Stadtbummel
Chunnt de scho furt

Noëlle Karpf
Noëlle Karpf
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Blick in eine Gratis-Kiste (Symbolbild).

Blick in eine Gratis-Kiste (Symbolbild).

Walter Christen

Was haben Biergläser, Bücher und sogar Bügelbretter gemeinsam? In der Stadt gibts diese Dinge - gratis zum Mitnehmen. So stehts jeweils auf den Karton- oder Papierschildern geschrieben, die auch Sonnenschirme, Blumentöpfe und Laternen anpreisen, die Solothurnerinnen und Solothurner nach dem Ausmisten an den Strassenrand stellen. In der Regel gilt: chunnt de scho furt.

Spätestens dann, wenn sich der Werkhof der Sache annimmt. Der entsorgt gründlich – nicht nur Kebag-Säcke und Sperrgut, auf denen Kebag-Märkli kleben. Das haben all diejenigen festgestellt, die schon mal was vor die Türe gestellt haben, unter dem Vorsatz, dann noch ein Märkli draufzukleben. Zum Beispiel einen riesigen Schrank, in viele Einzelteile zerlegt. Die fehlende Marke sollte am nächsten Morgen gekauft und draufgeklebt werden. Doch dazu kam es nicht: Der Schaft kam schon vorher furt. Obwohl man keineswegs beabsichtigt hat, diesen gratis entsorgen zu lassen. Ehrlich nicht.

Es steckt auch keine böse Absicht dahinter, dass hin und wieder ein Glas furt chunnt, aus dem man am Mürli getrunken hat. Zumindest zu Zeiten, als man noch draussen rumstehen durfte, und dann irgendwie – niemand weiss genau wie – das Wein- oder Bierglas nach Hause genommen hat.

Für ganze zwei Tage war die Schreibende übrigens auch davon überzeugt, dass von der eigenen Terrasse etwas furt gekommen sei. Die Abdeckung für den Tisch (und, wie ich erst später kapierte, auch diejenige vom Grill). Ein starker Windstoss hatte die schwarzen Blachen wohl mitgenommen. Mit schlechtem Gewissen wurden umliegende Gassen inspiziert – aber nirgends wurden die Abdeckungen gefunden. Gut, dachte ich mir, es ist halt so wie bei allen Dingen, die man - absichtlich oder nicht – an den Strassenrand stellt: chunnt de scho furt.

So wars dann nicht ganz. Der nette Nachbar hatte das verlorene Stück im Innenhof gefunden, und ins Trockne gebracht. Dann galt verdankenswerterweise wieder: Gratis zum Mitnehmen.