Quartierspielplätze

Stadtindianer und Jurtenbauer erobern die Spielplätze Solothurns

Rund 90 Kinder begaben sich auf eine fantasievolle Frühlingsferienreise durch die Prärie und die Steppe. So lockten die Ferienaktionen der Solothurner Quartierspielplätze auch dieses Jahr wieder viele Kinder her.

Der «Wilde Westen» von Solothurn fängt einen Steinwurf hinter dem Krummturm an – dort, in einem lauschigen, mit Büschen gesäumten Geheimversteck leben die Stadtindianer, üben mit Pfeil und Bogen, bauen ein Indianerdorf und bereiten ihre Speisen über dem offenen Feuer zu. Wobei: So geheim ist das Gemeinversteck nun auch nicht. Handelt es sich doch ums beliebte Ferienangebot der Quartierspielplätze, das im «Güggi» sowie in der «Villa 41» an der Weissensteinstrasse durchgeführt wird und vergangene Woche auch im Tannenweg-Robi stattfand.

Währenddem sich im «Güggi» heuer die drei Sippen «Flinke Feder», «Schallender Schrei» und «Harjenniya» in vielseitigen indianischen Fertigkeiten üben, nimmt in der «Villa 41» ein ganzes Gebäude langsam Form an.

Eine Jurte entsteht dort, die dann auch den Sommer über genutzt werden soll, wie Spielplatzleiterin Lis Dreier erklärt. Und auch für die Inneneinrichtung ist gesorgt, wurden doch Traumfänger geflochten und Möbel dazu geschreinert und bemalt.

Zwischendurch kräht ein Hahn, während der auf der anderen Seite der «Villa» vorbeirauschende Verkehr ganz einfach ungehört bleibt. Natur pur, mitten in der Stadt.

Rituale und Natur hoch im Kurs

Eine grüne Perle ist auch das «Güggi». Zu schätzen weiss das ebenfalls der achtjährige Adrian, der seinen eigenen Pfeilbogen zur Verfügung stellt. «Den habe ich von meiner Tante zu Weihnachten bekommen.

Allerdings wohne ich im ‹Perron 1›, und dort kann man schlecht Bogenschiessen üben», meint er grinsend. «Es ist wichtig, dass sich Kinder hier austoben können, und auch mal Löcher graben oder herumtollen», sagt Guda Hess, Geschäftsführerin der Quartierspielplätze und Spielplatzleiterin im «Güggi».

Eine «Wildnis», die den Heranwachsenden guttut. Und auch wenns um Rituale geht, seien Kinder besonders neugierig. Deshalb habe man auch das Thema «Stadtindianer» gewählt.

«Dass das Ganze draussen in der Natur stattfindet, trägt weiter zur Begeisterung der Kinder bei», ergänzt Hess. Die Kinder zurück zu den Elementen führen und die Wachsamkeit fördern für alles, was sie umgibt, so die Devise.

«Wichtig ist auch, dass die Kinder beim Älterwerden das Träumen nicht verlernen.» Dafür lernen sie mit dem Älterwerden aber Verantwortung übernehmen, so wie die Kindercoaches, welche die jüngeren Teilnehmer betreuen. Zu ihnen zählt Selma: «Mir gefällt es, den anderen Kindern zu helfen, wenn sie eine Frage haben», sagt die Zwölfjährige. Und die Mithilfe der Kindercoaches ist wichtig.

Denn: Das Ferienprogramm der Quartierspielplätze bietet an den drei Standorten für jährlich 100 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 5 und 13 Jahren Platz und erfreut sich wachsender Beliebtheit.

Aber auch ausserhalb der Ferien kann sich Hess nicht beklagen: «Zeitweise habe ich bis zu 70 Kinder hier im ‹Güggi›.» Wie sie weiter ausführt, finden oft auch Geburtstagsfeiern auf den Spielplätzen statt: «Die sind eh schon alle dort», hört sie dann von Eltern als Begründung: weil Spielplätze halt bereits zum freizeitlichen Lebensmittelpunkt der Kinder geworden sind – allen Klischees einer angeblich abgestumpften digitalen Generation zum Trotz. Und so erstaunt es denn auch nicht, was sich die jungen Menschen – ausgesprochen oder unausgesprochen – wünschen: mehr grüne Perlen in der Stadt.

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