Gemeinnütziger Frauenverein
Spezielle Geste anlässlich des 111-jährigen Bestehens

Wer sich in der Stadt gerne auf einer der zahlreichen Sitzbänke niederlässt, kann sich freuen. 11 davon hat die Sektion Solothurn des Schweizerischen Gemeinnützigen Frauenvereins (SGF) renovieren lassen.

Katharina Arni-Howald
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Sektionspräsidentin Edith Ursprung und ihre Vorstandsfrauen freuen sich wie Stadtpräsident Kurt Fluri über die elf neuen Sitzgelegenheiten.

Sektionspräsidentin Edith Ursprung und ihre Vorstandsfrauen freuen sich wie Stadtpräsident Kurt Fluri über die elf neuen Sitzgelegenheiten.

Wolfgang Wagmann

Sie stehen beim Gewerbeschulhaus, auf dem Riedholzplatz, in der Chantieranlage, beim Soldatendenkmal, auf der rechten und linken Seite ausserhalb des Bieltors, vor dem Kapuzinerkloster, bei der Bushaltestelle an der Werkhofstrasse, beim Friedhofeingang am Herrenweg, beim Stadtrelief vor dem Baseltor und in der Anlage des Kunstmuseums. Der Grund: der Verein feiert sein 111-Jahre-Jubiläum.

Bei der symbolischen Übergabe des Jubiläumsgeschenkes vor dem Kapuzinerkloster dankte Stadtpräsident Kurt Fluri für die grosszügige Gabe im Namen der Bevölkerung. Nebst einer weiteren Bereicherung der heiligen Solothurnerzahl erfüllten die Sitzbänke auch eine andere, wertvolle Funktion. «In der heutigen, hektischen Zeit ist es besonders wichtig, dass man sich zwischendurch ein bisschen niederlassen und innehalten kann», liess der Stadtpräsident die zahlreich erschienenen gemeinnützigen Frauen wissen.

An vielen Fronten aktiv

Anschliessend an den feierlichen Akt fand im Beisein von Kurt Fluri und Regierungsrat Remo Ankli die 111. Generalversammlung des SGF statt. Vereinspräsidentin Edith Ursprung blickte auf ereignisreiche Jahre zurück und verwies auf die ständige Erweiterung der Aufgaben, die den Verein bald unentbehrlich machten. Nur wenige Jahre nach der Gründung eröffneten die ehrenamtlich arbeitenden Frauen eine Kinderkrippe. Es folgte 1919 die Gründung des Gasthauses und Hotels Hirschen und ein Jahr später die Eröff-nung einer Gemeindestube mit Biblio-thek. 1923 kam eine Säuglingsfürsorge dazu und 35 Jahre später ein Buffet an der Berufsschule. Die 1961 eingerichtete Haushilfe und Hauspflege gehört noch heute zu den wichtigsten Betreuungsangeboten der Stadt, und mit der Eröffnung der Kantinen am Lehrerseminar und an der Kantonsschule wurden weitere Meilensteine gesetzt. Dazu kamen der Seniorentreffpunkt, die Altersnachmittage, der Lesekreis, die von der Bevölkerung geschätzte Fundgrube und ein Mittagstisch.

Wie Edith Ursprung weiter in ihrem Jahresbericht festhielt, stieg die Anzahl Weihnachtspakete, die im vergangenen Jahr an Bedürftige versandt wurden, mit 170 auf eine Rekordzahl. Gut vorangekommen ist auch die Sanierung des Hauses Hirschen, das in den vergangenen Jahren ein neues Outfit und neues Mobiliar erhielt. Das schätzen vor allem auch Externe, die die Räumlichkeiten für Vorträge, Kurse und private Feste nutzen. Die Jahresrechnung 2014 schliesst mit einem Gewinn von 16 462 Franken. Fast eine Million Franken umgesetzt wurden allein für den Warenaufwand und die Personalkosten, wobei die Verpflegungsbetriebe den grössten Anteil ausmachen. Neu überarbeitet hat der Vorstand auch die aus dem Jahr 2000 stammenden Statuten. Sie wurden dem Standard der Gegenwart angepasst und einstimmig genehmigt. Als Kommunikationsverantwortliche in den Vorstand gewählt wurde Brigitte Fuchs.

Kurt Fluri und der Wertewandel

Im Anschluss an die Erledigung der ordentlichen Geschäfte kam Kurt Fluri in einem weiteren Kurzreferat auf die Rolle der Frau in der Gesellschaft von damals und heute zu sprechen. «Das Rollenverständnis hat sich in den vergangenen hundert Jahren massiv geändert, und die Aufgaben des Freiwilligen Frauenvereins sind heute vielfältiger denn je», so Fluri. Gerade in einer Zeit, da der Kostendruck in der professionellen sozialen Arbeit immer grösser werde und auf materielle Werte ausgerichtet sei, werde der Anteil an menschlicher Wärme und Herzlichkeit oft verdrängt. Da es beides brauche, sei die öffentliche Hand auf die gemeinnützige Tätigkeit von Frauen angewiesen. «Es ist durchaus möglich, dass unsere Gesellschaft bald wieder andere Werte als die eigennützigen erkennt», gab Fluri zu bedenken.

Stadtführerin Marie-Christine Egger hatte einiges über die Zeit der Kapuziner in Solothurn zu berichten und lud anschliessend zu Klosterführungen ein, während im Refektorium das Jubiläum bei Essen und Trinken ausgiebig gefeiert wurde.