Stadtbummel
Unsere Herzen aus Blech

Wolfgang Wagmann
Wolfgang Wagmann
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Solidaritätsplakette Fasnacht Solothurn

Solidaritätsplakette Fasnacht Solothurn

zvg

«Plaaagette!» Dieser Ruf gehört sonst Ende Januar zum Samstagsmäret wie Rüebli und Radiesli. Zum Glück haben wir ihn noch, den Märet, das für mich sicherste Einkaufserlebnis überhaupt. Weil an der frischen Luft. Doch der verkaufsfördernde Ruf der Hauptgassleistler auf dem Märetplatz ist derzeit nicht mehr am Platz. Wie schon bald auch die altehrwürdige «Leinenstube» dahinter nicht mehr. Dabei gäbe es die Plakette dieses Jahr nur in schnödem Blech. Ohne jedes Süschée, dafür als Härzli.

Die herzigen Solidaritäts-Dinger für die verloren gegangene Fasnacht haben allerdings einen schweren Stand: Der Cherzejeger – sonst eine sichere Anlaufstelle – darf sie auf Geheiss des Kantons nicht verkaufen. Und einer Bäckerei in der Vorstadt, die solches ebenfalls beabsichtigte, wurde glasklar mit einer Schliessung des Geschäftslokals im Fall des Falles gedroht. Schade, es hätte eine innovative Lösung gegeben: Die Plakette wird in einem Stück Fasnachtskuchen eingebacken. Wer drauf beisst, erhält obendrein eine rote Pappnase und gilt als Tagesnarr. Denn: Narr zu sein bedarf es wenig, und wer Narr ist, ist ein König.

Sicherlich ein geeigneter Platz für eine virensichere Frischluft-Verkaufsstelle für Plagetten wäre der Post … sorry Potzplatz. Auf der verwaisten, grossen Leerfläche hätte es genug Platz zum Anstehen in sicherem Abstand, und für die ganz lagen Wartezeiten sogar schicke Design-Stühle wie schon in Paris und New York gesehen. Da die Dinger nicht günstig sind, würden sie wohl weggehen wie die warmen Weggli. Nein, wir meinen natürlich die Plagetten, nicht die Stühle. Wobei – ein bisschen wundern wir uns schon, dass die noch da sind.

Ja, wenn etwas in diesen Zeiten ad absurdum geführt wird, dann ist es sicher unser Solothurner Lied. Eine wahre Lebenslüge ist es geworden. «’s isch immer, ‘s isch immer eso gsy!» Was? Nichts mehr ist so wie einst. Neuerdings geht es oben auf dem Berg auch noch den «Drei Hellsten» an den Kragen. Sie, die so manchem benebeltem Fasnächtler frühmorgens die Richtung zur Schlafstatt im Norden gewiesen haben. Manchmal auch sechs- statt dreifach. Doch das sind Details. Traurig ist nur, dass es dabei mehr als einem ablöscht. Nämlich mindestens dreien. Es wird dunkel in Solothurn. Darum: Tragt das Licht in euren Herzen – und darüber jenes in Blech!