Stadtbummel
Skifahren in der Badi?

<strong>Christina Varveris </strong>
Christina Varveris
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Badi Solothurn

Badi Solothurn

Wolfgang Wagmann

Die Erinnerung droht zu verschwimmen. Aber doch – ich weiss es noch genau, es war an einem dieser Tage in den Sommerferien, um die Mittagszeit: leer die Badi, grau der Himmel, kalt der Regen, eisig das Wasser im Herrenbassin. Meine Grosse hatte einen Schwimmkurs, die Arme, mehr als 15 Minuten hielt sie es trotz Neoprens nie aus.

Als wir also wieder mal vor der Schranke standen, dick eingepackt in Jeans, Turnschuhen, Pulli und Halstuch und ich das Badikärtli zückte, um es der Maschine hinzuhalten, passierte es. Sie wissen ja – man hält das Kärtli unten an diesen Bildschirm, wo ein gelbes Licht aufleuchtet und wenn’s das richtige Kärtli ist, dann springt das Licht auf Grün, das Drehkreuz wird beweglich und sie können durch. Wissen Sie was die Maschine sonst noch macht? Normalerweise?

«Die Maschine ist kaputt», sagt die Dame an der Rezeption, «ihr könnt einfach durch.» Trotzdem halte ich die Karte ran und es scheint normal zu funktionieren. «Bip», macht’s und das metallische Geräusch ertönt, wenn sich das Drehkreuz deblockiert.

Aber etwas ist tatsächlich anders heute. «Happy Skiing» steht da. Whaatt? Ich stutze und halte mein Kind zurück, starre auf den Monitor: «Happy Skiing». Mir wird noch kälter. Ich schaue mich um – nein, da ist kein Schnee, ich bin nicht auf dem Berg. Und da sind keine Ski, ich trage Turnschuhe. Halluzination? Ich lasse meine Tochter passieren. Und halte das andere Badikärtli hin: «Happy Skiing». Again. Mit einem lachenden Smiley. Hat’s der Maschine ins Hirni gschneit? Will sie den Arbeitsplatz wechseln? Wünscht sie sich an einen Skiort? Sind ja oft dieselben Maschinen dort.

Mit klammen Fingern wurstle ich die Badikärtli zurück ins Portemonnaie. Skifahren? Meiner Tochter sage ich lieber nichts, sonst wird aus den 15 nur noch 5 Minuten.

Der Vorfall lässt mich nicht los. Ja, es waren wettertechnisch üble Sommerferien, dass da sogar eine Maschine mal an ihre Grenzen kommt, kann ja sein, aber «Skiing»? Am nächsten Tag schaue ich genau hin. «Viel Spass», steht jetzt, ganz unverfroren. Mit dem Smiley.

Ich erzähle der Rezeptionistin von gestern. «Wirklich?», sagt sie, sie weiss von nichts. Aber es ist auch nicht die Rezeptionistin von gestern. «Viel Spass», wünscht die Maschine am nächsten Tag, am übernächsten ebenfalls. «Viel Spass», «Viel Spass», «Viel Spass» und immer dieses Smiley.

Aber ich weiss, an diesem einen Tag in den Sommerferien, da war’s der Maschine einfach zu kalt. Oder mir?

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