Solothurn

Sorgen um die Zukunft am Februarfest im Kofmehl

Noch lassen sich Daniel Wagmann (r.) und sein Team die gute Laune nicht verderben. (Foto: Christoph Neuenschwander)

Noch lassen sich Daniel Wagmann (r.) und sein Team die gute Laune nicht verderben. (Foto: Christoph Neuenschwander)

Die kantonal verordnete Nachtruhe um 2 Uhr könnte für Anlässe wie «Stoopid» in der Solothurner Kulturfabrik Kofmehl das Ende bedeuten.

«O’zapft is» – und das schon im Februar. Nicht blau-weiss, sondern rot-weiss ist die Dekoration in der «Raumbar»; Die Dirndl und Lederhosen des «Februarfest»-Teams sind nicht minder fesch als die bayrischen Originale. Für die fünfte Ausgabe von «Stoopid» trägt auch Daniel Wagmann Tracht, der gemeinsam mit Ralph Trachsel seit vergangenem September die Serie von Themenpartys im «Kofmehl» durchführt. Für die beiden steht fest: Wenn die Kulturfabrik künftig um 2 Uhr schliessen muss, wie dies das kantonale Bau- und Justizdepartement am Donnerstag entschieden hat (wir berichteten), dann wird «Stoopid» nicht weiterexistieren. Denn eine Schliessung um diese Zeit entspricht nicht im Geringsten dem Ausgehverhalten der Über-20-Jährigen, an welche sich die Partyreihe richtet.

«Man müsste die Leute dazu bewegen, früher auszugehen, aber das ist schwierig», weiss Wagmann. «Unsere Gäste trudeln normalerweise erst ab 23 Uhr ein, zwischen Mitternacht und 1 Uhr beginnt die Stimmung zu steigen und etwa um 2 Uhr ist sie dann auf dem Höhepunkt.» Daher sei eigentlich bereits die momentane Schliessungszeit um 3 Uhr zu früh.

Auch die Konzerte wären betroffen

«Selbst wenn ich an einer Party für 16-Jährige auflege, die bereits um 21 Uhr beginnt, stehe ich einfach zwei Stunden lang alleine im Raum herum», sagt Trachsel, der seit über zwei Jahren als DJ im Kofmehl auflegt. Ins Leben gerufen haben Trachsel und Wagmann die «Stoopid»-Feten, weil sie den Jugendlichen, die sich mit anderen Klubs nicht anfreunden könnten, etwas Aussergewöhnliches bieten wollten. «Wir hatten das Bedürfnis, kreativere und abgedrehtere Partys zu machen, als man es sich sonst gewohnt ist», so Wagmann.

«Stoopid» ist eines von vielen Gefässen, die in der Kulturfabrik gewachsen und gediehen sind: Pipo Kofmehl und seine Leute halten sich vornehm zurück, stellen Infrastruktur und Barkeeper zur Verfügung, aber lassen ansonsten die Initianten ihr eigenes Ding durchziehen. Und es ist eines von vielen Gefässen, denen nun ein unzeitiges Ende droht. «Es ist klar, dass das Kofmehl als Plattform weniger genutzt werden würde, denn eine Schliessung um 2 Uhr stellt einen Attraktivitätsverlust dar», sagt Kofmehl. «Das hätte wiederum wirtschaftliche Konsequenzen, wodurch wir die Inhalte anpassen müssten. Unsere Konzerte würden sehr leiden, da diese innerhalb des Hauses durch die Partys quersubventioniert werden.»

Nicht die erhoffte Wirkung

Die neuen Öffnungszeiten brächten also eine ganze Reihe unangenehmer Folgen mit sich, die sich bestimmt schon in der laufenden Saison abzeichnen würden, hätte Kofmehl nicht am Freitag aufschiebende Wirkung beantragt und auch umgehend erhalten. Und dabei erziele eine Schliessung um 2 Uhr noch nicht einmal die gewünschte Wirkung, sind sich Trachsel, Wagmann und Kofmehl einig. «Selbstverständlich haben die Anwohner ein Recht auf Ruhe; es gäbe aber sinnvollere Massnahmen, um die Nebenwirkungen des Ausgangs einzudämmen», so Kofmehl. «Etwa eine Verlängerung der Öffnungszeiten bis 5 Uhr, wie wir sie im Rahmen eines Pilotprojekts der Interessengemeinschaft Nachtleben gerne einführen würden. Das hat sich in Biel bewährt: Die Gäste gehen nach und nach – und dies freiwillig. Wenn man um 2 Uhr schliesst, gehen alle gleichzeitig nach Hause – wenn überhaupt – und sind erst noch sauer, dass man sie so früh vor die Tür gestellt hat.» Und ein zorniger Mob von verschmähten Partygängern auf der Strasse liege bestimmt nicht im Interesse der Anwohner.

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