Stadt Solothurn
«Tiere und Pflanzen im Gebirge»: Eine Sonderausstellung als Vorbereitung für die Sommerferien

Die neue Sonderausstellung im Naturmuseum Solothurn «Gipfelstürmer und Schlafmützen - Tiere und Pflanzen im Gebirge» zeigt dem Solothurner Publikum, was es in den Bergen zu entdecken gibt.

Judith Frei
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«Gipfelstürmer und Schlafmützen – Tiere und Pflanzen im Gebirge» heisst die neue Sonderausstellung im Naturmuseum Solothurn.

«Gipfelstürmer und Schlafmützen – Tiere und Pflanzen im Gebirge» heisst die neue Sonderausstellung im Naturmuseum Solothurn.

Michel Lüthi

Ein gelber Wanderwegweiser, der auch in den Bergen die Richtung angibt, zeigt an, wo die Ausstellung anfängt.

«Alles was hier ausgestellt wird, kann man bei uns in den Schweizer Alpen antreffen»,

erklärt Museumspädagogin des Naturmuseums Solothurn, Joya Müller. Die Sonderausstellung «Gipfelstürmer und Schlafmützen – Tiere und Pflanzen im Gebirge», die am Donnerstag eröffnet wird, sei eine museale Bergtour, bei der kein festes Schuhwerk benötigt und nicht geschwitzt wird. «In den Bergen sind die physikalischen Bedingungen sehr streng. Tiere und Pflanzen haben dazu unterschiedliche Strategien entwickelt, um mit diesen extremen Lebensbedingungen umzugehen», sagt die Museumspädagogin. Einige verkriechen sich in der kalten Zeit – die Schlafmützen, andere trotzen dem Sturm auf den Berggipfeln – die Gipfelstürmer.

Der Bartgeier ist kein Jäger sondern der Aasverwerter der Bergwelt.

Der Bartgeier ist kein Jäger sondern der Aasverwerter der Bergwelt.

Michel Lüthi

Die Tour fängt auf 1800 Meter über Meer, auf der Alp Tavaun an. Hier stösst man bis zur Waldgrenze vor und trifft auf die Leg-Föhre. Sie wächst nahe am Boden und erinnern mehr an einen Busch als an einen Baum. «Ihr Holz ist elastisch, was ihr bei einem Lawinenniedergang entgegenkommt. Sie richtet sich danach einfach wieder auf», erklärt Müller und biegt dabei einen Ast, der zur Veranschaulichung ausgestellt ist. Hier gibt es neben den Bäumen und Blumen auch verschiedene Tiere. Darunter thront imposant ein präparierter Bartgeier – ein Knochenschlucker und also ein Aasverwerter der Bergwelt.

Die Alpendohlen sind auf knapp 2000 Meter über Meer zu finden.

Die Alpendohlen sind auf knapp 2000 Meter über Meer zu finden.

Michel Lüthi

Über eine kleine Schwelle erklimmt man 400 Höhenmeter. Hier kreisen die Alpendohlen um einen Teller Pommes. Etwas unscheinbar, aber nicht weniger eindrücklich, präsentieren sich hier verschiedene Schmetterlinge. Vieler dieser Falter entwickeln sich unter den garstigen Bedingungen nur sehr langsam: So vergehen beim Kleinen Scheckenfalter vom Ei bis zum Schmetterling mehrere Jahre, erklärt Müller.

Das Murmeltier verbringt viel Zeit mit seiner Familie in seinem schützenden Bau.

Das Murmeltier verbringt viel Zeit mit seiner Familie in seinem schützenden Bau.

Michel Lüthi

Weitere 400 Höhenmeter später gelangt man zu den Murmeltieren, die Schlafmützen unter den Bergtieren. Während der härtesten Jahreszeit fährt dieses Nagetier seinen Puls und Körpertemperatur runter und verbringt die meiste Zeit in seinem schützenden Bau.

Auch auf der Bergspitze gibt es Blumen.

Auch auf der Bergspitze gibt es Blumen.

Michel Lüthi

Auch in noch höheren Gefilden gibt es noch Lebewesen. Eine weitere Schwelle katapultiert die Besucherin auf 3000 Meter Höhe. Dort, wo Eis und Schnee dominieren. Hier findet man das aussergewöhnliche Tier: Das Bärtierchen. «Es ist kaum ein Millimeter gross und verdankt seinen Namen seinem bärenartigen Aussehen sowie seiner etwas tapsigen Fortbewegungsart», sagt Müller.

Das Bärtierchen - hier eine wirkt, als ob es von einem anderen Planeten kommt.

Das Bärtierchen - hier eine wirkt, als ob es von einem anderen Planeten kommt.

Michel Lüthi

Dieses Tier überlebte in einem todesähnlichen Zustand gar schon zehn Tage ungeschützt im All in Vakuum, Kälte und extremer UV-Strahlung. Zurück auf der Erde pflanzte sich dasselbe Tier wieder fort – ein wahrer Überlebenskünstler. Der Schneehase wiederum kann mit seinen grossflächigen Hinterpfoten wie mit Schneeschuhen über den Schnee hoppeln und ist zudem mit seinem weissen Fell kaum für Feinde auszumachen. Eine Pflanze, die auf 4505 Meter über Meer direkt unterhalb des Gipfels des Doms nachgewiesen wurde, ist der Gegenblättrige Steinbrech, dessen Blätter Temperaturen von bis zu minus 40 Grad aushalten. Dies ist wahrscheinlich der weltweit höchstgelegene Standort einer Blütenpflanze.

Die Sonderausstellung wurde vom Bündner Naturmuseum erstellt. «Sie vermag zu verblüffen, indem sie verschiedene Organismen und deren ausgeklügelten Überlebensstrategien vorstellt», fasst Müller zusammen. Das fragile Ökosystem ist durch menschliche Einflüsse wie die Klimaerwärmung gefährdet. Denn geringste Änderungen haben hier grosse Auswirkungen auf Flora und Fauna. «Die Ausstellung soll das Auge des Solothurner Publikums für die nächste Bergtour schärfen und ihm diesen faszinierenden Lebensraum näherbringen», meint Müller.

Die Ausstellung «Gipfelstürmer und Schlafmützen – Tiere und Pflanzen im Gebirge» ist vom 6. Mai bis zum 24. Oktober im Naturmuseum Solothurn zu sehen.