Die Rennstrecke liegt verlassen auf dem Bronnehof von Alfred Vogt, während die letzten Sonnenstrahlen in der verschlafenen Ortschaft Scherz AG allmählich schwinden. Doch Feierabend ist noch lange nicht: Eine Solothurner Delegation ist gerade angekommen, um die Sau rauszulassen. Oder zumindest, um mit dem Finger auf sie zu zeigen. Die HESO steht vor der Tür und es ist an der Zeit, ein Rennferkel für das Säulirennen auszusuchen.

18 Sponsoren haben sich heuer für den tierischen Sportanlass gefunden, 18 Schweinchen werden sie ins Rennen schicken. Rekord, wie Säuli-Rennleiter Harri Kunz sagt. Neu dabei seien dieses Jahr etwa die Biobauern. Deren OK-Präsident, Herbert Schluep, lächelt zufrieden als Kunz die Konsequenz dieser Teilnahme erläutert: Weil die Biobauern einen Wettstreiter am Start haben, werden die Ferkel zur Stärkung ausschliesslich mit Biofutter verwöhnt.

Säulirennen an der HESO

Säulirennen an der HESO 2014

Einen Monat Lauftraining

Alfred Vogt stellt sich an die Rennstrecke, die ähnlich aussieht wie jene an der HESO. Zweimal pro Tag trainiert er hier die 18 Ferkel; seit einer Woche dauert ihre Ausbildung zu Wettläufern bereits an. «Ich beginne in der Regel einen Monat vor dem Wettkampf mit dem Lauftraining», erzählt Vogt. Das beinhaltet im Wesentlichen, den Ferkeln beizubringen, dass am Ende der Rennstrecke Apfelschnitze auf sie warten – und etwas musikalische Beschallung zur Konditionierung. «Die sind sehr clever und lernen das schnell», sagt der Rennsäuli-Züchter.

Zwischen jedem Trainingslauf brauche es mindestens zwei Stunden Pause, damit die Tiere Zeit haben, um zu fressen und sich zu stärken. Alles andere wäre zu stressig, erklärt Vogt, während es im Gehege nebenan vergnügt quiekt und oinkt. Die Schweinchen – gerade einmal zehn Wochen alt – scheinen sich auf ihre Sponsoren genauso zu freuen wie umgekehrt.

Alfred Vogt spricht über seine Arbeit mit den Rennsäuli

Alfred Vogt spricht über seine Arbeit mit den Rennsäuli

Wenn sie dann dereinst zu alt seien für den Wettkampf, dann kämen sie auf die Weide zu den anderen Schweinen, sagt Vogt. Sie seien aber auch dort die flinksten, die am schnellsten über die Wiese gerannt kommen, wenn sie den Bauern sehen. Fressen motiviert.

Neuer «Primör» ist auserkoren

Bevor die Menschen ihr Znacht kriegen – Schweinsbratwürste vom Grill – geht es an die Auslosung. Der Landwirt zieht einen Säulinamen (etwa «Wächterli») und die entsprechenden Sponsoren-Vertreter (in dem Fall die Securitas) wählen ein Säuli aus. Um sicherzugehen, dass letztlich auch das richtige Rennferkel unter dem richtigen Sponsoren-Mänteli läuft, werden die Nummern notiert, die jedes Schwein auf einem gelben Märkli im Ohr trägt.

«Der hat stramme Wädli» oder «Schau, der läuft jetzt schon allen davon», fachsimpeln die Sponsoren. Bereits der dritte Name, der gezogen wird, lautet «Primör» – und AZ-Marketingmanagerin Tabea Riesen zeigt auf das gepunktete Schweinchen mit der Nummer 48, das der «Solothurner Zeitung» hoffentlich bald zu Ruhm und Ehre auf der Rennstrecke der HESO verhelfen wird.

Der letztjährige «Primör» im Rennen.

Der letztjährige «Primör» im Rennen.