Tiere mögen Solothurn. Und Solothurnerinnen und Solothurner mögen Tiere. Vor allem jene, die die Regeln beachten. Stadttiere ja, aber … ihren Kot, ihren Lärm, ihre Beschlagnahme gewisser Plätze – zu weit dürfen sie dann schon nicht in unser Territorium eindringen oder unsere Gewohnheiten stören.


Störche zum Beispiel. Zur Erquickung vieler hat sich dieser Tage ein Storchenpaar auf dem Kamin des Konzertsaals eingenistet. Nett anzuschauen sind sie ja, die beiden Verliebten. Ein Problem ist allerdings die grosse Menge an aggressivem Kot, welche die Störche produzieren – immerhin steht der 123-jährige Konzertsaal unter Denkmalschutz.

Hinzu kommt, dass der Horst mit der Zeit bis zu einer Tonne wiegen kann. Sobald die Störche also wieder gen Süden fliegen, muss das gut gebaute Nest zumindest teilweise abgetragen werden. Temporäre Niederlassung ja, aber bitte keine Mietnomaden!


Hunde sind ganz wunderbare Tiere, solange sie hübsch an der Leine gehen und ihre Körperfunktionen im Griff haben. Dann tolerieren wir sie, ja mögen sie sogar, aber … Sobald sie ihre Häufchen zmitz auf dem Märetplatz platzieren, ist Schluss mit Toleranz. Ist es Frauchen oder Herrchen dann noch zu mühsam, die Häufchen sachgerecht aufzulesen, schäumt der Durchschnitts-Stedtlibürger. Zu Recht: Wir brauchen mehr Eigenverantwortung, nicht mehr Werkhof! Aber was will man machen: Wir riefen treue Begleiter, und es kamen Robidog-bedürftige Verdauungsapparate.


Fledermäuse, Tauben, Ratten, Stockenten, Schwäne, Blesshühner, ja sogar Füchse, Igel und Dachse leben unter uns. Solothurn ist bunt! Artenvielfalt willkommen! Die Biodiversität in Städten soll gar höher sein als im Agrarland, das fand die Uni Bern in einer Studie heraus. Allerdings beschränkt sich die Studie auf Käfer, Wanzen und Spinnen, die auf Bäumen leben – und Bäume gibt es zumindest in der Altstadt nicht gerade viele.

Schafft man also nur für jene eine gute Umgebung, die man wirklich will? Die sich gut integrieren, so wie die Schwanenfamilie unterhalb der Kreuzackerbrücke, die Jahr für Jahr (aus sicherem Abstand) in ihr Leben als Vorzeige-Stadttiere blicken lässt? Nein. Denn dann hätte man die Saatkrähenwelle in den Platanen im Kreuzackerpark längst gestoppt. Doch es gibt nun einmal Gesetze, die das Recht auf ein Plätzchen in unserem schönen Fleckchen garantieren.