Solothurn
Stadttheater: «Wir gehen noch von 250, vielleicht 260 Plätzen aus»

Gut besuchter Informationsabend brachte einige auch ernüchternde Erkenntnisse für die Zukunft des Stadttheaters Solothurn. So wurde auch bekannt, dass die eisernen Balkonstützen von 1856 bleiben.

Wolfgang Wagmann
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So zeigte sich die Estrade nach der völligen Befreiung vom roten Stoff – die Barockmalereien bleiben ebenso erhalten wie die eisernen Balkonstützen von 1856.

So zeigte sich die Estrade nach der völligen Befreiung vom roten Stoff – die Barockmalereien bleiben ebenso erhalten wie die eisernen Balkonstützen von 1856.

Daniel Allemann

«Wir haben hier den wahrscheinlich ältesten Theaterraum der Schweiz. Unsere frühere Beurteilung des Theatersaals ist nicht mehr haltbar, die Bausubstanz muss unbedingt erhalten bleiben.» Dieses Fazit zog Denkmalpfleger Stefan Blank, nachdem er wohl vor einer Hundertschaft Interessierter in der Jugendherberge nochmals den Sensationsfund dieses Sommers aufgerollt hatte.

Nicht die allenfalls vermuteten spätbarocken Textilmalereien des Baslers Konstantin Guise waren zum Vorschein gekommen, sondern die kompletten Brüstungsmalereien des Solothurner Corvi-Schülers Felix Joseph Wirz, der auch bei der Gestaltung von St. Ursen beteiligt war (wir berichteten). «Und eine dendrochronologische Untersuchung der Holzbrüstungsplatten hat eindeutig die Jahre 1778/79 ergeben, als das Stadttheater zur Jesuitenzeit neu gebaut worden ist», bestätigte Blank.

Die Folgen des Funds

Andrea Lenggenhager hatte sich als Leiterin Stadtbauamt mit den Folgen des Befunds zu befassen – ohnehin kündigte sie an, halbjährlich und während der Bauphase durch Baustellenrundgänge die Bevölkerung informieren zu wollen. Die von Stefan Blank formulierte «grosse Herausforderung für die Innenarchitekten» habe das Planungsteam unter der Leitung des Chefs Hochbau, Lukas Reichmuth, angenommen. «Bis heute haben wir alle technischen Abklärungen gemacht», meinte Lenggenhager, die in Sachen Theatersaal aufgrund der neuen denkmalpflegerischen Auflagen eine Überarbeitung der bisherigen Planung einräumen musste.

Dies habe Zusatzkosten zur Folge, «doch die Kostenauswirkungen können wir erst im Dezember beziffern.» Die ursprüngliche Bewertung eines «banalisierten» und deshalb nicht schützenswerten Theatersaals hatte zur Planung geführt, die den vollständigen Abriss und Wiederaufbau der Estrade vorsah. Nun sollen die Balkenkonstruktion, die hölzernen Brüstungsplatten der Balkone mit den restaurierten Malereien sowie die eisernen Stützpfosten von 1859 erhalten bleiben.

Die Sitzunterbauten und die Brüstungswände müssen – auch aus statischen Sicherheitsgründen –neu gebaut werden, doch innerhalb der jetzigen Geometrie, was eigentlich geplante Optimierungen bei der Bestuhlung, aber auch der Akustik nur noch bedingt zulässt. «Wir gehen noch von 250, vielleicht 260 Plätzen aus», musste Andrea Lenggenhager bekannt geben – die Beibehaltung der Stützen und die Anforderung an ein behindertengerechtes Theater erforderten diese Reduktion der jetzigen 280 Plätze. «Dennoch können der Sitzkomfort und die Sichtachsen verbessert werden», ist sie überzeugt. Eines aber stehe fest: Ein eigentliches «Barocktheater» werde es nicht geben, die Herausforderung bestehe darin, die perfekte Symbiose zwischen neu und alt zu finden.

Kritische Stimmen

Nicht alle Anwesenden freuten sich über die Folgen des Funds, kritisiert wurde die Beibehaltung der Stützen, der Sichtkomfort sei höher zu gewichten. Auch die späte Entdeckung der Malereien nach Vorliegen eines quasi fertigen Projekts wurde angeprangert, ebenso die Verlegung der Garderoben oberhalb des geplanten Cafés im Krieg-Haus. «Dies haben wir mit den Theaterverantwortlichen nochmals überprüft und sie fanden dies so richtig», erwiderte Andrea Lenggenhager. Und zur «Zu-Spätentdeckung» bemerkte sie recht gallig: «Ich gehe doch nicht mit einer Vorlage vors Volk, wenn ich weiss, dass noch etwas zum Vorschein kommt.»