Bewegung

Spielerisch den Sport entdecken: FC Solothurn verlängert Polysport-Projekt um zwei Jahre

Kindern von früh auf eine Plattform für Bewegung bieten und ihnen Bewegungsfreude vermitteln. Dieser Gedanke stand am Anfang des polysportiven Programms des FC Solothurn. Dieses ist so gut angekommen, dass es nun um zwei Jahre verlängert wird.

Es ist die Gretchenfrage zu allen Schützlingen, die in der digitalen Welt aufwachsen: Wie stehts um ihre Beweglichkeit und Bewegungsfreude, wenn Videospiele und Smartphone locken? Tatsächlich ist dies eine der Fragen hinter dem Projekt des FC Solothurn (FCS), das vor zwei Jahren lanciert wurde.

Ein polysportives Trainingsangebot für Kindergärtler bis Zweitklässler soll Motorik und Beweglichkeit fördern und den Einstieg in einen späteren Vereinssport erleichtern – nicht nur in den Fussball. Projektverantwortlicher ist FCS-Nachwuchschef Ronald Vetter, der das Pilotprojekt 2016 mit 20 Teilnehmenden ins Leben rief und 2017 um ein weiteres Jahr verlängern konnte. Ihm zur Seite steht als Trainingsverantwortlicher Marc Du Buisson, selber Sportlehrer in Ausbildung.

Der FC Solothurn bietet polysportive Frühförderung

Gespräch mit FCS-Nachwuchschef Ronald Vetter über die polysportive Frühförderung

Anmeldungen en masse

Im Hinblick auf das neue, im August startende Schuljahr sind nun die Mittel gesprochen, das Programm um zwei weitere Jahre zu verlängern und damit eine dritte Niveaugruppe zu initiieren. Eine namentlich nicht näher genannte Stiftung finanziert das Programm des FCS. Denn: «Es erwies sich als sehr erfolgreich», weiss Vetter. Es ist kurz vor den Schulferien und schon fliegen ihm die Anmeldungszettel zahlreicher Kids fürs kommende Schuljahr in die Hand. «Und 13 Kinder befinden sich auf der Warteliste.» Auch wenn man in Zusammenarbeit mit der Schuldirektion jeweils Flyer in den Klassen verteile: «Was zieht, ist die Mundpropaganda», sagt Vetter – und natürlich die Werbung, die das «Produkt» für sich selber macht.

Für jeweils 75 Minuten erhalten die Kinder mittwochs die Gelegenheit, in den Turnhallen des Schulhauses Brühl ihre Koordinationsfähigkeiten und ihr Beweglichkeitsrepertoire, ihre Geschicklichkeit und ihre Ausdauer zu verbessern und zu verfeinern – ohne grossen Leistungsdruck. So gehören Prellen, Werfen und Fangen oder Balancieren, Jonglieren und Hindernisläufe zu den Aktivitäten im Frühförderprogramm. Und all dies geschieht spielerisch – denn als Talentschmiede ist das Förderprogramm mit vereinsunabhängiger Ausrichtung nicht gedacht.

«Von zuhause aus sind viele Kinder nicht auf Motorik sensibilisiert, vielleicht, weil sie kaum Bewegungsmöglichkeiten haben oder sonst wenig draussen spielen», sagt Vetter. Auch TV und Videospiele nennt er als mögliche Bremsfaktoren. «Für viele Kinder ist der Polysport deshalb ein essenzielles Angebot, für andere eine gute Ergänzung und für wiederum andere eine Hilfe beim Entdecken ihrer Lieblingssportart.» Genau darum nämlich geht es im zweiten Niveaujahr: Schnuppertrainings in Sportarten in Fussball, aber auch Tennis, Geräteturnen oder Schwimmen. Und vor dem Hintergrund der bereits anwachsenden Mädchenschar gerät vielleicht bald auch Tanzen in den Ausbildungsfokus.

«Die Idee wäre auch, für einzelne Lektionen Fachleute der jeweiligen Vereine und Clubs einzuladen, sofern hier für die betreffende Sportart auch die Infrastruktur vorhanden ist.» Weiter hat der niveauabgestufte Unterricht für die höheren Niveaustufen neue Lernziele parat: «Wir führen die Kinder vom ‹Ich und der Ball› zum ‹Wir und der Ball›.» Zweimal pro Jahr wird auch eine Art «Lernkontrolle» durchgeführt – mit erfreulichen Resultaten: «Obwohl die Kids nur einmal pro Woche 75 Minuten herkommen und sicherlich keine Quantensprünge zu erwarten sind: Ein Fortschritt ist klar erkennbar.»

«Seine» Sportart finden

Darüber hinaus birgt das Programm auch persönlichkeitsbildende und soziale Vorteile: «Ein Bub, der vor Höhenangst nicht einmal über eine Bank balancieren konnte, gewann im Laufe der Zeit den Mut, mehr zu wagen.» Und noch mehr: «Die Kinder kommen gerne. Viele möchten weitermachen.»

Das gilt auch für den Sohn von Roger Keller aus Solothurn, der bereits von Anfang an dabei war, wie der Vater erzählt. «Bewegung, Abwechslung und die soziale Komponente sind wichtige Beweggründe», sagt Keller. «Und er will weitermachen, unter anderem, um ‹seinen› Sport zu finden.» Auch habe sich sein Sohn sichtbar sportlich weiterentwickelt, findet der Vater und ergänzt: «Die Abwechslung tut ihm gut.»

Nach der ersten Konsolidierung der Projekts macht sich Ronald Vetter auch Gedanken zur Weiterentwicklung des Programms. «Unser Traum wäre ein Kompentenznachmittag mit 50 bis 100 Kindern, die polysportiv trainiert und ausgebildet werden.» Ausserdem soll die Finanzierung des Programms – das Kinder sportlich ja breit fördert – gleichsam auf eine breitere Trägerschaft abgestützt werden, so Vetter.

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