An Heiligabend werden in der Kathedrale besondere Gäste anwesend sein. Verraten Sie dazu mehr?

Niklas Raggenbass: Es ist soweit gediehen, dass vier Schweizergardisten in den historischen Uniformen in der Mitternachtsmesse um 23 Uhr dabei sein werden. Bischof Felix ist der Hauptzelebrant der Messe. Ausserdem werden die Singknaben zu hören sein, die nicht nur vorne stehen, sondern sich im ganzen Raum bewegen werden, wie sie das im Kofmehl getan haben. 

Wann werden die Schweizergardisten eintreffen?

An 24. Dezember um 10 Uhr trifft man sich im Pfarrhaus. Dort wird übrigens auch die Ausrüstung der Schweizergardisten aufbewahrt – Uniformen, Hellebarden und Schwerter. Sie werden schon vorher in der Kathedrale genau ausmessen, wie sie mit uns einziehen, «verstellen», wie sie sagen, und wo sie dann während der Messe stehen werden. Ausser beim Kommunionempfang werden sie sich kaum bewegen. Darüber hinaus kommen noch einige Schweizergardisten in Zivil. Der Sinn dahinter ist, den Schutz und die Sorge zu symbolisieren, zu dem wir uns versammeln: Das Leben, das wir alle teilen, ist nicht selbstverständlich und durch vieles immer wieder gefährdet. Entscheidungen sind gefordert, dazu brauchen wir Kraft: Miteinander füreinander gehts leichter, denn Christentum im Alleingang ist Widerspruch in sich.

Wie kommt man auf die Idee und die Gelegenheit, Schweizergardisten für Heiligabend zu mobilisieren?

Der Zufall kam zu Hilfe. Von einem Schweizergardisten erfuhr ich, dass die Uniformen, die sie in der Schweiz für besondere Anlässe benötigen, vom bisherigen Aufbewahrungsort in der Nuntiatur – also der Botschaft des Vatikans – in Bern weg müssen. So sagte ich, sie könnten ja zu uns ins Pfarrhaus kommen. Dort hätten wir auch die Nikolausausrüstung und die Spielzeuge für die Kindergottesdienste. Mitra, Helm, Hellebarde, Arche Noa, Bauklötze und Bischofsstab geben doch ein gutes Bild für die Vielfalt und Farbigkeit der Kirche und dafür, dass wir in Querverbindungen stehen.

Sie haben als Stadtpfarrer ein Flair für besondere, manchmal ausgefallene Ideen. Woher kommt diese Motivation fürs Aussergewöhnliche?

Ob Fasnacht, Chästag, Märet-Fescht, Biertage, HESO oder Film- und Literaturtage: Immer mehr wird mir bewusst – in Solothurn noch krasser als anderswo vielleicht –, dass sich die Vorzeichen drehen: Der normale Gottesdienst ist es, der zum Abnormalen, zum Aussergewöhnlichen geworden ist. Also frage ich eine normale Guggenmusik, normale Hundehalter zur Tiermesse, normale Dudelsackbläser, normale Zirkusartisten, normale Strassenmusiker und einen normalen Mann mit einer Behinderung an, ob sie zur aussergewöhnlichen Messe zur abnormalen Zeit am Sonntag oder zur Weihnachtsmesse um 23 Uhr kommen. Ist es nicht so, dass es richtige Weihnachtschristen gibt – Christinnen und Christen, die nur einmal im Jahr zur Messe kommen: an Weihnachten. Auch ein Grund, dass ich mich aussergewöhnlich freue.