Stadtbummel
Darüber, was ich im Bücherschrank fand

Fabio Vonarburg
Fabio Vonarburg
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Offener Bücherschrank auf dem Kreuzackerplatz.

Offener Bücherschrank auf dem Kreuzackerplatz.

Andreas Kaufman

Es gibt Tage, an denen man die eigenen vier Wände am liebsten nicht verlassen würde. Trotz der schönsten Barockstadt vor der eigenen Haustüre. Sei es, weil es regnet oder schlicht und einfach, weil es zu Hause so gemütlich ist.

Meistens jagt einem das schlechte Gewissen dann doch noch nach draussen, um frische Luft zu schnappen. Erst recht, wenn man kleine Kinder hat. Doch dann stellt sich die Frage: Wohin des Weges? So ziellos, wie man an solchen Tagen ist. Einkaufen? Alles nötige bereits zu Hause. Eine Glace essen? Die tiefen Temperaturen sprechen nicht dagegen, die Winterpause der Vitaminstation hingegen schon.

Es bleibt ein Ziel für einen Spaziergang, das immer geht: der Bücherschrank im Kreuzackerpark. Somit ist der etwas unwillige Ausflug nach draussen begleitet von Nervenkitzel. Wird man ein Buch nach Hause nehmen? Wenn ja, welches? Ein grandioses? Ein gutes? Ein passables? Oder nur eines, um den Anschein zu erwecken, es habe sich gelohnt, das Haus zu verlassen?

Zuletzt fiel mein Blick im Bücherschrank nicht auf einen packenden Roman, auch nicht auf eine schnulzige Liebesgeschichte. Es war ein Buch über Solothurn, auf das ich aufmerksam wurde. Moment. Nicht eines, zwei, ja gar drei Bücher über unsere geliebte Stadt standen im Schrank. Alles nicht mehr die neuesten. Eine etwas gewitzte Feder, Tastatur in meinem Fall, würde von einem historischen Fund schreiben.

Das älteste der drei Bücher datiert aus dem Jahr 1973, trägt auf dem Buchcover den simplen Namen Solothurn, was sich aber als französische Falle entpuppt. «Soleure» heisst es dann fett auf Seite fünf. Eine Seite umblättern und los geht's: «Ici, l'Aar prend tout son temps. Au lieu ou le Jura et la Bucheggberg se rapprochent, elle s'elargit, prend ses aises, s'accorde les inflexions de méandres très ouverts.»

Solothurner Lektüre Nummer zwei ist der Festführer zum 21. Eidgenössischen Jodlerfest, das damals im Juni 1990, in Solothurn stattfand. Der OK-Präsident schreibt in seinem Grusswort, «was in des Menschen Hand liegt, wurde getan – da kann Petrus eigentlich nicht zurückstehen! ...»

Gerne hätte ich gewusst, ob Petrus auf ihn hörte. Während meiner Schnellrecherche fand ich das Wetter in unserem Städtchen nicht heraus. Der Arbeitskollege, der damals in Riedholz wohnte, kann sich leider und zu meinem grossen Entsetzen nicht erinnern. Seine Ausrede? Sein Alter. Anderthalb Jahre zählte er. Doch was ich auch ohne seine Hilfe herausfand: In Berlin war das Wetter wolkig mit vereinzelten Regenschauern.

Schreiten wir zum Buch Nummer drei, das aktuellste der drei Funde. Ein Werk über unseren Märet, aus dem Jahr 2005. Mit Infos über die Marktfahrer, einem ABC, was man alles wissen muss und mit Rezeptideen. Etwa einem Auberginenragout.

Aus archäologischer Sicht ist die handschriftliche persönliche Widmung zu Beginn des Buches am spannendsten, verrät es doch etwas über den einstigen Besitzer, der das Buch von seinen Eltern geschenkt bekommen hat. Interessant ist auch, dass auf der gleichen Seite, mit anderer Handschrift und Farbe, der Name eines früheren Gemeinderats eingetragen ist. Der Besitzer? Der Verdacht liegt zumindest nahe.

Wer, das wird hier nicht verraten. Aber sollte er das Buch einst doch vermissen, seine Handlung bitterlich bereuen, so kann er es auf der Redaktion abholen. Dann steht dem Auberginenragout nichts mehr im Weg.

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