Solothurn

Stadt ist für Wohnungs-Suchende attraktiv – doch nun flacht Bauboom ab

Die Überbauung Fegetz Süd – sie bietet bald 46 Wohnungen an – ist vorläufig die letzte Grossbaustelle in Solothurn.

Die Überbauung Fegetz Süd – sie bietet bald 46 Wohnungen an – ist vorläufig die letzte Grossbaustelle in Solothurn.

In den letzten Jahrn gabs in Solothurn einen Bauboom, der nun langsam abflacht. Doch noch hat die Stadt einen Trumpf in der Hand: die Überbauung Weitblick.

«Ich staune, warum die Stadt nicht schon Schilder aufgestellt hat und dafür wirbt, dass es hier Land zu kaufen gibt.» Gerhard Roth, Inhaber der Immobilienfirma Immowengi, meint damit das «Weitblick»-Areal, welches die Stadt links und rechts der Westumfahrung erworben hat und das mittlerweile auch eingezont ist.

Für Stadtplaner Daniel Laubscher ist das «Go!» jedoch nur noch eine Frage der Zeit: «Wir mussten zuerst noch ein Entwicklungskonzept erarbeiten, das demnächst dem Gemeinderat vorgelegt wird. Sobald der Entscheid darüber gefallen ist, werden wir am Markt aktiv werden.»

Zur Bahn, was dorthin gehört

Im Konzept wird aufgezeigt, was in Sachen Erschliessungen für die Stadt noch zu tun ist und wo welche Investoren willkommen und richtig platziert sind. Denn gerade für den Wohnungsbau «stehen die Interessenten Schlange bei uns», versichert der Stadtplaner. Es gelte Vorgaben wie das energetische Bauen nach der 2000-Watt-Norm zu berücksichtigen und vor allem Leute, die autofreies Wohnen umsetzen wollen, «dort anzusiedeln, wo der öV und Langsamverkehr optimal angebunden sind – bei der neuen Bahnhaltestelle Allmend.»

Dort, im Norden von «Weitblick», sind noch weitere Anliegen wie der Wunsch nach Läden oder nach einem Quartierzentrum deponiert. Doch nicht nur dort möchte die Stadt die Besiedlung des «Weitblick»-Areals vorantreiben, sondern auch im Süden, wo Gewerbe, Dienstleistungen und immer noch 20 Prozent Wohnen möglich wären. »Für uns wäre beispielsweise ein Gewerbepark am Obachknoten wünschenswert», so Daniel Laubscher. Dort könnten sich auch mehrere kleinere Betriebe ansiedeln, ohnehin gebe es auch Solothurner Gewerbe, das sich für einen Standort an der Westumfahrung interessiere. «Aber konkret sind wir noch mit keinem Investor am Verhandeln.»

Stagnation zeichnet sich ab

Auch der Stadtplaner sieht ein Abflachen des Booms bei den Wohnbauten, ablesbar an den aktuellen Grossbaustellen. Der Fegetz Süd neigt sich der Vollendung zu, dann ist auf der Sphinxmatte vorläufig die Bautätigkeit beendet. Weitere Projekte sind die Überbauung Hofmatt Süd und der Wohnpark Wildbach, der allerdings durch etliche Anwohner-Einsprachen blockiert ist. Und möglicherweise sogar erst nach der Ortsplanungsrevision und der dannzumaligen definitiven Einzonung überbaut werden kann. Jedenfalls deuten die neuesten Zahlen im Wohnungsbau auf eine rückläufige Tendenz hin – «Weitblick» könnte da in den nächsten Jahren wieder Impulse verleihen.

«Reurbanisierung» findet statt

Dabei ist Solothurn für Wohnungssuchende durchaus attraktiv, wie eine Analyse zu Bevölkerungsentwicklung, Wohnungsbau und Wohnungsmarkt zeigt, welche die Stadt vor einem Jahr zusammen mit der Inserateplattform Homegate erarbeitet hat. Demnach wächst die Stadt nach einer Durststrecke seit Mitte der 2000er-Jahre wieder. Dies sei alleine auf die «Reurbanisierung» zurückzuführen, weil mehr Personen zu- als wegziehen.

Die Hälfte der Zuzüger stammt aus dem Kanton Solothurn, ein weiteres Drittel aus anderen Kantonen und nur 13 Prozent ziehen direkt aus dem Ausland zu. 45 Prozent wohnen allein, ein weiteres Drittel zu zweit und nur ein Viertel machen Haushalte mit drei und mehr Personen aus. «Die Stadt weist damit eine typisch städtische Haushaltstruktur auf», meinen die Verfasser der Studie.

Von 2009 bis 2012 hat sich der Wohnungsbestand in Solothurn um 36 Einfamilienhäuser und 264 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern erhöht. Dabei sind vor allem 3-Zimmer-Wohnungen dazugekommen, was der demografischen Entwicklung zum Ein- und Zweipersonen-Haushalt entspreche.

Wohnungsmarkt brummt

Jährlich ziehen in Solothurn 2500 bis 3000 Personen um – weg, oder in ein anderes Domizil in der Stadt. Diese 1100 bis 1300 mobilen Haushalte sorgen dafür, dass jährlich bis zu 16 Prozent der Wohnungen ihre Bewohner wechseln. Im Vergleich: Vor vier Jahren waren es in Basel nur 11, in Zürich 12 Prozent.

Anhand der Insertionsdauer für Wohnungen kann Homegate auch ablesen, wie angespannt die Lage auf dem Wohnungsmarkt ist. Am schnellsten werden in Solothurn kleine Einheiten vermietet, und generell gehen alle Wohnungen in Solothurn rascher weg als in Olten und Grenchen. Fazit der Analyse: «Um eine nachhaltige Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt herbeizuführen, sollte der Schwerpunkt im Neubau noch stärker auf 2½- bis 3½-Zimmer-Wohnungen liegen.»

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