Solothurn
St.-Ursen-Kathedrale: 18 Monate lang nur noch eine Baustelle

Der Brandanschlag vom Dienstag hat für St. Ursen weitaus gravierendere Folgen, als die nach Olten verlegte Bischofsweihe vom 16. Januar: Die Kathedrale wird mindestens eineinhalb Jahre lang geschlossen.

Wolfgang Wagmann
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Gottesdienste in der St.-Ursen-Kathedrale wird es frühestens im Sommer 2012 wieder geben. Hanspeter Bärtschi Gottesdienste in der St.-Ursen-Kathedrale wird es frühestens im Sommer 2012 wieder geben. Hanspeter Bärtschi

Gottesdienste in der St.-Ursen-Kathedrale wird es frühestens im Sommer 2012 wieder geben. Hanspeter Bärtschi Gottesdienste in der St.-Ursen-Kathedrale wird es frühestens im Sommer 2012 wieder geben. Hanspeter Bärtschi

Solothurner Zeitung

Und über den Sommer bleibt deshalb auch die imposante Freitreppe gesperrt. Denn, wenn die Kirche schon nicht besucht werden kann, will die Römisch-St.-Ursen-Kathedrale katholische Kirchgemeinde Solothurn gleich Nägel mit Köpfen machen. «Wir ziehen jetzt auch die Treppensanierung durch. Es geht vor allem darum, gerissene, undichte Fugen zu reparieren und beidseits die Balustraden zu reinigen», erklärt Kirchgemeindeverwalter Roland Rey die Sperrung der Freitreppe, die auch das Märet-Fescht tangieren wird.

Aber auch keine liturgischen Feste werden mehr stattfinden. «Sämtliche Gottesdienste finden in dieser Zeit nach Möglichkeit in der Jesuiten- oder St.-Marien-Kirche statt.» Zu St. Ursen wird es keine Hochzeiten, keine Beerdigungen, keine Grossanlässe wie die Chrisam-Messe, bei der alle Geistlichen des Bistums zusammenkommen, aber auch keine Stadtführungen oder Besichtigungen des Domschatzes mehr geben. «Denn auch er ist durch den Brandruss betroffen.» Einzig den Turm, der verschont geblieben ist, können St.-Ursen-Besucher im Frühling wieder besteigen.

Lieber alles auf einmal

Der Russ. Er ist überall. Wo man mit dem Finger hintupft, wird dieser schwarz. Kirchenbänke, Gesangbücher oder das Geländer der weit entfernten Orgel-Empore, nichts bSt.-Ursen-Kathedralelieb sauber. «Wir hatten zwei Szenarien: Zuerst die Kirche reinigen und dann in Etappen die Restaurierung vornehmen. Oder alles auf einmal durchziehen und für mindestens 18 Monate schliessen.»

Am Mittwochabend entschlossen sich die Verantwortlichen für die Totalsanierung des Innenraums in einem Schritt. «Die Etappierung hätte sich über viele Jahre hingezogen», weist Rey auf den Hauptnachteil hin. «Und zudem hätten Dreck und Staub, erzeugt durch die Arbeiten, sich immer wieder in den schon restaurierten Bereichen breitmachen können.» Noch ist zu entscheiden, ob trocken oder nass gereinigt wird, ob Gerüste (eher wahrscheinlich) oder Hebebühnen eingesetzt werden; Materialproben müssen eingeschickt werden, und die Denkmalpflege ist gefordert – «wir werden wohl schon nur ein halbes Jahr brauchen, bis wir richtig anfangen können», meint Roland Rey.

Das geht in die Millionen

Die notwendig gewordene Reinigung des Kircheninnern «löst nun eine totale Innenrestaurierung aus – wir sind dazu gezwungen». Deshalb sieht Rey Millionen-Investitionen innert kürzester Zeit auf die Kirchgemeinde zukommen. Denn die Versicherung deckt bloss den Ersatz der verbrannten Utensilien wie Altartisch oder Teppich, die Reinigungsarbeiten oder das zerschlagene Kirchenfenster. «Die Reinigungsarbeiten machen ohne die Orgeln 600 000 bis 1,1 Mio. Franken aus. Denn auch die Akustik- und die Lüftungsanlage sind durch den Russ tangiert worden.»

Weitere 300 000 Franken rechnet Roland Rey sehr vorsichtig für die Orgelreinigung, «wenn sie aber demontiert und während der Restaurationsdauer beim Orgelbauer eingelagert werden müssen, wird alles bestimmt teurer». Ohnehin könnten die Orgeln in diesem Fall erst ganz am Schluss der Arbeiten wieder eingebaut werden, um keine neuerlichen Verunreinigungen zu riskieren.

Diese vielleicht auf 1,5 Mio. Franken ansteigende, direkte Schadenbehebung ist das eine. Millionen dürfte jedoch die damit verbundene Totalrestaurierung des Kircheninnern kosten. Den grössten Teil trägt die Kirchgemeinde, denn maximal 40 Prozent Beiträge können von Bund (17 Prozent) und Kanton (23 Prozent) erwartet werden. «Sicher keine Beiträge wird es aber auf die ebenfalls notwendige Sanierung der technischen Installationen geben», beleuchtet Rey einen weiteren Knackpunkt.

Appell an die Solidarität

Die dazu notwendige, rasche Mittelbeschaffung bereitet Roland Rey grosses Kopfzerbrechen. «Unsere Kirchgemeinde zählt nur 3800 Mitglieder», verweist er auf die schmale Einnahmenbasis der Solothurner Katholiken, gehört doch bekanntlich das gut betuchte Steingrubenquartier zur Kirchgemeinde St. Niklaus.

So hofft Rey auf die Solidarität all jener, die an der St.-Ursen-Kathedrale hängen, und sie sogar besuchen, obwohl sie der Kirchgemeinde nicht (mehr) angehören. Geplant ist nächste Woche die Lancierung einer Spendenaktion, und Roland Rey stellt in diesem Zusammenhang eine Ausnahme bei der Besuchssperre von St. Ursen in Aussicht: «Wir könnten uns vorstellen, die Bevölkerung von Zeit zu Zeit zu einer Besichtigung der Restaurationsfortschritte einzuladen.»

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