Solothurn

Stadtgärtner haben alle Hände voll zu tun, um Solothurn zu verschönern

Jetzt sind Solothurns Stadtgärtner Martin Geissbühler und seine Leute ganz besonders beschäftigt. Denn alles, was bisher unter Plastik war, kommt nun raus und wird eingepflanzt.

«Nach Ostern ist hier alles leer.» Stadtgärtner Martin Geissbühler fährt mit der Hand imaginär über das Grün im Treibhaus zu Füssen von St. Ursen, umringt von den niedrigen Bauten des Werkhofs. «Begonien, Zinnien, Heliotropium, Salvien und Verbenen. Die Pflanzen werden hier bis zum Mittelstadium gezogen. Und dann im Stadtgarten unten weiterkultiviert.»

Ausgesät hat man diese noch unscheinbaren Jungpflanzen, den Sommerflor, schon im Januar. «Insgesamt haben wir 9000 Stück Sommerflor und 4500 Stück Frühlingsflor plus 1000 Tulpen- und Osterglockenzwiebeln», rechnet Geissbühler vor. Und lacht: «Das brauchen wir alles selber. Verkauft wird nichts. Der Frühlingsflor dagegen – Stiefmütterchen, Bellis, Vergissmeinnicht und andere mehr – wird noch vor Ostern ausgepflanzt, in Rabatten wie gleich nebenan im Chantier. Dort ist die braune Erde schon bereit für die Frühlings-Blumenpracht.

Ortswechsel. Im Stadtgarten, fast an der Aare neben der Steinbrugg-Allee gelegen, blüht der Frühlingsflor in voller Pracht noch unter zwei Folientunneln. «Die Pflanzen hier werden Anfang Oktober pikiert, bis zum ersten Schnee bleiben sie draussen. Dann kommen sie unter den Tunnel», schildert Martin Geissbühler den Jahreszeiten-Zyklus der Stadtgärtnerei. Denn sobald Stiefmütterchen und Co. an ihren Standorten ausgepflanzt sind, nimmt der Sommerflor ihren Platz im Stadtgarten ein. Und wartet noch bis Pfingsten oder Fronleichnam einige Wochen, ehe er, ebenfalls ausgepflanzt, Solothurn verschönt.

Ein weites Feld

Stadtpark, Sportanlagen wie die Badi, aber auch der Friedhof St. Katharinen: Alle Blumen auf Stadtboden waren zuletzt vor ihrer Auspflanzung im Stadtgarten. Die Stadtgärtnerei kann dabei durchaus kreativ sein: Vor dem Baseltor wurden auch schon Rabatten mit Ziergemüse bepflanzt, was durchaus auf ein positives Echo gestossen war. Acht Angestellte umfasst die Stadtgärtnerei, darunter vier Gärtner und ein Baumpfleger.

Wobei alle Leute ebenfalls im Winterdienst eingesetzt werden. Mit ein Grund, warum der Frühlings- und Sommerflor in der kalten Jahreszeit vom Gärtnerei-Personal selbst gezogen werden. Werkhof-Chef Patrick Schärer: «Rein rechnerisch käme der Kauf von fertigen Pflanzen günstiger. Aber die Arbeit im Treibhaus beschäftigt zwei Mitarbeiter, wenn für sie kaum Winterdienst anfällt.»

Ansonsten sind die Arbeits-Schwerpunkte klar verteilt: In der warmen Jahreszeit steht vor allem der Unterhalt der Anlagen an, ab Herbst bis Mitte März ist das Bäumeschneiden und -fällen ein grosses Thema.

Eine bäumige Stadt

Denn die Stadt Solothurn zählt auf ihrem Grund und Boden allein rund 3000 Bäume. «Aktuell sind wir daran, alle elektronisch in unserem Baumkataster zu erfassen», erklärt Patrick Schärer. Der Unterhalt nach einem Pflegekonzept umfasst viele Punkte. Beispielsweise auch den Sicherheitscheck. «Bei der Reithalle haben wir gerade zwei Bäume mit einer Seilwinde und dem Messgerät auf Zug ausgetestet, um ihre Standsicherheit zu überprüfen. Der eine Baum, eine Kastanie, erhält nun eine Kronensicherung», verrät der Chef Werkhof.

Zum Pflichtenheft gehört auch das Wässern der neu gepflanzten Jungbäume, das je nach Pflanzjahr in drei Prioritäten regelmässig erfolgt. Ersatzpflanzungen für die rund 20 im Winter gefällten Bäume stehen jetzt im März auf dem Programm. Im Friedhof ersetzt eine neue Linde eine, die vom Sturm im Herbst geknickt worden ist. Andere Bäume waren krank oder altersschwach, «und bei zwei Jungbäumen waren Vandalen am Werk», so Schärer.

Im Grundsatz gilt jedoch für den Werkhof: Wenn in Solothurn ein Baum beseitigt wird, kommt ein neuer hin. Was nicht immer auf Anhieb gelingt: So habe man in der Weststadt einige Bäume auch unter Beizug eines Baumspezialisten gepflanzt, die unerklärlicherweise dreimal eingegangen waren. «Jetzt scheinen sie sich normal zu entwickeln», glauben Patrick Schärer und Martin Geissbühler.

Was beweist: Auch die Stadtgärtnerei ist im Endeffekt den Launen und dem Goodwill der Natur ausgeliefert.

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