Belebter als jetzt kann der Landhausquai nicht werden – mag man meinen. Doch, kann er: Ab heute Samstag findet man an der Gastromeile neue Gesichter ambitionierter Gastgeber. Das «Red John Irish Pub» bringt nicht nur das Flair der Grünen Insel ans Aareufer, sondern auch das Interieur einer irischen Beiz und: edle Tropfen gegen den Durst.

Keine Iren, aber Irland-Fans stehen hinter der Idee, die vor eineinhalb Jahren Gestalt annahm: Philipp Dornbierer, Dominic Dornbierer, Tom Middelweerd und Wanna Etter bilden die Geschäftsführung. «Wir haben alle teilzeitig gearbeitet und wollten nebenbei was Neues aufziehen», erinnert sich Dominic Dornbierer. Bald fiel die Wahl auf die Gastronomie: «Dabei kommt niemand von uns aus der Branche.» Dafür holten sie Samuel Meyer, Fritz Röthlisberger, Lisa Blankart und Eliane Reusser mit ins Boot. 300 Stellenprozente umfasst der Betrieb.

«Da es zum Zeitpunkt unserer Idee noch kein Irish Pub in der Stadt gab, wollten wir in die Bresche springen.» Mittlerweile aber kam den jungen Machern am Landhausquai mit dem «Shipyard Irish Pub» an der Kreuzgasse eine direkte Konkurrenz zuvor.

«Lange nach Namen gesucht»

50 Innen- und 20 Aussensitzplätze umfasst «Red John». Im Interieur dominieren der Täfer, eine arttypische Möblierung und Dekorelemente mit irischen Bezügen. Der eigentliche rote Faden der Beiz aber ist in der hiesigen Geschichtsschreibung zu finden: «Wir haben lange nach einem Namen gesucht», sagt Dornbierer.

In Irland bezögen sich die Namen von Pubs auf Personen oder Ereignisse aus der lokalen Geschichte. «So haben wir auch nach hiesigen Persönlichkeiten gesucht – und sind auf Hans Roth gestossen.» Jenen Solothurner also, der in einer Winternacht anno 1382 die Solothurner vor einem Angriff der Kyburger warnte. Und so wurde Hans Roth in seiner anglisierten Version «Red John» zum Namensgeber fürs Pub, «ein Name der bei uns allen auf Begeisterung stiess».

Anfang April dieses Jahres begann nach dem Auszug der Lounge-Bar «Am Quai» der Umbau zum irischen Beizli. Um denkmalschützerischen Belangen Rechnung zu tragen, standen die Initianten mit der Baukommission in Kontakt und reichten für die Umgestaltung mehrere Vorschläge ein. «Bis zu zehn Nasen haben beim Umbau mitgeholfen», erinnert sich Dornbierer, dankbar für die Unterstützung von Freunden und Verwandten. Grossen Support bekam «Red John» aber aus dem Internet: Umbau und Materialien wurden durch eine Crowdfunding-Aktion mitfinanziert. «Wir wissen, dass es schwierig ist, einen Bankkredit für Gastroprojekte zu erhalten.»

Sodann wurde auf der Plattform www.wemakeit.ch Geld gesammelt. Zielsetzung: 20'000 Franken in 30 Tagen. «Zur Halbzeit hatten wir den Betrag bereits beisammen, bis zum Schluss waren es 25'000 Franken.» Als Spenden im eigentlichen Sinne betrachtet Dornbierer die Zustüpfe allerdings nicht: «Es gibt Gegenleistungen wie beispielsweise Getränkegutscheine. Und ganz grosszügige Gönner erhalten ein persönliches Schrankfach, wo sie ihr Pint-Glass aufbewahren können.»

Neben dem rein finanziellen Zugewinn konnte man auf diesem Weg und über die sozialen Netzwerke allgemein auf das Projekt aufmerksam machen: «Und so hatten wir gar Handwerker, die uns ihre Hilfe angeboten haben.»

Flüssiges und Musikalisches

Der irische Anstrich macht sich auch auf der Getränkekarte bemerkbar. Dort finden sich Guinness- und andere Biere von jenseits oder diesseits des Ärmelkanals, ebenso Ciders im Offenausschank und im Fläschchen. Mehr als zehn Single Malt Whiskeys, Liköre und eine Kaffeeauswahl runden das Angebot ab. Ebenso gehören Snacks, Toasts und andere Imbiss-Spezialitäten dazu.

Zum Leben erwachen wird der «Rothe Hans» am Samstag um 14 Uhr. Dreimal spielt eine irische Musikformation auf. Und laut Dornbierer dürfte es auch später von Zeit zu Zeit Darbietungen kleiner Gruppen geben.

Damit ist aber der Unterhaltung nicht genug: Das Pub wird auch in den Reigen der Public-Viewing-Angebote einstimmen und so ein Bekenntnis abgeben: «Wir sind eine Sportbar», sagt Dornbierer und verweist darauf, dass künftig Fussball- und Rugby-Matchs bei «Red John» über den Bildschirm flimmern werden.