Schulabrecher, Taxifahrer, Croupier, Jurist, Benediktinermönch,  Priester; das sind einige Stationen im bewegten Leben von Niklas Raggenbass. Im August 2013 übernahm er das Amt des katholischen Stadtpfarrers in Solothurn und sorgte für frischen Wind. Er baute in seinen Predigten beispielsweise Plakate und Verkehrssignale ein, um den Menschen im Alltag zu zeigen, dass eigentlich alles mit Religion zu tun hat.

In einem Brief gab Raggenbass bereits im April 2015 seine Demission bekannt. «Ich habe meine Koffer gepackt und werde nur auf Wegen gehen, wo ich noch nicht weiss, wohin sie mich führen werden», schrieb er.

«Dieser Schritt ist mir nicht leicht gefallen, da mir Solothurn zur Heimat geworden ist – und viele Menschen zu Weggefährten.»

Der Solothurner Stadtpfarrer Niklas Raggenbass in Narrenkluft an der Fasnacht 2015. (Archiv)

Der Solothurner Stadtpfarrer Niklas Raggenbass in Narrenkluft an der Fasnacht 2015. (Archiv)

Am Sonntag erzählte Niklas Raggenbass in der Sendung «Aeschbacher» über seinen Werdegang. Seinen Job als Stadtpfarrer gab er der Liebe wegen auf – neben Gott gab es nämlich noch eine menschliche Liebe. Er habe Scham gefühlt, erzählt er. «Vieles habe ich alleine ausgetragen und mit niemandem geteilt. Da kam ich manchmal an meine Grenzen.» Da habe er Zuflucht in einem anderen Leben gesucht. «Lange Zeit dachte ich, dass ich das niemandem sagen darf, dass ich eine Freundin hatte.» Sonst wäre er erpressbar geworden. Deshalb konnte er sich keinem anderen Bruder anvertrauen.

Irgendeinmal schrieb er dem Vatikan – erhielt aber keine Antwort. «Ich versuchte nachzuvollziehen, wo der Brief gelandet war.» Einmal sei er gar nicht angekommen. Beim anderen Mal habe er sich nochmals gemeldet. Erst vor ein paar Wochen habe er eine Antwort in Form eines in Latein verfassten Briefes erhalten. Darin hiess es, dass Niklas Raggenbass aus dem Dienst entlassen sei. Was bedeutet das? Er dürfte weiterhin für die Kirche arbeiten, aber gewisse Arbeiten wie das Kommunionspenden nicht mehr wahrnehmen. Heiraten wäre erlaubt.

Zusammen mit seiner Freundin führt der heute 63-Jährige im Luzernischen ein Gasthaus. Das «Leuenstern» hat sich «Kultur und Kulinarik mit Herz» verschrieben, wie auf der Homepage zu lesen ist. «Meine Partnerin und ich machen alles zusammen», erzählt Raggenbass, der auch schon mal für 40 Personen oder mehr kocht. Unterstützung gibt es von den Nachbarn. 

Der ehemalige Pfarrer muss lange überlegen, als ihn Kurt Aeschbacher fragt, ob er «heute da angekommen ist, wo er sich wünscht zu sein». «Ich bin auf einer guten Wegstation angekommen», erzählt Niklas Raggenbass. Er habe sich das so aber nicht gewünscht. (ldu)