Als Dudije Demaj dieses Jahr die Trophäe für die beste Lehrabschlussprüfung ihrer Ausbildung entgegennahm, ging für die 18-Jährige ein Traum in Erfüllung. Seit sie zehn ist, weiss sie, dass sie Coiffeuse werden will.

Ehrgeiz ist der jungen Frau mit kosovarischen Wurzeln ins Gesicht geschrieben, sodass sie nun, nach abgeschlossener Attestausbildung EBA, auch gleich mit der Ausbildung fürs Eidgenössische Fähigkeitszeugnis EFZ begonnen hat.

Ehrgeiz war Demaj schon immer zu eigen – aber auch Angst. Mit dem Schritt ins Erwachsenwerden kam der Erfolgsdruck, der schwer auf ihr lastete. Heulkrämpfe und Angstzustände waren die nicht seltene Folge.

Und der Einstieg in die Ausbildung kurz vor Weihnachten forderte der angehenden Coiffeuse zusätzlich Energie ab. Neben ihrem starken Willen half ihr ein dichtes Unterstützungsnetz. Die Eltern und ihre vier Brüder machten ihr Mut und boten moralische Unterstützung, ebenso ihr Chef des Solothurner Coiffure Stile Libero.

«Er hat gesehen, wie ehrgeizig ich war, und wollte mich weiterbringen. So hat er mich gefördert und gefordert.» Aber auch eine Psychologin des kinder- und jugendpsychiatrischen Diensts KJPD, eine Heilpädagogin und eine Sozialarbeiterin der Sozialen Dienste Solothurn standen ihr zur Seite. Dies nicht zuletzt, da die Familie schon zuvor von der Sozialhilfe unterstützt worden war.

Ein wichtiger Begleiter

«Sie hat eine Riesenentwicklung gemacht», sagt heute ausserdem jemand, der es ebenfalls wissen muss: Albrecht Stalder begleitete Dudije Demaj durch ihre zweijährige Attestausbildung und ihr Lehrverhältnis.

Er steht der Solothurnischen Vereinigung für Erwachsenenbildung SOVE vor. Obwohl Demaj in der Schweiz geboren wurde und seit dem Chindsgi hiesige Schulen besucht, machte sich die Fremdsprachigkeit im Elternhaus überwiegend im schriftlichen Ausdruck bemerkbar.

Und so amtete Stalder als Lern- und Hausaufgabenbegleiter, beriet Demaj aber auch in organisatorischen Angelegenheiten rund um die Schule oder bot Entscheidungshilfe im Vorfeld der Berufswahl.

Zudem zählten auch einige Schulbesuche in der Berufsfachschule in Olten zu Stalders Aufgabengebiet, beispielsweise bei der Vertiefungsarbeit. Bei allem aber galt für Stalder die wichtige Balance zwischen Selbstständigkeit und Hilfestellung.

SOVE als Player im Hilfenetz

Das Beispiel von Dudjie Demaj steht repräsentativ für eine der Dienstleistungen der SOVE. Das Angebot unter dem Namen SOVE 18–25 hat gezielt die Integration junger Menschen in die Berufsausbildung zum Ziel, um sie auch für die spätere Zeit im Arbeitsmarkt möglichst unabhängig von staatlicher Unterstützung zu machen.

Diese Ausbildungsbegleitung wird als Aufgabe zusammen mit anderen für die Unterstützung des Klienten notwendigen Hilfssystemen wahrgenommen. Die Sozialen Dienste der Stadt Solothurn erteilen im Sinne der betreuten Sozialhilfeempfänger Aufträge an die SOVE.

Im Falle von Demaj hat der Kanton via Stipendien einen Kostenanteil übernommen. So erhalten junge, von der Sozialhilfe abhängige Menschen eine Wegbegleitung auf ihren ersten Schritten in die rasche (berufliche) Unabhängigkeit, und sei dies über Schnupperlehren, Praktika oder Arbeitseinsätze.

Dabei greift die SOVE, wo nötig, auch auf Ressourcen von Fachleuten oder anderen Partnern in diesem Hilfenetz zurück. Aus Sicht der SOVE ist es aber vor allem wichtig, sowohl die Ressourcen des Klienten zu kennen als auch die Bedingungen, die auf dem Arbeitsmarkt herrschen.

Was möglich ist und was nicht

«Mit Fleiss können Sie viel erreichen», betont Stalder gegenüber Demaj, was sie durch ihren ersten beruflichen Erfolg schon längst weiss. Das hiess aber auch, in der Vergangenheit von lieb gewonnenen Träumen und Hoffnungen Abschied zu nehmen, die beispielsweise die Eltern hegten: Nach ihrer Vorstellung sollte die Tochter Kinderärztin werden.

«Es war nötig, die Eltern zu sensibilisieren, was möglich ist und was nicht – und sich die Frage zu stellen, wo man erfolgreich sein könnte», sagt Stalder.

Genau das scheint Dudije Demaj selbst genau zu wissen: «Ich habe mich immer um gute Noten in der Berufsschule bemüht und von Anfang an daran geglaubt, einmal diese Trophäe in den Händen zu halten.»

Ihr Traum vom eigenen Coiffeurgeschäft ist nach den begleitenden Schritten, die nun hinter ihr liegen, bis heute schon viel näher gerückt.