schock in Solothurn war gross, als Manor 1995 ankündete, die Lebensmittelabteilung im Untergeschoss des Warenhauses an der Gurzelngasse vor die Stadttore zu verlegen. Im Oktober 1996 war es so weit: Nach einem 6-Mio.-Umbau der stillgelegten «Sphinx»-Fabrikhalle wurde der damalige Solomarkt eröffnet. 19 Jahre danach will Manor den bisherigen Mietvertrag offenbar nicht mehr einfach so verlängern, besteht doch die Chance, sich neu zu orientieren. «Manor kommentiert laufende Verträge grundsätzlich nicht öffentlich», macht Alexandre Barras von der Medienstelle Manor in Basel gleich klar, dass es keine Stellungnahme zu einer Vertragskündigung durch Manor gegenüber dem Vermieter, der kantonalen Pensionskasse, gibt.

Auch dort bleibt man einsilbig. Direktor Reto Bachmann: «Wir können das nicht bestätigen und wollen dazu auch nicht Stellung beziehen.» Immerhin lässt Manor in Basel durchblicken, dass man derzeit mehrere Varianten am Standort Solothurn auf Stadtboden prüfe. Ob der jetzige auf der Sphinxmatte auch noch eine Option sei, beantwortet Barras mit: «Manor prüft aktuell, welcher Standort in Solothurn künftig am geeignetsten ist.» Ein rascher Wegzug vom jetzigen Standort sei jedoch nicht zu erwarten, «das wird sicher nicht heute oder übermorgen der Fall sein, da eine Entscheidung noch nicht getroffen wurde.»

Keine Begründung des Warums

Noch im Januar hatte man in Basel mitgeteilt, dieses Jahr Millionen in den jetzigen Standort investieren zu wollen, um ihn attraktiver zu machen. Warum das Vorhaben nun auf dem Prüfstand ist, darüber schweigt man sich bei Manor aus. «Oft führt ein Führungswechsel im Konzern zu einer Neubeurteilung der Situation», meint ein Branchenkenner. Denn auch im Warenhaus an der Gurzelngasse steht seit dem Sommer 2012 ein geplanter Ausbau im Innenhof um 800 Quadratmeter still – offenbar wurde seither mehrfach neu gerechnet.

Und so erhielten wir auch auf unsere Fragen, warum der jetzige Standort von Manor Food auf dem Prüfstand kommt, keine Antworten aus Basel. Gründe könnten die Umsatz- und Frequenzentwicklung, die oft unbefriedigende Parkplatzsituation, der Margendruck, die Infrastruktur des Gebäudes in Bezug auf Kühl- und Lagermöglichkeiten oder aber die Höhe des Mietzinses sein. Vielleicht wird auch in Richtung neuer Standort evaluiert, weil ein Umbau des jetzigen nur mit einer längern, kostspieligen Betriebsschliessung und entsprechenden Umsatzverlusten möglich wäre. Jedenfalls führte auch eine Anfrage beim von Manor beauftragten Basler Architekten Denis Cotti nur zum lakonischen Bescheid: «Wenden Sie sich an die Medienstelle von Manor.»

Nicht auf dem Sauser-Areal

Auf den ersten Blick am geeignetsten als Alternativ-Standort erscheint das Sauser-Areal am Jumbo-Kreisel, wo ein rechtsgültiger Gestaltungsplan den Abriss der alten Fabrikgebäude – die Öufi-Brauerei bleibt bestehen – und einen Neubau mit 200 Parkplätzen ermöglichen würde. Nebenan liegt das Jumbo-Bau- und Hobbycenter, das ebenfalls zur Manor-Gruppe gehört.

Doch Raoul Stampfli, VR-Präsident der Sasolim AG, meint nur: «Ich wüsste nicht, dass wir mit Manor in Verhandlungen stehen.» Es zeichne sich aber eine Lösung für das Areal ab, «die besser als Manor ist», und die – so hofft Stampfli – bereits in wenigen Wochen spruchreif sein könnte. Auch weiss der Solothurner Jurist, dass die ehemalige Amag an der Baselstrasse im Manor-Fokus gestanden habe, aber mangels Parkplätzen keine Option gewesen sei.

Auch die Stadt winkt ab

Stadtpräsident Kurt Fluri war durch unsern Artikel in der Samstagausgabe immerhin so alarmiert, dass er sich beim Manor-Direktor in Solothurn, Jürg Bächli, nach dem Sachverhalt erkundigte. «Er hat mir bestätigt, dass man in Solothurn bleibe. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es einen besseren Standort als den jetzigen für Manor Food gibt. Aber ich bin mir bewusst, dass sich das in einem solchen Konzern sehr rasch ändern kann.» Jedenfalls sei ein neuer Standort entlang der Westumfahrung im «Weitblick»-Areal kein Thema, bestätigt er auch den Wissensstand von Stadtplaner Daniel Laubscher, dass der 2011 gefällte Grundsatzentscheid, dort keine weitere publikumsintensive Anlage mit hohem Parkplatzbedarf zuzulassen, weiterhin gültig sei.

Bliebe als möglicher Standort noch der seit Jahren fast leer stehende Komplex an der Wengistrasse, wo Loeb und die Post ein unbefriedigendes Dasein fristeten – in einem Geschäftsviertel um den Westbahnhof, das seit der Schliessung der Wengibrücke 2008 öde wirkt.

Oder Manor plant den Coup: Zurück mit den «Läbis» ins Warenhaus an der Gurzelngasse, was mit der geplanten Hofunterbauung möglich würde. Ein Plan, den Globus Bern erfolgreich umsetzt, indem die Delikatessa-Abteilung im Untergeschoss Zugpferd für das Warenhaus ist. Dem entgegen steht in Solothurn aber die vertrackte Logistik-Situation, die schon früher eine Anlieferung über die St. Urbangasse sehr schwierig gestaltet hatte.