Solothurn
Stadt legt Veto ein: Jetzt soll erst einmal Statik der Kaverne untersucht werden

Die in Solothurn entdeckte Kaverne ist schon seit einem Vorfall im Jahr 1940 erfasst. Das Stadtbauamt will den Hohlraum vor dem Baseltor nun statisch untersuchen lassen. Bereits steht fest: Einen Zugang für die Öffentlichkeit soll es nicht geben.

Wolfgang Wagmann
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Archivbilder der Solothurner Kaverne mit altem Plan Nur gerade sechs Tage nach der Entdeckung des Gewölbes am 6. Juni 1940 war es bereits für die Kantonale Denkmalpflege sauber aufgenommen worden.
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Archivbilder der Solothurner Kaverne mit altem Plan
Blick nach Süden
Blick nach Norden

Archivbilder der Solothurner Kaverne mit altem Plan Nur gerade sechs Tage nach der Entdeckung des Gewölbes am 6. Juni 1940 war es bereits für die Kantonale Denkmalpflege sauber aufgenommen worden.

Kantonale Denkmalpflege Solothurn

«Eine Sensation» war für Rudolf Erzer die von ihm angestossene «Wiederentdeckung» einer unterirdischen Kaverne vor dem Baseltor letzte Woche. Bei Schachtarbeiten hatte Erzer veranlasst, einen mächtigen Steinblock zur Seite zu schaffen, und hervor kam, was die kantonale Denkmalpflege an sich schon seit fast 76 Jahren wusste: Ein rund 25 Meter langes und gut vier Meter breites Gewölbe, das allerdings schon im Juni 1940 fein säuberlich erfasst worden war.

Gestützt auf diese Unterlagen der Denkmalpflege hatte Erzer richtig getippt, und beim Auftauchen der unterirdischen Welt auch gleich Visionen gehabt: Liesse sich das Gewölbe vielleicht (touristisch) nutzen? Bereits hatte er einen Baufachmann kontaktiert, der sich das Gewölbe gerne angesehen und seine Tauglichkeit für eine Nutzung beurteilt hätte. Doch zum geplanten Besuch unter der Zufahrtsstrasse zum Baseltor kam es dieser Tage nicht – die Grundeigentümerin, die Stadt, legte ihr Veto ein.

Zuerst die Statik überprüfen

Denn aktenkundig wurde die Kaverne durch einen lapidaren Unfall. Am 6. Juni 1940 brach ein Lastwagen durch die Gewölbedecke, und in der Folge wurde der wohl als Wasserreservoir erbaute Raum sauber erfasst.

Und genau diese Vergangenheit umtrieb jetzt auch Denkmalpfleger Stefan Blank und Urs Bertschinger, Bauforscher bei der kantonalen Denkmalpflege. «Primär haben wir dem Stadtbauamt empfohlen, die Statik zu überprüfen. Denn über dem Gewölbe befindet sich nur eine Erdschicht von vielleicht 1.30 Metern», meint Bertschinger, der letzte Woche schon einen Besuch in der Unterwelt absolviert hatte.

Zwar scheint das damalige Einstutzloch recht solide abgedichtet worden zu sein, denn in den letzten 76 Jahren ist kein ähnlicher Vorfall mehr aktenkundig. Man werde aber – wie von der Denkmalpflege empfohlen – noch die Tragfähigkeit des Gewölbes überprüfen müssen, bestätigt Andrea Lenggenhager, Leiterin Stadtbauamt. Dies, «um sicherzustellen, dass bei grösserer Belastung keine Einsturzgefahr besteht.»

Kein Musikgehör für Nutzung

Lenggenhager hatte nach Rücksprache mit Stadtpräsident Kurt Fluri aber auch klipp und klar festgestellt: «Die Zugänglichkeit und damit Benutzbarkeit des Gewölbes ist nicht vorgesehen.» Wichtig sei für die Stadt lediglich, dass seitens der kantonalen Denkmalpflege alles aufgenommen und dokumentiert worden sei.

Die Denkmalpflege habe auch «kein Interesse an einer weiteren Erforschung und Zugänglichkeit», beruft sich die Stadtbauleiterin auf spezielle Abklärungen bei der Amtsstelle von Stefan Blank. Für diese sei wichtig, dass «keine Veränderungen» vorgenommen werden und ein Zugang für die Denkmalpflege weder «nötig» noch «erwünscht». Ob allenfalls «ein geringer Zugang ohne Veränderung am Gewölbe beizubehalten ist, muss geklärt werden», betont Lenggenhager.

«Möchte nochmals runter»

Urs Bertschinger will sich als Bauforscher nicht nur auf die bisherige Dokumentation abstützen. «Ich möchte nochmals runter, um mir das Ganze genauer anzusehen. Denn beim ersten Mal hatte ich zu wenig Zeit.» So bleibe festzustellen, ob das Gewölbe aus schon früher bearbeiteten oder speziell zu diesem Zweck gehauenen Steinen erbaut wurde.

Das äussere Baseltor rechts war verschoben. Unter dem Wegkreuz lag schon damals das Reservoir.
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Die drei Meter lange Einstiegsleiter verdeutlicht die Dimensionen des Gewölbes.
Die Kaverne erstreckt sich über sicher gut 25 Meter.
Der nördliche Abschluss mit dem Leitungsgang links Richtung Studer Beck.
Kaverne beim Baseltor in Solothurn entdeckt
Kriegsrat der Fachleute.
Urs Bertschinger von der Denkmalpflege hat gut lachen.
Urs Bertschinger ist zurück - dreckig, aber glücklich.

Das äussere Baseltor rechts war verschoben. Unter dem Wegkreuz lag schon damals das Reservoir.

zvg

Denn theoretisch hätte die Kaverne auch erst aus Material, das beim Schanzenabbruch 1835 anfiel, gebaut worden sein können. So hätte sich beispielsweise die Verbindung zum äusseren Baseltor, eine mehrjochige SSteinbogenbrücke, für den Neubau der Kaverne wohl bestens geeignet.

Kein Interesse am «Fund» zeigt dagegen die Kantonsarchäologie. «Wir graben dort sicher nicht», weiss Ylva Backman, die sich letzte Woche ebenfalls am Durchschlupf zur Kaverne eingefunden hatte. Der Archäologin genügt, dass das Gewölbe denkmalpflegerisch sichergestellt ist. Auch drei im Leitungsschacht aufgefundene Knochen seien kein Grund für grössere Aktivitäten.