Die Solothurner Stadtschulen suchen für die Durchführung von Spezialanlässen, Projekten, Schulreisen und Klassenlager Begleitpersonen. Was ebenfalls zuoberst auf der Wunschliste steht, sind Köchinnen und Köche, die im städtischen Ferienheim Saanenmöser Klein und Gross kulinarisch verwöhnen.

Auch für die Betreuung einzelner Schülerinnen und Schüler im Unterricht sind aktive Helferinnen und Helfer gefragt. «Der individualisierte Unterricht und die integrative Förderung haben unter anderem zur Folge, dass einzelne Kinder oder ganze Gruppen eng begleitet werden müssen», schreibt Schuldirektorin Irène Schori in der letzten Ausgabe des an sämtliche Haushalte verteilten Informationsblattes «Schuljus». Wie aus dem Blatt zu erfahren ist, setzt sich vor allem die Koordinationsstelle für Bildungsforschung für mehr Unterstützung der Lehrpersonen ein und stellt fest: «Schwierige Schüler, Zeitdruck, viele Schulreformen und nicht zuletzt sehr anspruchsvolle oder auch komplett desinteressierte Eltern bringen Lehrpersonen ans Limit.»

Schulgrosis und -opis werden geschätzt

Zurzeit engagieren sich 15 Seniorinnen und 8 Senioren sowie fünf Zivildienstleistende im städtischen Schul- und Tagesschulbetrieb. Das weiss die Schuldirektorin zu schätzen: «Vor allem die Seniorinnen und Senioren sind als gestandene Persönlichkeiten mit ihrer Lebenserfahrung für die Kinder und Lehrpersonen aus dem Schulbetrieb nicht mehr wegzudenken.» Was die Zivildienstleistenden betrifft, begleiten diese die Kindergartenkinder ins Turnen, unterstützen deren Lehrpersonen im Rahmen des Unterrichts drinnen und draussen und wirken auch sonst engagiert im Tagesschulbetrieb mit.

«Viele dieser Zivildienstleistenden haben einen Maturitätsabschluss und die Absicht, später Pädagogik oder Sozialpädagogik zu studieren», lobt Irène Schori deren Kompetenz.
Die Seniorinnen und Senioren haben unterschiedliche Berufe ausgeübt. Sie sind, so Schori, «oftmals beeindruckt, wie anspruchsvoll es heutzutage für Lehrpersonen ist, mit der Vielfalt an Schülerinnen und Schülern in Jahrgangs- oder Mischklassen von oft über 20 umzugehen.»

Auch schwierige Fälle warten auf die Senioren

Zu den meist topfitten und lebensfrohen Seniorinnen und Senioren – der älteste ist 89 Jahre alt –, gehört auch Peter Spinner, der im Schützenmattschulhaus auf der Sekundarstufe I seit drei Jahren seine Hilfe anbietet und unter anderem einen syrischen Flüchtlingsjungen betreut. «Ein hochanständiger Schüler, der bereits gut Deutsch spricht», freut sich der 70-Jährige.
Es kommt aber auch vor, dass die Senioren im Klassenzimmer mit schwierigen Fällen konfrontiert werden, doch stets überwiegt die Freude, die Zeit nach dem Berufsleben sinnvoll nutzen zu können und zu spüren, dass der Einsatz von den Lehrpersonen geschätzt wird und auch die Schüler etwas zurückgeben. «Als ich das letzte Mal an der Heso war und mich ein paar Schüler entdeckten, klebten sie wie an einem Honigtopf an mir und umarmten mich», erinnert sich Peter Spinner an ein schönes Erlebnis.

«Ich habe immer nur Positives erlebt», schwärmt auch Rita Tschanz nach acht Jahren Unterrichtshilfe. Jeden Freitagmorgen hilft sie im Werkunterricht mit, den Buben und Mädchen den Umgang mit Textilarbeiten und anderen Handarbeiten beizubringen. «Mit Kindern bleibt man länger jung», ist die 81-Jährige überzeugt. Doch nicht nur das: «Statt zu Hause herumzusitzen lebt man auf, hat Abwechslung und kann dem Leben wieder Struktur geben.» Kommt dazu, dass das, was man tut, wieder geschätzt wird. Ein greises Grosi im Schulunterricht? Von wegen. «Ich erhalte von den Kindern viel Wertschätzung, und wenn sie mich ausserhalb des Unterrichts sehen, freuen sie sich.

Was es heisst, als Kindergärtnerin an einem halben Tag mit einer Unterstützungsperson zusammenzuarbeiten, weiss Verena Minder. Sie leitet den Kindergarten Hubelmatt und arbeitet seit acht Jahren mit einer Seniorin zusammen. «Eine zusätzliche Bezugsperson ist für die Kinder ganz klar eine Bereicherung», weiss sie aus Erfahrung. «Die Unterstützungshilfe kommt situativ zum Einsatz und hilft den Kindern beim Werken, erzählt ihnen Geschichten und kommt mit auf die Kindergartenreise oder in den Wald. Alles hängt davon ab, was sie als Erfahrungswissen mitbringt.» Gibt es darunter nicht Dinge, die auch Eltern übernehmen könnten? Verena Minder verneint: «Erstens sind viele Eltern berufstätig und zweitens ist eine neutrale Person unbefangener.»

Auch für Irène Schori ist klar: «Ältere Menschen mit ihrer Lebenserfahrung und ihrem Wissen sind im Schulbetrieb für alle Beteiligten eine Bereicherung. Sie leisten einen wichtigen Beitrag an die Gesellschaft und bleiben so manchem Kind ein Leben lang in Erinnerung.»