Der etwas kleinere Festakt am 8.8.08 ereignete sich bei der Wengibrücke: Dort erklärte Stadtpräsident Kurt Fluri die frisch installierten Fahrverbotstafeln für in Kraft gesetzt. Akustisch untermalt wurde der Akt der Brückenschliessung von elf Böllerschüssen der Bruderschaft «Sanctae Margarithae». «Ein Grund zur Freude», liess einer der Margarithenbrüder verlauten.

Doch war es generell ein Freudentag für die Vorstadt? Und ist er es denn noch heute? «Die Nutzungs- und Eigentümerstruktur hat sich aus unserer Sicht seither positiv verändert», stellt Stadtpräsident Kurt Fluri fest. Mit dem anstehenden Umbau der Wengistrasse und dem Postplatz sollen sich weitere Auswirkungen manifestieren.

Noch näher dran ist Martin Tschumi, Präsident der Vereinigung Pro Vorstadt und Geschäftsinhaber der Dropa-Drogerie: «Mit einem täglichen Verkehrsaufkommen von Tausenden von Fahrzeugen wurde die Vorstadt während Jahrzehnten fast zu Tode gefahren.» Zwar seien die Zeiten nach der Schliessung der Wengibrücke auch nicht einfach gewesen, gerade für Gewerbetreibende. Aber: «Es ist klar, dass ein Stadtteil, der von heute auf morgen einen grossen Einschnitt erlebt, Zeit braucht, um sich neu zu orientieren, neues Leben zu kreieren und auch den Mut aufzubringen vorwärtszugehen», sagt Tschumi. Das geschah dann auch: Ein wichtiger Motor sei der Verein ProVorstadt gewesen: «Er hat stets auf die Stärken, das Potenzial und die neuen Möglichkeiten hingewiesen.»

Als der Durchgangsverkehr noch über die Wengibrücke rollen durfte.

Als der Durchgangsverkehr noch über die Wengibrücke rollen durfte.

«Ein Segen für die Vorstadt»

Tschumi erinnert sich an die bis heute andauernde Aufwertung der Liegenschaften, neue Restaurants und Geschäfte brachten Leben in die Gassen. «Daher war die Brückenschliessung ein Segen für die Entwicklung der Vorstadt.» Ein Prozess, der aber weiter andauere und mit der aktuellen Umgestaltung der Berntorstrasse einen weiteren Meilenstein erreiche: «So ist eine Bewegung im Gewerbe im Gang, in der man gemeinsam Ressourcen besser nutzen möchte.» Gewiss haben gewisse öffentliche Plätze das Potenzial, sich noch weiter zu entwickeln. Wichtig findet Tschumi auch die Frage, an wen Liegenschaften verkauft werden, obwohl sich dieser Faktor nur beschränkt beeinflussen lasse.

«Die Hausbesitzer ihrerseits haben einen wesentlichen Einfluss auf die Quartierentwicklung.» Und bisher habe man in dieser Hinsicht Glück gehabt: «Viele Eigentümer sind an der Vorstadt interessiert und ihr wohlgesonnen.» Ebenso habe das Gewerbe seinen Teil dazu beigetragen.

Klar: Nach der Schliessung der Brücke für den motorisierten Individualverkehr kehrte lange keine Ruhe ein in der Vorstadt. «Viele Baustellen, Wechsel in den Liegenschaften und weitere Problematiken haben sicherlich die Entwicklungen auch immer wieder etwas zurückgeworfen.» Heute jedoch zeige sich die Situation in einem positiven Licht: «Die Erreichbarkeit der Vorstadtgeschäfte ist unschlagbar.» Ausserdem erweise sich der vermeintliche Nachteil, dass massiv weniger Autos die Vorstadt befahren, nun langsam aber sicher als Vorteil für die Erreichbarkeit und die allgemeine Entwicklung.

«Grosses steht noch an»

Wie nun soll es weitergehen? Tschumi ist sich bewusst, dass es weiterhin Schwankungen und Rückschritte geben kann. «Doch das Gemeinsame soll im Fokus stehen, dann bin ich überzeugt, hat die Vorstadt noch Grosses vor sich.»

Als nächste Schritte wünscht er sich, dass ein bis zwei Buslinien mehr über die Achse der Rötibrücke verkehren, «um dem Engpass Berntorstrasse etwas mehr Luft für die Entwicklung zu verschaffen. «Meilensteine wie der Umbau des Rosengartengebäudes mit einem gut genutzten Kreuzackerpark, andere grösseren Liegenschaften und das mögliche Perron 2 sollten aktiv angegangen werden, wo immer dies möglich ist.» Weiterhin wird man als Gewerbetreibender gefordert sein, sich dem Wandel zu stellen. «Wir in der Vorstadt zählen mehrheitlich auf eine treue Stammkundschaft.»