Sturm Sabine

Solothurns Monatsmäret wurde vom Winde verweht

Soweit das Auge reicht: In der Hauptgasse fand sich am Montagvormittag nicht ein besetzter Märetstand. Nur wenige Marktfahrer wagten sich in die Gurzelngasse, ansonst war der Märet ein Totalausfall. DIe Sturmwarnung vor «Sabine» zeigte Wirkung.

«Sowas habe ich noch nie erlebt», schüttelt Märetpolizist Erwin Blättler den Kopf. Seit 15 Jahren ist er auch am Monatsmäret anzutreffen, hält Kontakt zu den Standbetreibern und zieht den Obolus für die Standgebühren ein. Diesen Montag aber hat er so gut wie nichts zu tun. Nur in der Gurzelngasse oben haben sich drei, vier Marktstände, darunter der «Magebrötler», eingenistet.

Blättlers Kollegin von der Stadtpolizei, Birgit Landser, sieht derweil für die Hauptgasse nur eine Konsequenz. «Wir geben sie wieder für den Verkehr frei.» Um 10.10 Uhr sammelt der Werkhof die nicht gebrauchten Stände wieder ein und fährt sie zurück ins Depot.

Verkauf aus dem Kofferraum

Vor der Jesuitenkirche trotzt einer dem Sturm Sabine, der sich allerdings in der Hauptgasse überraschend handzahm gibt. Pius Wick aus Grenchen besucht für die Nahrungsmittelfirma Oswald aus Steinhausen ZG wie immer den Monatsmäret. Er beschränkt sich allerdings auf den Verkauf aus dem geöffneten Kofferraum seines Kombis, einen Stand hat er erst gar nicht installiert. «Die Kunden kommen zu mir, weil sie bestellt haben. Und darum muss ich auch an meinem gewohnten Standort anzutreffen sein.» Tatsächlich kann er am Nachmittag eine durchaus solide Bilanz ziehen: «Es war ein mittelmässiger Märet» ‑ trotz gähnender Leere ringsum.

Stand am Brunnen festgezurrt

«Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleider», zitiert Markus Leuthold aus Lotzwil oben in der Gurzelngasse eine alte meteorologische Binsenwahrheit. Seit einem halben Jahr verkauft er Karten aller Art am Märet, jetzt hat er den Stand fest mit dem Gurzelnbrunnen vor dem Manor vertäut – was sich trotz polizeilicher Skepsis («der Stand fliegt davon») im Tagesverlauf absolut bewähren sollte.

«Wir haben den Märet nicht abgesagt», bestätigt Vizekommandant Walter Lüdi anstelle des abwesenden Märet-Chefs Fritz Jenzer auf der Stadtpolizei. Man verfüge über eine spezielle Märet-Mailadresse zum Austausch zwischen der Polizei und den Marktfahrern, aber eine Abmeldungswelle habe er zuvor nicht festgestellt, so Lüdi.

Nun, «Sabine» bleibt harmlos. Sonst wäre Wetterfee Sandra Boner wohl kaum mit den Kindern in der leeren Altstadt unterwegs.

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Autor

Wolfgang Wagmann

Wolfgang Wagmann

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