«Musik von Anfang an», so der Titel von Isabella Steffen Meisters Buch. Mit dieser Devise legte sie vor 15 Jahren den Grundstein von «Solotutti», dem Zentrum für Musik. Zusammen mit 17 weiteren Lehrpersonen bietet Steffen als «Solotutti»-Leiterin heute an der Gurzelngasse einen Fächer musikpädagogischer Bildung an, der in den frühesten Lebensjahren beginnt und Menschen bis ins hohe Altern bereichern soll.

Denn, so die Leiterin, komme das Singen noch vor dem Sprechen. «Jedes kleine Kind läuft sofort zum nächsten Musikinstrument. Musikalität begleitet das Baby bereits vor der Geburt. «Und dass Musik in der Entwicklung der Kinder eine grosse Rolle spielt, dringt langsam ins allgemeine Bewusstsein vor.» Bereits die als halbtägige Kindertagesstätte konzipierte Spielgruppe mit Musik sei immer ausgebucht. Gleichzeitig fokussiert sich «Solotutti» aufs gemeinsame Musizieren von Eltern und Kleinkindern.

Ab vier Jahren ist Instrumentalunterricht möglich und damit auch der Besuch eines Ensembles sowie Bühnenauftritte. So fand am Wochenende im Konzertsaal das Familienkonzert «Le Carnaval des Animaux » mit dem Solotutti Kinder- und Jugendorchester und dem Solotutti-Team statt. Auch für Erwachsene bietet das Zentrum für Musik Bildungsangebote im Bereich Chor-, Vokal- oder Instrumentalunterricht. Auch ein Cello-Ensemble läuft unter «Solotutti»-Federführung.

Keine «Wunderkinderzüchterei»

Laut Steffen versteht sich «Solotutti» nicht nur als Talentschmiede: «Wir unterstützen, was in der Natur der Kinder angelegt ist und betreiben keine ‹Wunderkinderzüchterei›.» Ausserdem sei «Solotutti» nicht als therapeutische Massnahme zu verstehen, sondern frönt der Musik als «Zweck in sich.» Für die Eltern besteht der Nebeneffekt der Begegnung und: «Sie bauen ein Repertoire an Kinderliedern auf und gewinnen Mut und Lust zu singen zurück.»

«Wir versuchen Lust und Leistung zu verbinden», das zeige sich auch daran, dass noch 70-Jährige den aufgeschobenen Lebenswunsch, ein Instrument zu lernen, bei «Solotutti» nachholen.

Die Institution macht sich aber auch über städtische Grenzen hinaus einen Namen: Durch Weiterbildungskurse in Sachen Frühförderung und Kinder-Eltern-Kurse findet die «Solotutti»-Philosophie schweizweit Verbreitung. Auf Grundlage dieses musikpädagogischen Schwerpunkts wird schon an mehreren Hochschulen doziert. Und eben gerade geht ein Pilotprojekt mit einer Kindertagesstätte zur musikdidaktischen Ausbildung des Kita-Personals zu Ende. Der Fokus auf Frühestförderung unterscheidet «Solotutti» denn auch von öffentlichen Musikschulen.

Im Gegensatz zu diesen ist das privat organisierte Zentrum für Musik «Solotutti» auf Fundraising-Beiträge, einen Förderverein und Kursgelder angewiesen. Auch ist unter den 18 Lehrpersonen ein genossenschaftlicher Einheitslohn festgelegt.