Sparmassnahmen

Stadt Solothurn hat beim Sinfonieorchester ein Wörtchen mitzureden

Wie lange wird das Sinfonie Orchester Biel Solothurn noch zu hören sein?

Wie lange wird das Sinfonie Orchester Biel Solothurn noch zu hören sein?

Die Stadt Biel will aus finanziellen Gründen das Sinfonieorchester Biel Solothurn auflösen und es durch ein Projektorchester ersetzen. Solothurn wurde über dieses Vorhaben nicht aktiv vorinformiert.

Die Unruhe ist gross unter den Bieler Musikliebhabern: Dafür verantwortlich ist die städtische Exekutive, also der Gemeinderat, der dem Stadtrat beantragt, das Sinfonieorchester Biel Solothurn SOBS aufzulösen und stattdessen eine projektorientierte und damit kostengünstigere Lösung anzupeilen. Hintergrund ist die durch eine defizitäre Finanzlage nötig gewordene Sparübung unter dem Namen Massnahmenpaket 2016+.

Erhofftes Sparpotenzial durch die Kündigung des fixen Berufsorchesters: 360 000 Franken. Doch gerade in Biel gehen kulturaffine Bürger gegen die drohende Rotstift-Aktion auf die Barrikaden – mit vielfältigen Waffen: «46 Jahre Orchesteraufbau und Substanz und die Zusammenarbeit mit Solothurn einfach wegwerfen?», so die Frage, die ein herumgereichtes Unterschriftenblatt des Vereins «Freunde des SOBS» rund um das geplante Sparmanöver aufwirft. In die gleiche Kerbe haut eine auf bald 3000 Mitglieder angewachsene Facebook-Gruppe unter dem Namen «Pro Orchester/Pour l’Orchestre».

Während die Sorge um den Niedergang des Orchesters in Biel bereits viral geworden ist, ist sie – wie es scheint – 30 Kilometer flussabwärts noch nicht so recht angekommen. Geht es aber um die Existenz des Orchesters, hat Solothurn ein Wörtchen mitzureden: Neben den Kantonen Solothurn und Bern, der regionalen Kulturkonferenz Biel und der Stadt Biel gehört die Stadt Solothurn ebenfalls in den Kreis der Trägerschaft, die mit finanziellen Beiträgen den Betrieb des Theater Orchester Biel Solothurn TOBS sicherstellt – und damit auch den Erhalt des Orchesters.

Auflösung ist «total falsch»

So erstaunte die laut gewordene Forderung der Bieler Exekutive auch den hiesigen Stadtpräsidenten Kurt Fluri. Er erinnert – ebenso wie die Unterschriftensammlung «Pro Orchester» – an den langen und aufwendigen Weg vom Theaterorchester zur fix engagierten Formation. So war im Jahre 1971 die junge Orchestergesellschaft Biel OGB beauftragt worden, den Bereich des Musiktheaters zu übernehmen, dies aber nicht im Sinne eines ständigen Ensembles. Mit der Überführung der Stiftung ins Neue Städtebundtheater 1996 wurde schliesslich das Musiktheater mit einem Kooperationsvertrag zwischen Stiftung und OGB stärker eingebunden. Aber erst mit der Stiftung TOBS im Jahre 2011 ist das Sinfonieorchester Biel, also die frühere OGB, und damit auch das Musiktheater in das Neue Städtebundtheater einverleibt worden.

«Die Bieler haben sich lange darum bemüht, Theater und Sinfonieorchester ins Städtebundtheater zu integrieren», erinnert Kurt Fluri. «Nun, da dies realisiert ist, kommt aber aus der gleichen Stadt die Forderung, die Stiftung wieder abzuändern.» So findet er es «total falsch», die bisherigen Entscheidungen wieder rückgängig zu machen, auch wenn man sie rein aus dem Spareffekt heraus verstehen könne.

Fluri: «Habe es indirekt erfahren»

Auffällig ist aber auch folgender Umstand: Offiziell wurde Kurt Fluri über die Bieler Pläne gar nie proaktiv informiert. «Vor fast zwei Wochen habe ich aus den Reihen des Theaters indirekt über diese Pläne erfahren», ebenso zuvor schon aus der Presse. «Es erstaunt insofern, als dass wir die Strukturen des heutigen Theaters zusammen erarbeitet haben», sagt Fluri weiter, relativiert aber gleichzeitig, dass «Kommunikationspannen vorkommen können.» Tatsächlich habe er von Cédric Némitz, dem Bieler Direktor für Bildung, Kultur und Sport, auf eigenhändige Anfrage dann doch eine Stellungnahme erhalten. Eine offenbar beabsichtigte Information an Solothurn sei von der Bieler Kommunikationsabteilung irrtümlicherweise nicht verschickt worden, hiess es in Biel.

Insbesondere befürchtet Stadtpräsident Fluri eine Qualitätseinbusse beim allfälligen Wechsel in eine projektbezogene musikalische Bespielung des Theaters. Und auch personelle Gründe gegen die Sparübung macht er geltend: «Es gibt Leute in diesem Orchester, die seit zehn Jahren dabei sind. Ihnen gegenüber wäre es unfair.» Die Frage, ob die Stadt Solothurn – gerade angesichts der hervorragenden Finanzlage – sich eine solidarische Mehrleistung vorstellen könne, verneinte Fluri: «Der Verteilschlüssel des TOBS ist das Resultat langer Verhandlungen und stützt sich auf die Einwohnerzahlen in den jeweiligen Einzugsgebieten.» Kulturdirektor Némitz bestätigt, dass er in einem langen Telefonat die Bieler Pläne mit Stadtpräsident Kurt Fluri erläutert habe. Und: «Wenn dieser Entscheid in Biel zur Diskussion steht, wird er natürlich auch zum Gegenstand von Verhandlungen mit Solothurn werden.» Konkret soll das Massnahmenpaket 2016+ ab dem 22. April im Bieler Stadtrat behandelt werden.

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