Stadtbummel Solothurn
Solothurn und seine Gerüste

Noëlle Karpf
Noëlle Karpf
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Sturmböen haben das Gerüst beim Solothurner Rathaus heruntergerissen.

Sturmböen haben das Gerüst beim Solothurner Rathaus heruntergerissen.

Noëlle Karpf

Das Gerüst seh ich – in Zeiten von EM und WM– direkt vom Fenster neben meinem Platz im Büro. Genauer: Eine Leinwand, die an einem Gerüst hängt – im Solothurner Public Viewing auf dem Dornacherplatz. Und ich hör die Zuschauerinnen und Zuschauer auch eher, als das ich sehe, was sich auf der Leinwand abspielt. Es gab Zeiten, da fand ich das ganz praktisch. Manchmal war's weniger schön; wenn ich etwa dachte, dass «mein» Team einen Match spielt, der schon so gut wie gewonnen ist. Und durch Jubelgeschrei, das vom herübergeweht ist (manchmal freuen sich die Leute auch, wenn eine Mannschaft schlecht ist), dann irgendwie mitbekommen habe, dass offenbar alles schiefgelaufen ist, was schieflaufen kann.

Die Stahlkonstruktion, die bis vor kurzem am Solothurner Rathaus stand, seh ich nur, wenn ich mich bei mir zu Hause aus dem Fenster lehne. Gehört hab ich auch die dafür am Montag, als sie zu Boden ging. Zum Glück ist niemandem was passiert.

Entrüstung war in einem anderen Teil der Stadt, vor einem anderen Gerüst, demjenigen beim Kollegium, zu spüren. Dort schnappte ich zwar nur zwei Sätze auf, die ein Bauarbeiter und ein Passant austauschten. Ich hörte aber viel mehr, als mir lieb war. Das sei eine Baustelle – kein Platz für «Pipi».

Kein Urinieren in der Öffentlichkeit – dafür Vandalismus erlebt hat das Gestell auf dem Dornacherplatz. Dort hängt der Teppich, der an die Einführung des Frauenstimmrechts erinnert. Ob Dummheit oder böse Absicht – ein Stück davon wurde abgefackelt.

Wenn's mal aufgefallen ist, wird man's nicht mehr los: In der Stadt stehen derzeit sehr viele von den Dingern. Auch lädierte. Auf das eine haben coronakritische Menschen einen Spruch gespürt, auf ein anderes ist mal jemand raufgeklettert.

Besser gerüstet gegen alles scheint die eingangs erwähnte Anlage beim Dornacherplatz. Keine Spuren von Sturmschäden oder Zerstörung zu entdecken! Hoffen wir, dass das so bleibt. Und dass das Gerüst höchstens vom Stampfen und Schreien jubelnder Fans erschüttert wird.