Angefangen hat das ganze Anfang Februar. Bei einem Selektionsspiel zur Bildung der Schweizer U15-Nationalmannschaft fiel den Scouts von Newcastle United vor allem einer auf: Alban Selmanaj von der U15 des FC Solothurn. Seither ging alles Schlag auf Schlag. Gleich vier Vertreter des Premier-League-Spitzenteams reisten eine Woche später ins Solothurner Fussballstadion.

«Newcastle kam umgehend und direkt auf uns zu. Besonders interessant war, dass die Scouts nach dem Charakter und dem Umfeld und weniger nach den fussballerischen Fähigkeiten des Spielers fragten», erinnert sich FCS-Nachwuchschef Rony Vetter. Über finanzielle Aspekte wurde (noch) nicht diskutiert.

Solothurner reisen nach Newcastle

Nach einem einstündigen Gespräch verliess die englische Delegation Solothurn wieder Richtung Heimat. «Sie wollten den Spieler eigentlich sofort mitnehmen. Das war natürlich aus mehreren Gründen nicht möglich», schmunzelt Vetter. In einem nächsten Schritt werden die Solothurner im April nach Newcastle reisen.

Neben dem Jungtalent Alban Selmanaj werden Rony Vetter und Roland Hasler, der Trainer der 1. Mannschaft, ihrem 15-jährigen Schützling im einwöchigen Probetraining zur Seite stehen. «Ich habe Alban gesagt, dass er sich keine allzu grossen Hoffnungen machen soll. Aber wir sind von seiner Qualität überzeugt. Auch den Engländern fiel vor allem sein abgeklärtes Zweikampfverhalten auf», sagt Vetter.

Doch die Trainingswoche wird ein anderer Gradmesser als alles bisher bekannte. Der defensive Mittelfeldakteur muss sich im hohen Norden gegen viele gleichaltrige Junioren aus ganz Europa durchsetzen. «Für Newcastle arbeiten 35 Scouts. Diejenigen, die beim Selektionsspiel waren, sind direkt von Portugal für diese Partie angereist», fasst Vetter die Dimensionen zusammen.

Nicht das erste Talent

Die Anfrage aus England ist zweifellos ein schmeichelhaftes Highlight in der Solothurner Fussballhistorie. Trotzdem wäre Selmanaj nicht das erste Talent aus der eigenen Jugend, das im Profi-Betrieb Fuss fassen würde. Auch für Nati-Captain Gökhan Inler, die FCZ-Verteidiger Philippe und Raphael Koch oder Burim Kukeli vom FC Luzern diente der FCS-Nachwuchs als Sprungbrett.

Für Vetter kommen die Interessen von anderen Klubs nur bedingt überraschend: «Hier wird täglich hervorragend gearbeitet. Es braucht positive Spinner im Verein, die mehr tun, als von ihnen verlangt wird.» Selmanaj ist das neuste (und vielleicht bald beste) Beispiel für das fortschrittliche Nachwuchskonzept.

«Gespannt wie sich die Geschichte entwickelt»

Träumen ist allemal erlaubt. Schnuppert zum ersten Mal ein Solothurner Eigengewächs Premier-League-Luft? Nicht auszudenken. Es wäre ein absoluter Meilenstein. Der Nachwuchschef bleibt trotz aller Euphorie stets nüchtern: «Bei uns steht immer der Spieler und nicht die finanziellen Möglichkeiten im Vordergrund. Wir sind einfach nur gespannt, wie sich die ganze Geschichte entwickelt.» Damit ist er nicht der einzige.