«Heute schreibe ich aus einem aussergewöhnlichen Grund. Ich habe mich entschieden, Solothurn zu verlassen.» In einem Dienstag spätabends verschickten Mail informierte Stadtpfarrer Niklas Raggenbass Solothurn Freunde und Bekannte über seine Demission. «Als mich Leute zur Osterzeit auf den Sturm 'Niklas' ansprachen und lachten, dachte ich mir: Wenn sie nur wüssten wie wahr, wie wahr. Aber es war auch Herzenssturm. Ich habe meine Koffer gepackt und werde nur auf Wegen gehen, wo ich noch nicht weiss, wohin sie mich führen werden.» Die Entscheidung sei ihm sehr schwer gefallen und «es ist viel Scham dabei», schreibt er weiter. «Dieser Schritt ist mir nicht leicht gefallen, da mir Solothurn zur Heimat geworden ist – und viele Menschen zu Weggefährten.»

Die Kirchgemeinde vermeldete ihrerseits in einer Medienmitteilung, dass es dem Benediktinerpater nicht immer gelungen sei «in seelsorgerischen Beziehungen die notwendige Distanz einzuhalten». So seien dadurch schwierige zwischenmenschliche Beziehungen entstanden, und «diese haben ihn an seine körperlichen und psychischen Grenzen geführt». Laut Kirchgemeinde hat Bischof Felix Gmür die Demission von Niklas Raggenbass angenommen. Der Kirchgemeinderat hat Pater Raggenbass' Wunsch nach sofortigem Rücktritt akzeptiert und betont sein Bedauern über die Geschehnisse.

Niklas Raggenbass war seit August 2013 Stadtpfarrer und hat durch oft unkonventionelle liturgische Ideen und durch seelsorgerische Nähe für frischen Wind in den Pfarreien St. Ursen und St. Marien gesorgt. Mit seiner progressiven Amtsauffassung dürfte er aber gerade bei konservativen Kirchgängern auch angeeckt haben: So waren Plakate des von ihm lancierten Fasnachtsgottesdienst von Unbekannten verkritzelt und verrissen worden. (ak/mgt)