Stadttheater

Solothurns alter Stolz erstrahlt nach der Sanierung in neuem Glanz

Die Stadt Solothurn hat als Bauherrin am Freitag das Barockjuwel dem Theater Biel Solothurn übergeben. Nach 17-monatiger Umbauzeit erstrahlt das Stadttheater in neuem, barocken Glanz. Gross war die Freude.

Ein erhebender Moment: Erstmals seit eineinhalb Jahren erklingt wieder Gesang und Musik auf der Bühne des Stadttheaters. Und wie passend. «Dich teure Halle grüss ich wieder», singt Marion Ammann aus Wagners «Tannhäuser», gefühlvoll unterstützt am Flügel durch Esteban Dominguez Gonzalez. Über einen Brutto-Kredit von 20 Mio. Franken hatten die Solothurner Stimmberechtigten am 11. März 2011 befinden müssen.

Die Abstimmung verlief auch für einen der Baumeister des Umbaus, Stadtpräsident Kurt Fluri, «beinahe sensationell positiv». So würdigte er das damalige «Ja» mit einem Anteil von 82 Prozent. «Offensichtlich herrscht in unserer Bevölkerung eine tiefe Überzeugung, dass die Kultur im Allgemeinen und das Theater im Speziellen sich nicht primär durch finanzielle Kriterien prägen lassen darf», stellte Fluri anlässlich der gestrigen Übergabefeier an das Theater Orchester Biel Solothurn TOBS fest. Das damit auch in Zukunft «seine wichtige gesellschaftliche und kulturelle Funktion übernehmen kann».

Theatertradition in Solothurn

Für die Brückenfunktion zwischen der Romandie und der Deutschschweiz spiele das einzige zweisprachige Theater der Schweiz eine wichtige Rolle, so der Stadtpräsident. Die «Perle mit schweizweiter Ausstrahlung» erbringe trotz eines engen finanziellen Korsetts «mit viel Begeisterung und Idealismus aller Beteiligten seit Jahren grossartige schauspielerische und musikalische Leistungen». Umso wichtiger sei die Verbesserung der Infrastruktur mit dem jetzt erfolgten Umbau, der auch dank dem vorausschauenden Erwerb des benachbarten, jetzt integrierten Krieg-Hauses 2004, gelungen sei.

Damit erweise sich das neue Haus der grossen Theatertradition von Solothurn als würdig, blickte Kurt Fluri auf die Anfänge im 16. Jahrhundert zurück. 1729 wurde die Grundkonzeption des heutigen Theaters gelegt – es fasste damals 1000, allerdings nur Stehplätze. 1927 erfolgte die Gründung des Städtebundtheaters, das 1936 letztmals saniert worden war und seither zunehmend zum Problemfall wurde. So habe zuletzt aus brandtechnischen Gründen gar eine Schliessung des Hauses gedroht, erinnerte Fluri an die Ausgangslage vor dem Umbau.

Solothurns Stadtpräsident Kurt Fluri zum sanierten Stadttheater

Stadtpräsident Kurt Fluri zum sanierten Stadttheater

Gemeinsam gebaut

Seit zehn Jahren habe man sich mit dem Umbau befasst, erklärte die treibende Kraft hinter dem Projekt, Andrea Lenggenhager, Leiterin des Stadtbauamtes, in den letzten, entscheidenden Jahren federführend. Sie betonte das gemeinsame, konstruktive Vorgehen aller in den Umbau Involvierten. Auch wenn sie «schlaflose Nächte» gehabt habe, als kurz vor dem Umbaubeginn im Sommer 2012 doch noch barocke Brüstungsmalereien zum Vorschein gekommen waren.

Eine besondere Herausforderung für das Team von phalt Architekten Zürich, das unter seinen 15 Köpfen jedoch gleich deren fünf aus Solothurn zählt. Einer davon, Cornelia Mattiello, schilderte das damalige «Umschalten» vom Siegerprojekt aus dem Jahr 2009 auf das neue Projekt: «Wir mussten eine angemessene gestalterische Sprache für den Theatersaal finden.» Das Resultat lasse sich sehen, «wir haben Freude am neuen, alten Saal». Als klare Verbesserung für das Stadttheater wertete die Architektin die neue repräsentative Südfassade mit dem Zugang auch von der Fischergasse her. «Damit wird das Foyer innen zu einer Verbindungsgasse.»

Begeisterte Theaterleute

«Wir sind überwältigt», verdankte TOBS-Intendant Dieter Kaegi die neue Spielstätte und würdigte neben der Zusammenarbeit mit Bauleuten, Politik und Denkmalpflege speziell das Solothurner Publikum. Oder: «Mehr wir als im Theater gibt es nicht.» Den Faden nahm auch der Vizepräsident der Stiftung TOBS, Ignaz Moser, auf: Das Theater Biel Solothurn sei eines von zweien, das zum landesweiten Publikumsschwund einen Gegentrend hat setzen können. Das kann Solothurn ab dem 30. Januar im neuen, alten Haus beweisen.

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