Nach der gut vierstündigen GRK-Sitzung klang Stadtpräsident Kurt Fluri am Donnerstagabend desillusioniert: «Ich habe das Thema angeschnitten – doch hat es niemand aufgenommen. Es gab kein Echo.» Dabei wolle er sich der Diskussion keineswegs verschliessen, auch wenn er dem «Plan B» – anstelle des Umbaus einen Neubau für das Stadttheater ins Auge zu fassen – kritisch gegenübersteht. Dennoch hat Kurt Fluri das Thema bereits mehrfach aufgegriffen, schriftlich beispielsweise in seinem «Mot du Président» an das städtische Personal oder zuletzt vor der Generalversammlung von Region Solothurn Tourismus.

Das Thema gewann offenbar vor dem Hintergrund an Bedeutung, als die Umbaukosten für das Theatergebäude und die Anbindung des stadteigenen Krieg-Hauses von einem ursprünglich einstelligen Millionenbetrag auf satte 20 Mio. Franken geklettert waren. Dennoch hat der Stadtpräsident zwei Hauptargumente gegen einen Neubau: Ein solcher generiere Begehrlichkeiten, die bestimmt zu höheren Kosten als dem jetzigen Umbau führten, und «ein Neubau auf der grünen Wiese wäre nicht attraktiv», verweist Fluri auf die grössten Bauland-Reserven der Stadt im Planungsgebiet «Weitblick» entlang der Westumfahrung.

Der Rundumblick in die Vorstadt

Eindeutig attraktiver wäre ein Theater im Bereich Gewerblich-industrielle Berufsschule GIBS – Kreuzacker – Rosengarten. Dort mischt derzeit der Kanton die Karten neu mit dem Neubau der Kaufmännischen Berufsschule an der Niklaus-Konrad-Strasse und dem Abriss der dortigen Werkstätten (wir berichteten).

Der «Top-Place» für ein Stadttheater wäre die GIBS-Aula. Doch da winkt Alfredo Pergola, Abteilungsleiter Bildungs- und allgemeine Bauten beim Kanton, ab: «Die Aula ist schützenswert und wird gemäss der Schule viel gebraucht. Es könnte zwar sein, dass die dortige Mediothek im Schul-Neubau angesiedelt wird, es besteht aber auch die Idee, in der Aula vielleicht eine gemeinsame Mensa für die 2000 GIBS- und KV-Schüler einzurichten.» Ohnehin sei das Raumprogramm des neuen Schulgebäudes bereits recht exakt berechnet, verweist Pergola auf die Absicht des Kantons, die Vorlage möglichst noch dieses Jahr vors Volk zu bringen, womit bestenfalls bis 2015 gebaut sein könne.

Rosengarten in Stadtbesitz

Ebenso wenig wie auf die Aula könne man auf den GIBS-Pavillon am Rötiquai, einen ebenfalls sehr attraktiven Standort, verzichten. «Die Vorstadt hat jedoch ein enormes Potenzial» – Pergola sieht solches noch im Kreuzackerpark, wo im hinteren Bereich vor zehn Jahren gar nach dem ersten Wettbewerbsresultat das Seminarhotel hätte hinkommen sollen. Nach Ansicht der Jury ein Standort mit hohen städtebaulichen Qualitäten, zumal das Areal – lediglich bestückt mit einem Kastanienbaum und der kleinsten Platane des Parks – in der Zone für öffentliche Bauten liegt und erst noch der Stadt gehört.

Doch nebenan sieht Alfredo Pergola weitere Chancen für die Stadt und allfällige Theaterpläne: «Mit dem Neubau mieten sich unsere schulnahen Bereiche wie das Stipendienwesen in den Obergeschossen der bisherigen kaufmännischen Berufsschule ein. Das Parterre und der Keller sind jedoch davon nicht tangiert – die Räume dort sind riesig.» Das Rosengarten-Gebäude ist zu einem Drittel in Stadtbesitz, und laut Pergola möchte Coop seinen Anteil an der Rosengarten AG schon länger verkaufen. Raum also für den Einbau des Stadttheaters oder zumindest Lagerraum für dieses, wenn es nur im Mindest-Volumen nebenan gebaut würde? Nun, Kurt Fluri hat sehr reserviert auf die Vorstadt-Perspektive reagiert, und auch Pergolas Aussage «Mit uns kann man über alles reden» entlockte ihm keine spezielle Reaktion – die grosse Debatte zum Theater-Umbau steht im Gemeinderat erst an.