Stadtbummel
Die Schlacht ist vorbei

Christina Varveris
Christina Varveris
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Die Läden sind wieder offen und die Rabatte locken viele an.

Die Läden sind wieder offen und die Rabatte locken viele an.

Hansjörg Sahli

Waren Sie in der Stadt letzte Woche? Ich meine die Woche nach dem Lockdown. Wahrscheinlich schon, wahrscheinlich waren alle in der Stadt, ausser jene in Quarantäne.

Mit Bergen von Kleidern sah ich vorwiegend Frauen aus den Stadttoren strömen. «Zum Glück sind die Läden wieder offen», sage ich etwas unverfroren zu einer Mama, deren Kind mangels Platz im Kinderwagen laufen musste. Und dann erzählt sie von Manor und den 70 Prozent und nochmals 20 Prozent wenn man drei Sachen kauft. «Hmm ... vielleicht sollte ich auch mal schauen gehen», denke ich. Also auf «go lädele» – what else? Spazieren waren wir alle zu Genüge die letzten Wochen. Und Geld haben wir auch, man konnte ja keins ausgeben. Naja, online schon und Essen bestellen, aber sind sicher ein paar Franken mehr auf dem Konto, als noch im Dezember, oder? Und dann eben diese Rabatte – du meine Güte.

Und bei Manor muss man nicht mal anstehen. Das Anstehen, das finde ich etwas peinlich. Ich machs trotzdem, beim C&A und die Maske ganz hoch ins Gesicht gezogen in der Hoffnung, es kommt niemand vorbei, der mich erkennt. Aber natürlich kommt jemand vorbei, der mich erkennt. Ihm war’s auch etwas peinlich, mich beim Anstehen vor dem Laden zu ertappen. «Wenn du Geduld hast», meint er nur. Habe ich nicht wirklich. Mit Kinderwagen ist alles doppelt mühsam und trotz reguliertem Eintritt ist der Laden zum Bersten voll. Ich bin ja gespannt auf die neusten BAG-Zahlen.

Anstehen also für in den Laden, anstehen für in den Lift. Runter zur Kinderabteilung, «tschuldigung», «tschuldigung, tschuldigung» - murmelnd zu den Mädchenkleidern. Das Rad des Kinderwagens kracht an ein Kleiderständer. Heiss ist es von den vielen Menschen, der Schweiss läuft mir den Rücken runter. Ich will raus, aber der vor mir macht keinen Wank. Er steht in der Schlange für die Kasse. «Tschuldigung, tschuldigung …» Jetzt wird noch mein Kind unruhig. Verloren die Schlacht, ich gebe auf. Toll wären sie die Rabatte, schade. Oben hat’s etwas weniger Leute und ‒ es hat noch Masken! 2.50 Franken für fünf Stück. 50 Prozent von 50 Prozent! Ich greife zu.

Diese Woche dann der neue Film. Ruhe und Eintracht. Eine Wohltat durch die Stadt zu bummeln. Kaum ein Mensch, keine Schlangen vor den Läden, aber – auch keine Rabatte mehr. Eine Woche hat die Schlacht gedauert. Jetzt sind die Menschen zu Hause und tragen neue Kleider. Und ich hab immerhin neue Masken.