Solothurn
Sportart mit Tradition: Wenn die Platzge beim Schwirren fällt

Das schweizerische Verbandsfest der Platzger läuft seit gestern erfolgreich beim CIS-Zentrum in Solothurn. Die Sportart lebt von ihrer Tradition, das Gesellige hat zudem einen hohen Stellenwert. Und Platzgen sieht viel einfacher aus, als es ist.

Nadine Schmid
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Platzger Verbandsfest CIS Solothurn
17 Bilder
Schweizerische Verbandsfest der Platzger in Solothurn
Platzger Verbandsfest CIS Solothurn
Platzger Verbandsfest CIS Solothurn
Platzger ist nicht nur ein Sport für die ältere Generation
Platzger mit wunderbarer Kulisse
Platzger ist eine der wenigen Sportarten, die man auch Pfeife-rauchend ausführen kann
Obwohl Platzger ein Männersport ist, wurden diese schmucken Täschchen zu Hauf mitgebracht
Liebevoll putzt Stefan Fritz sein Wurgeschoss vor dem grossen Wettkampf
Mit voller Konzentration ist Stefan Fritz, der Verbandspräsident, bei der Sache
Die Platzger werden von Hand angefertigt, jeder ist ein Einzelstück
Gemütliches Beisammensein der Platzger-Vereine beim Zmittag unter dem Viadukt
Auch elegant kann geworfen werden
Alle Punkte wollen gut dokumentiert sein
Das Platzgeren hinterlässt bleibende Eindrücke
Platzger Verbandsfest CIS Solothurn
Platzger Verbandsfest CIS Solothurn

Platzger Verbandsfest CIS Solothurn

Thomas Ulrich und Tina Dauwalder

Arm ausstrecken, zielen, Schwung holen. Der Wurfstern – die «Platzge» – der zwischen einem und drei Kilo wiegt, wird über die siebzehn Meter lange Bahn geworfen und landet, wie gewollt, im lehmigen Ries. Es wird gemessen, die Schreiber notieren die erreichte Punktzahl. Das Ziel der Wurfsportart Platzgen: Das Geschoss möglichst nahe an der Metallstange, dem sogenannten «Schwirren», im Ries zu platzieren.

Seit gestern findet beim CIS-Zentrum in Solothurn das Fest des schweizerischen Platzgenverbands statt. Da heisst es: Sich sportlich betätigen und davor oder danach auch mal gemütlich an den Festtischen verweilen, dabei etwas essen und trinken. Heute ab 16 Uhr folgt die Siegerauswertung. Rainer Gilg, Geschäftsführer des CIS, will mit solchen Veranstaltungen die Aussenanlage attraktiver vermarkten.

Auf den ersten Blick sieht alles ganz einfach aus, doch um ein gutes Resultat zu erzielen, muss tatkräftig geübt werden. Platzger brauchen Konzentration und Koordination. Auf den zehn Bahnen begannen die ersten Würfe am Samstag und heute um 7.30 Uhr. Manche aus dem Organisationsteam standen bereits vor 6 Uhr auf dem Platz. Um frühes Aufstehen kommt man kaum herum. Das Turnier ist in drei Wettkämpfe gegliedert. Verpassen darf man es als Mitglied nicht, es ist obligatorisch: Gerade der erste Wettkampf, bei dem jedes Mitglied mit zehn Würfen antritt, zählt für die Rangierung der Vereine. Danach folgen der Gruppenwettkampf und die Ehrengabe, bei der die besten Fünfzig etwas vom Gabentempel gewinnen können.

Die Sportart lebt von ihren Traditionen und ist im Kanton Bern angesiedelt, wo sie auch ihren Ursprung hat. Von den 48 Vereinen befinden sich mit dem Verein in Biberist und dem im Kanton Freiburg gerade mal zwei ausserhalb des bernischen Territoriums. Bereits im Mittelalter gab es diesen Sport. In den Dreissigerjahren des letzten Jahrhunderts kamen Verbände und Vereine auf. 2008 folgte die Vereinigung der verschiedenen Verbände.

Obschon man vor allem Männer bei dieser Sportart antrifft, hat sie es auch einigen Frauen angetan, die man aber an zwei Händen abzählen kann. Es ist eine Sportart für alle Generationen. Unter den 360 Teilnehmern befinden sich auch ein paar Jugendliche von fünfzehn und sechzehn Jahren, deren Eltern auch Platzgen praktizieren. Die ältesten Teilnehmenden sind über achtzig. Manche sind bereits seit über fünfzig Jahren dabei. «Grundsätzlich lässt sich aber sagen, dass tendenziell ältere Leute beim Platzgen einsteigen, da es dort kein Alterslimit gibt», erklärte Verbandspräsident Stefan Fritz. «Die Jungen erwarten zudem meist Action beim Sporttreiben. Platzgen hingegen ist eine ruhige Sportart.»

Das Gesellige hat beim Platzgen einen hohen Stellenwert. So verwundert es nicht, dass es eine Festwirtschaft mit verschiedenen Menüs und Getränken zur Auswahl hat. Dadurch und mit Teilnehmereinnahmen werden die Turniere jeweils finanziert. Der Verband erhofft sich mit dem diesjährigen Anlass, die Sportart im Solothurnischen etwas bekannter zu machen. Vorbereitet wurde der Platz von rund dreissig Freiwilligen und dem Team des CIS-Zentrums. Gestern Samstag fanden sich ungefähr hundert Zuschauer ein.

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