Solothurn
Wer übernimmt das Stadtpräsidium? Das Duell Ingold gegen Schüpbach ist lanciert

Bis vor Kurzem konnten Wahlvorschläge eingereicht werden. Die beiden Kandidierenden für das Stadtpräsidium Solothurn nehmen Stellung.

Fabio Vonarburg
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Stefanie Ingold (SP) und Markus Schüpbach (FDP)sind die Stadtpräsidiumskandidaten.

Stefanie Ingold (SP) und Markus Schüpbach (FDP)sind die Stadtpräsidiumskandidaten.

zvg

Man kann sich im Vorfeld nie ganz sicher sein. Doch seit Montag, 17 Uhr, steht fest: Die Überraschung bleibt aus. Wahlvorschläge für das Stadtpräsidium gingen genau zwei ein, wie die Stadtkanzlei am frühen Abend vermeldet. Es sind die Erwarteten: einerseits Markus Schüpbach von der FDP und andererseits Stefanie Ingold, die für die SP antritt.

Bis zum letzten Wochenende hatte auch Laura Gantenbein Interesse am Job gezeigt. Nachdem aber Stefanie Ingold im direkten Stimmenvergleich besser abschnitt und die SP sich zudem gegen die Grünen behauptet hat, zogen Gantenbein und ihre Partei die Konsequenzen. Sie unterstützen nun Stefanie Ingold. «Wir haben uns mehr erhofft von den Wahlen», sagt Laura Gantenbein zu ihrem Rückzug. Man sei zum Schluss gekommen, dass ohne einen Sitzgewinn die Legitimität für eine Stadtpräsidiumskandidatur fehle. «Zudem wäre eine solche nicht dem Ziel dienlich, künftig eine linke Stadtpräsidentin zu haben.»

Gantenbein peilt jetzt das Amt als Vizestadtpräsidentin an. Das sei kein Trostpreis, betont sie.

«Auch dieses Amt reizt mich, auch hier kann ich etwas in der Stadt bewegen.»

Neben ihr ging bei der Stadtverwaltung bis zum Anmeldeschluss die Kandidatur von Pascal Walter (CVP) ein, der das Amt in den letzten vier Jahren ausgeübt hat. 2017 setzte er sich im zweiten Wahlgang gegen Heinz Flück von den Grünen durch. Damit kommt es nun erneut zum Duell der beiden Parteien um das Amt.

Resultat der Gemeinderatswahlen stimmt beide Lager zuversichtlich

Dies ist aber nur ein Nebenschauplatz. Im Zentrum steht die Frage: Wer wird nach 28 Jahren Kurt Fluri die neue Stadtpräsidentin oder der neue Stadtpräsident von Solothurn? Der Stimmungstest, die Gemeinderatswahlen, ging zu Gunsten von Stefanie Ingold aus, die 736 mehr Stimmen holte als Schüpbach. Wobei gesagt sein muss, dass der FDP-Stadtpräsidiumskandidat im Gegensatz zu Ingold nicht doppelt auf der Wahlliste stand.

«Man könnte jetzt lange analysieren, wie viele Stimmen ich mit einer ebenfalls doppelten Aufführung auf der Wahlliste zusätzlich geholt hätte», sagt Schüpbach, der klar festhält: «Ich konzentriere mich stattdessen viel lieber auf den Wahlkampf in den kommenden Wochen.» Sein Abschneiden am Sonntag gebe ihm Zuversicht, so Schüpbach, der mit 1955 Stimmen der bestgewählte Freisinnige war. «Das Resultat ist eine wichtige Bestätigung von Seiten der FDP-Basis, dass sie hinter meiner Kandidatur steht», sagt Schüpbach, der das Engagement seiner Parteikolleginnen und -kollegen in den letzten Wochen hervorstreicht. «Jetzt gehe ich motiviert in den Schlussspurt», so der frühere Triathlet.

Mit 2691 hat Stefanie Ingold bei den Gemeinderatswahlen am meisten Stimmen aller Kandidierenden gesammelt. Am Tag danach zeigt sie sich darüber selber etwas überrascht: «Ein solches Resultat hätte ich nie zu hoffen gewagt», sagt Ingold und ergänzt angesichts ihrer erstmaligen Kandidatur für den Gemeinderat: «Es ging von 0 direkt auf 100.»

Der Tatsache, dass sie mehr Stimmen als Schüpbach holte, will sie nicht zu viel Bedeutung beimessen. Resultate von Gemeinderatswahlen könne man nicht direkt auf Stadtpräsidiumswahlen übertragen, sagt Ingold. «Das Resultat ist aber sicher das Signal, dass wir eine reelle Chance haben. Es wäre nach 120 Jahren Zeit, dass die FDP im Stadtpräsidium abgelöst wird.» Die Schulleiterin freut sich besonders darüber, dass ihre Kandidatur nun auf die Unterstützung der Grünen zählen kann.

Panaschierstatistik zeigt: Ingold steht bei Grünen hoch im Kurs

Dass bei den Grünen-Wählerinnen und -Wähler Ingold hoch im Kurs steht, zeigt auch der Blick auf die Panaschierstatistik der Gemeinderatswahlen. Auf Wahlzettel der Grünen wurde 262 Mal der Name Stefanie Ingold hinzugefügt. Markus Schüpbach lediglich 14 Mal. Umgekehrtes Bild bei der SVP-Liste. Hier wurde der Name des FDP-Stadtpräsidiumskandidaten 131 Mal aufgeschrieben, jener der SP-Kandidatin acht Mal.

Auch bei den anderen Partien gibt es Tendenzen, wenn auch weniger klare. Schüpbach steht gemäss Panaschierstatistik stärker in der Gunst der CVP-Wählerinnen und -Wähler, Ingold bei den Sympathisanten der GLP. Ebenfalls spannend: Auf eine SP-Liste wurde Schüpbach 27 Mal draufgeschrieben, der Name Ingold landete 50 Mal auf einen FDP-Wahlzettel.