Solothurn
Sprayereien an der Eisenbahnbrücke: Die SBB zahlen – und die Täterschaft?

Die Eisenbahnbrücke über die Aare wird von Aktivisten für einen Gewaltaufruf gegen den G20-Gipfel in Hamburg missbraucht – schon bald sollen die Sprayereien wieder entfernt werden.

Wolfgang Wagmann
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Im Zuge der Krawalle von Hamburg wurden Sympathisanten der Randalierer auch in Solothurn aktiv.

Im Zuge der Krawalle von Hamburg wurden Sympathisanten der Randalierer auch in Solothurn aktiv.

Hanspeter Bärtschi

Am Wochenende waren sie plötzlich da, zeitgleich mit den verstörenden Bildern aus Hamburg: Die Buchstaben «G20 BURN IN HELL!» an der Solothurner Eisenbahnbrücke. Dazu in Kleinschrift die vielsagende Botschaft: «Solidarität mit allen Kämpfern». Die betroffene Eigentümerin der Brücke, die SBB, zeigen sich aber keineswegs solidarisch. Im Gegenteil. «Ja, eine Strafanzeige wegen der Schmiererei ist bereits gestellt», bestätigt Christian Ginsig vom Mediendienst der Bundesbahnen. Auch werde die Entfernung der unerwünschten Botschaft «in den nächsten Tagen» folgen.

Und fügt hinzu: «Die Vandalismusschäden an Fahrzeugen und Bahnhöfen belaufen sich jährlich auf mehrere Millionen Franken – 2016 waren es 5,6 Mio.» Dies belaste die Jahresrechnung der SBB – und deshalb beeinflussten die Kosten für solche Vandalenakte im Endeffekt auch die Billettpreise der Fahrgäste. Aber, so Ginsig, «wir bringen jede Sprayerei konsequent in jedem Fall zur Anzeige.»

Sanierungsgerüst illegal bestiegen

Möglich wurde die Sprayerei nur über das derzeitige Sanierungsgerüst an der Ostseite der Brücke. Während der Bauarbeiten sei es aber nicht möglich, die Eisenbahnbrücke «quasi hermetisch abzusperren», räumt der Mediensprecher ein.

Das Betreten von Bahnanlagen sei schweizweit zwar «theoretisch an vielen Orten möglich, aber klar verboten. Werden Personen im Gleisbereich festgestellt und verzeigt, hat dies je nach Kanton Bussen in der Höhe vom mehreren hundert Franken zur Folge», erklärt Ginsig, wie die Bahn bei einem illegalen Betreten ihrer Anlagen reagiert.

Die Sicht des Stadtpräsidenten

Konfrontiert mit dem unerwünschten politischen Manifest, gab auch Stadtpräsident Kurt Fluri zu verstehen, dass man bei den SBB auf baldige Beseitigung der Sprayereien poche. «Wird ein öffentliches Gebäude der Stadt versprayt, sorgen wir auch umgehend dafür, dass die Graffiti übermalt werden.» Doch zum Glück sei es um das Thema in letzter Zeit in Solothurn eher ruhiger geworden, hofft Fluri, dass der «politisch» motivierte Vandalenakt an prominenter Stelle ein Einzelfall bleibe.

Warum was saniert wird

Noch vor kurzen, an der Jungbürgerfeier, hatte der Stadtpräsident die Eisenbahnbrücke allerdings in einem ganz anderen Zusammenhang thematisiert. Durch einen heranrollenden Zug in seiner Ansprache gestört, nahm er die SBB in die längst angekündigt Pflicht, endlich die massive Lärmquelle zu sanieren.

Auch dazu bezieht nun der SBB-Mediendienst Stellung, hat doch ausgerechnet jetzt der Beginn dieser Sanierungsarbeiten der Täterschaft ihr Handwerk erleichtert. Zum Sanierungsprojekt selbst führt Christian Ginsig aus: «Das Aufstellen von Lärmschutzwänden ist bei Brücken dieser Bauart nicht sinnvoll und nicht zielführend.» Wie bei etlichen anderen Aarebrücken der SBB mit einer Eisenkonstruktion versuche man mit einem anderen Vorgehen, den Lärm zu reduzieren. «Es geht darum, die Schwingung der Brücke, angeregt durch die Zugdurchfahrt, möglichst zu verhindern.»

Deshalb werde auf elastische Schienenbefestigungen zurückgegriffen, bei den SBB auch «elastische Schienenstützpunkte» genannt, welche für die Reduktionen des Brückendröhnens geeignet seien. Christian Ginsig: «Dabei wird die Schwingung der Zugsdurchfahrt durch diese Stützpunkte möglichst absorbiert, sodass die Schwingung nicht in die Brückenkonstruktion übertragen wird.» Nur so lasse sich die Entstehung des Lärms reduzieren. Doch damit nicht genug. Nochmals der Mediensprecher: «Die Stahlbrücke wird zurzeit von den SBB auch lärmsaniert, indem neue Brückenhölzer mit lärmdämmendem Material eingebaut werden.»

Auf das Resultat dieser Bemühungen wird Solothurn gespannt sein – im Moment meint der langjährige «Aaregarten»-Wirt und leidgeprüfte Brückennachbar Roland Furrer jedenfalls noch, das Rollen der Züge über die Eisenbahnbrücke sei besser zu hören als zuvor.