Stadtbummel
Null Bock auf Solothurn

Wolfgang Wagmann
Wolfgang Wagmann
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Das Bödeli auf der Wengibrücke gehört dem Dock.

Das Bödeli auf der Wengibrücke gehört dem Dock.

Hanspeter Bärtschi

Kurt kennt sich aus in Rheinfelden. Wo wir diesmal auf der «Route Gourmande» sind statt wie so oft in Solothurn. Ehrfurchtsvoll spricht er von «unserer Kaiserin». Und meint damit die Habsburg-Monarchin Maria Theresia – im 18. Jahrhundert 17-fache Mutter. «Hier spricht niemand vom Kanton Aargau.»

Kurt deutet auf ein weiteres österreichisches Wappen mit dem Doppeladler. Überall prangt es, am «Kommandantenhaus» ebenso wie ganz prominent am Rathaus. Dagegen nimmt sich unser Reichsadler am Bieltor geradezu diskret aus. Dabei gehören das Fricktal und Rheinfelden mitsamt seinem Schlösschen auf dem Feld schon seit 218 Jahren zur Schweiz. Kurt will es offenbar nicht wahrhaben.

Im Gegensatz zu Solothurn macht Rheinfelden etwas aus seinen Legenden. Wie die Story mit dem Geissbock. Während der Schweden-Belagerung im Dreissigjährigen Krieg soll sich ein Bursche in die Haut eines Ziegenbocks eingenäht haben und so auf der Stadtmauer rumgehüpft sein. Die verdutzten Schweden meinten, die Stadt sei noch gut mit Vieh versorgt, und zogen ab.

Wer auf die Legende Bock hat, findet sie überall. Als Wandgemälde ebenso wie bei einem Glockenspiel, das unserer Öufi-Uhr am Amtshaus verdammt ähnlich sieht. Und genauso dingdongt, wenn auch nicht das Solothurner Lied. Dafür rennt nebenan der ominöse Bock hin und her. Könnte doch bei uns Hans Roth sein, der «hingerzi» Richtung Stadttor eilt. Aber so viel Fantasie haben wir nicht.

Dafür unsere wunderprächtige St.-Ursen-Kathedrale. Ja, Kurt kennt sie seit der «Route Gourmande» durch Solothurn. «Und, wie findest du sie?» Sein Urteil fällt überraschend vernichtend aus: «Viel zu gross und zu protzig. Die gehört nach Italien. Aber nicht ins kleine Solothurn.» Aha. Da haben wir's! Der Neid des Städtchenführers aus Rheinfelden. Die haben ja nur sieben Beizen, wir siebzig!

Oder hat er recht? Nein. Solothurn ist multikulti, darf sich genauso Soleure wie Soletta nennen. Italianità gehört zu unserer DNA wie Austria zu Rheinfelden, auch wenn Pisoni ein Tessiner war. Und schliesslich liegt Solothurn sogar am Meer – am Mare di Aare.

Dort tobt entlang der Küstenlinie unser aller lieb gewonnener Solothurner Kleinkrieg. Nach dem Potzplatz ist das Bänkli südlich der Wengibrücke in den Fokus gerückt. Es sorgt als «Dock»-Anhängsel für Betrieb, der dem Hotelier nebenan in die Nase sticht.

Nun soll es wieder Bänkli statt Beizentischli werden. So wie vorher – als niemand drauf gesessen war. Solothurn ist halt auch Honolulu. Mit dem Waikiki-Beach. Wo man auf besagtem Bänkli bald wieder schunkeln darf: «Es gibt kein Biieer auf Hawai, es gibt kein Biieer…»

Manchmal habe ich mehr Bock auf Rheinfelden.

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