Stadtbummel Solothurn
Grundsätzliches

Noëlle Karpf
Noëlle Karpf
Drucken
Teilen
Schmierereien in der Stadt Solothurn: So schnell sie auftauchen, so schnell sind sie meistens auch wieder übermalt.

Schmierereien in der Stadt Solothurn: So schnell sie auftauchen, so schnell sind sie meistens auch wieder übermalt.

Symbolbild/Archiv

Sie waren gründlich. Und difig: die unbekannten Helden, die innert kürzester Zeit die Schmierereien von ein paar – ebenso unbekannten – Halbstarken zum Verschwinden gebracht haben. Deren «Tags» verunstalteten die Unterführung, die auf dem Arbeitsweg oder spätestens in der Mittagspause durchquert werden muss. Etwas wenig Nettes über die «Cops» war etwa zu lesen oder – wohl ebenso wenig nett gemeint – eine Handynummer, die sehr wahrscheinlich zu einer Person führt, die sehr wahrscheinlich nicht angerufen werden will.

Grundsätzlich ist so Zeug ja schnell weg: Überbleibsel der 1.-August-Böller auf der Brücke; Überreste einer spontanen Sause am Müürli.

Der Hintergrund solcher Aktionen oder eben Tags scheint auf den ersten Blick keine Rolle zu spielen. Auch politische motivierte Botschaften - etwa die kurze Erklärung gegen das Verhüllungsverbot, die jemand an eine Hauswand geschrieben hat - verschwinden zackig. Ebenso der Hinweis, dass nicht nur Männer am Landhausquai entlangfahren. Dort fordert ein ganz offiziell aussehendes Schild «Radfahrer» auf, langsam zu erfahren, die inoffizielle Ergänzung, dass ja auch «Radfahrer:innen» Velo fahren, hat's nicht lange überlebt.

Über die Gründe, weshalb im Gegenzug etwa deutlich weniger kreative «Antifa»-Tags teils viel länger zu sehen sind, lässt sich nur mutmassen. Vielleicht, weil diese eher an ohnehin nicht so schönen Wänden prangern, die es sich gar nicht mehr zu putzen lohnt? Oder weil sie an eher schwierig zu erreichenden Stellen angebracht wurden, etwa auf einer Eisenbahnbrücke, über die man ja nicht aus dem Stand mit Lappen und Putzmittel drüberwischen kann.

Im Grunde auch egal, die Schmierfinken und vor den Hauseingang-Pinkler schämen sich nicht in Grund und Boden, wenn wir uns wundern oder gar ärgern – es hei haut nid aui Sorg, auch wenn sich das die Gründerinnen und Gründer einer wohl stadtweit bekannten Kampagne wünschen.

Schauen wir uns lieber Gründe für gute Laune an: Der Beizenbesitzer, der immer grüsst und stets Platz macht – auch mit Stühlen oder Tischen in den Armen –, sodass es auch Velos und Kinderwagen durch die Gasse schaffen. Oder junge Einwohnerinnen, die Altglas schleppen – vorbeimarschierend an sorgfältig zusammengebundenen Eierkartons, die keinen Tag zu früh zum Entsorgen rausgebracht wurden. Und wenn ein leeres Öufi auf dem Pflasterstein zerschellt, weil der Sack mit dem Altglas wieder zu gut gefüllt wurde, geht's zackig und aus mindestens einem Laden streckt die Verkäuferin ihren Kopf und bietet ein «Seckli» an.

Im Grunde hei mer scho Sorg. Auch wenn dies manchen vielleicht nicht gleich ins Auge springt wie ein dahingekrakeltes Schauerwerk am Gemäuer. Wir müssen halt etwas genauer hinschauen.

Aktuelle Nachrichten