Sue Hirschi
Solothurnerin aufs Matterhorn gestiegen: «Es war unbeschreiblich!»

Im Rahmen des Projekts «Matterhorn: Ladies please» hat sich die Solothurnerin Sue Hirschi intensiv auf die Matterhornbesteigung vorbereitet. Am Freitag hat sie das Wahrzeichen der Schweiz erfolgreich bestiegen.

Lea Durrer
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Am frühen Morgen gehts los. Da werden die Stirnlampen noch gebraucht.
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Die Bergsteiger klettern höher und höher.
Immer wieder gab es kurze Pausen. Aber nie zu lang, um den Rythmus nicht zu verlieren.
«An den Fix-Seilen war es schon anstregend», meint Sue Hirschi.
Sue mit ihrer Bergführerin Felicitas Feller.
Matterhorn-Besteigung von Sue Hirschi

Am frühen Morgen gehts los. Da werden die Stirnlampen noch gebraucht.

Gabriel Perren

«Wahnsinn, wir haben es geschafft.» Das war das Erste, das Sue Hirschi auf 4478 m ü. M. durch den Kopf ging. Was sie erlebt hat, kann sie noch gar nicht richtig in Worte fassen. «Ich bin voller Emotionen, es ist wirklich unbeschreiblich.»

Mit dem Wetter hatten die Solothurnerin, ihre drei Mitstreiterinnen und ihre Bergführerinnen Glück. Dank wolkenlosem Himmel konnten die Bergsteiger das Alpenpanorama geniessen. Lange blieben sie jedoch nicht oben, weil es sehr kalt war. Die zwei Lagen aus Jogging- und Gartenhandschuhen – «damit hat man am meisten Halt am Fels» – reichten nicht ganz aus. «Mir sind die Finger fast eingefroren und ich musste sie gegen den Oberschenkel klopfen für eine bessere Durchblutung», sagt Sue Hirschi.

Frau am Berg

Für das Projekt wurden gezielt vier Frauen ausgewählt. Dies, weil sich die Destination Zermatt – Matterhorn im Sommer 2019 dem Motto «Frau am Berg» widmet. So handeln beispielsweise auch die Freilichtspiele Zermatt, die alle zwei Jahre auf dem Riffelberg auf 2'600 Metern über Meer stattfinden, dieses Jahr von Lucy Walker, der ersten Frau auf dem Gipfel des Matterhorns. Vor einzigartiger Kulisse mit Matterhorn zeigt die Regisseurin Livia Anne Richard noch bis zum 1. September 2019 das Stück «MATTERHORN: NO LADIES PLEASE!». (mgt)

Ansonsten lief alles wie am Schnürchen. «Ich fühlte mich fit und lief nie am Limit. So konnte ich die Momente richtig geniessen», so die 31-Jährige und schwärmt vom «feuerroten Morgenrot», dem Gletscher oder den Bergdohlen. Die Partie an den Fixseilen sei schon anstrengend für die Arme gewesen. Aber die gute Vorbereitung zahlte sich aus.

Lieblingsessen aufgetischt

Das Abenteuer Matterhorn begann für die 31-Jährige, die seit sieben Jahren Pflege an der Höheren Fachschule in Olten unterrichtet und einen Masterstudiengang in Berufsbildung belegt, schon im März. Nachdem sie erfahren hatte, dass sie neben Judith Wernli, Anne-Sophie Thilo und Steffi Hunziker für das Projekt ausgewählt wurde, ging es los mit dem Training. Die letzte Woche absolvierten alle vier Teilnehmerinnen eine Intensivwoche in Zermatt, wo sie auf verschiedenen Touren den Umgang mit Steigeisen und Seil lernten.

Abenteuer Matterhorn: Sue Hirschis Trainingswoche in Zermatt
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Das erste Training führte aufs Riffelhorn. Dort lernten die Teilnehmerinnen Techniken kennen, wie man sich auf dem Fels bewegen kann.
Die Solothurnerin am Klettern
Vom Riffelhorn her hat man einen wunderbaren Blick auf den Gornergletscher
Sue Hirschi bereitete sich schon zuhause intensiv vor. Vor allem an ihrer Ausdauer und Armkraft arbeitete sie.
Gipfelfoto auf dem Riffelhorn
In einer Dreier-Seilschaft gehts auf den Pollux
Sue zusammen mit Anne-Sophie
Es geht hoch hinaus
Da muss geklettert werden
Geschafft. Die vier Teilnehmer und zwei Bergführer auf dem Pollux
Wandern vor dem Matterhorn
Die Teilnehmerinnen vor dem Hotel du Trift
Sue in der Gornerschlucht
Immer gut sichern ist angesagt
Und hier auf dem Gornergletschter
Abenteuer Matterhorn: Sue Hirschis Trainingswoche in Zermatt
Auf der letzten Tour der Trainingswoche. Es geht aufs Breithorn.
Breithorn-Tour
Breithorn-Tour
Auch auf dem Breithorn gibts natürlich noch ein Gruppenfoto

Abenteuer Matterhorn: Sue Hirschis Trainingswoche in Zermatt

Gabriel Perren

Am Donnerstagabend wurde es dann ernst. Die Truppe wanderte auf die Hörnlihütte, wo die Frauen in einem Viererzimmer einquartiert wurden und es «Znacht» gab. Und die Hüttenwarte tischten gleich zwei Leibspeisen der Solothurnerin auf: Spätzli und Tiramisu. «Ich nenne das Dessert selbst ‹Tirami-Sue», lacht sie.

Nach dem Packen lockte um 22.30 Uhr das Bett. Tagwacht war um 1.45 Uhr. Konnte die 31-Jährige denn überhaupt schlafen? «Wir waren alle so nervös, dass wir mit Unterbrüchen schliefen. Aber man sagt ja auch, dass man auf der Hörnlihütte übernachtet, und nicht schläft.» Kurz nach 3 Uhr nahmen die Teilnehmerinnen und ihre Bergführerinnen den Aufstieg in Zweier-Seilschaften in Angriff. Unterwegs legten sie immer wieder kurze Pausen ein, in denen etwas gegessen, getrunken und die Ausrüstung angepasst wurde. Die Unterbrüche durften jedoch nicht zu lange sein, damit der Rhythmus nicht verloren ging. Sue Hirschi hatte als Proviant Dar-Vida mit Thymian und Salz, Bündnerfleisch, Twix, Ovo-Riegel und Wasser dabei.

Nach neun Stunden waren alle wohlbehalten zurück. Dort wurden die erfolgreichen Bergsteigerinnen von Familie und Freunden und einer Flasche Champagner erwartet. «Die Emotionen, als wir wieder in der Hörnlihütte ankamen, waren überwältigend», sagt Hirschi.

Nach der Besteigung des Wahrzeichens der Schweiz freut sie sich bereits auf die nächste Tour. Dass sie noch einmal aufs Matterhorn steigt, schliesst sie nicht aus. Doch es würden noch viele andere Berge rufen. «Es war ein einmaliges Erlebnis, das behalte ich fest in meinem Herzen. Aber das Matterhorn ist wirklich ein ganz spezieller Berg.»