«Das war ein Meilenstein für uns», ist Urs Riggenbach überzeugt. Der Solothurner gerät ins Schwärmen, wenn er von vergangenen und zukünftigen Projekten von GoSol.org erzählt. So auch bei der ersten Solarbäckerei, welche kürzlich in Haiti in Betrieb genommen werden konnte. Zehn Tage verbrachte der amerikanische Teamkollege Lorin Symington im Dezember auf Haiti und bildete in Zusammenarbeit mit der lokalen NGO «Haiti Communitere» einheimische Handwerker im Bau eines Ofens aus. Ein Ofen, welcher kostengünstig mit lokalen Materialien hergestellt werden kann und allein mit Sonnenlicht funktioniert. «Klar ist eine Solarbäckerei nur ein Tropfen auf den heissen Stein in einem Land, wo 98 Prozent der Wälder bereits abgeholzt sind und die Menschen dringend eine Alternative zu teurer Holzkohle brauchen. Aber uns geht es darum, positive Beispiele zu setzen.» Ein kleiner, aber erster wichtiger Schritt zur Weltverbesserung.

Angefangen hat alles mit einem Projekt in Nepal, als Urs Riggenbach Solarpanels an einer ländlichen Schule installierte. Bei der Abschlussarbeit seines Bachelorstudiums der Humanökologie am College of the Atlantic in Bar Harbor, USA, wurde Riggenbach auf thermische Solarkraftwerke aufmerksam. Diese bündeln Sonnenwärme mittels Spiegel und wandeln sie in Strom um. Für ihn klang das nach der idealen Lösung, um die Entwicklung in Nepal voranzutreiben. Über das Internet fand Riggenbach heraus, dass der Finne Eerik Wissenz schon seit einigen Jahren an einer solchen «Solar Fire»-Energie arbeitete. Schnell stellte sich heraus, dass sowohl Riggenbach wie auch Wissenz sich nicht damit begnügen, eine solche Technologie nur zu entwickeln, sondern sie auch der Allgemeinheit als Gemeingut zur Verfügung stellen wollen. «Gratis Baupläne für alle. Das ist unser Ansatz, um eine globale Welle in nachhaltigen Mini-Kraftwerken auszulösen.» So wurde die Organisation GoSol.org 2012 ins Leben gerufen.

Auch bei Entwicklung dabei

Aufgewachsen ist Urs Riggenbach auf dem Rosegghof, am Rande der Stadt Solothurn. Doch seit acht Jahren ist er schon auf Achse. Mit 16 Jahren ergatterte er ein Stipendium am United World College in Indien. Nach zwei Jahren, einen Abschluss mit der schweizerischen Matura vergleichbar in der Tasche, studierte er in den USA mit Zwischenaufenthalt in Mexiko und Nepal. Momentan arbeitet Urs Riggenbach in Finnland in einem Vollzeit-Pensum für GoSol.org. Seine Aufgaben umfassen Webentwicklung, IT-Infrastruktur und Mediamatik. Auch bei der Entwicklung von Prototypen packt Riggenbach gerne mit an, wobei ihm nach eigenen Worten die praktische Erfahrung vom elterlichen Rosegghof zugutekomme.

Im Jahr 2012 fand das ganze Team von GoSol.org sogar den Weg nach Solothurn, um gemeinsam einen Prototypen zu erbauen. «Ich erinnere mich noch gut daran, eine Bestellung von fast 200 Kilogramm Spiegeln aufgegeben zu haben.» Dem GoSol-Team habe Solothurn so gut gefallen, dass man sich gut vorstellen könne, einen Teil des Geschäftes längerfristig aus der Schweiz aus zu verrichten. Auch der frühere Weltenbummler hängt an Solothurn und wird voraussichtlich ab dem Frühling vom Rosegghof aus für GoSol.org arbeiten: «Ich habe meine Wanderlust schon früh gestillt. Wenn ich heute noch eine weite Reise in Kauf nehme, dann für ein Solarprojekt – so kann ich meinen CO2-Ausstoss hoffentlich um ein Vielfaches kompensieren.»

Trotz Erfolgen wie mit der Solarbäckerei in Haiti bleibt keine Zeit, um zurückzulehnen. Zurzeit wird in New York City ein Solarofen in Betrieb genommen, weitere sind in Südafrika und Nepal geplant. Ausserdem will GoSol.org Ende Februar ein Crowdfunding-Projekt lancieren mit dem Ziel, die Baupläne für die Solartechnologie der ganzen Welt zugänglich zu machen. Denn die Sonne geht schliesslich nie unter, nur die Welt dreht sich weiter.