Fernbedienung
Solothurner Startup Neeo hat kaum Zeit, den eigenen Erfolg zu verdauen

Die Firma Neeo mit Büro am Ritterquai in Solothurn startet mit einer Fernbedienung von null auf anderthalb Millionen in einem Monat. Dass das Projekt derart einschlägt, hätte das Startup nicht erwartet.

Christoph Neuenschwander
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Unternehmer Oliver Studer im «Neeo»-Büro am Ritterquai. «Neeo» besteht aus zwei Teilen: einem «Brain» und einer Fernbedienung.

Unternehmer Oliver Studer im «Neeo»-Büro am Ritterquai. «Neeo» besteht aus zwei Teilen: einem «Brain» und einer Fernbedienung.

cnd/zvg

Ziel war es, die Welt auf «Neeo» aufmerksam zu machen. Das hat geklappt. Nun ist Oliver Studer, Grafiker und Programmierer, erschöpft. Der Niederwiler sitzt in seinem Büro am Ritterquai in Solothurn und erzählt von Medienanfragen aus Amerika und von Tausenden Kundenfragen aus aller Welt, die er und sein Team in den letzten 30 Tagen geflissentlich beantworteten. So lange hat das Crowdfunding über die Internetplattform Kickstarter gedauert.

Seit wenigen Minuten ist die Schwarmfinanzierung beendet: 6081 Unterstützer haben insgesamt 1,56 Mio Dollar in das Projekt investiert. Die ursprüngliche Zielsumme von 50 000 Dollar war nach nur drei Stunden erreicht gewesen. «Wir haben schon gehofft, dass es mehr wird – vielleicht 200 000 Franken», sagt Studer. «Aber dass das Projekt dermassen einschlägt, hätten wir nicht erwartet.»

Das Erfolgsrezept klingt simpel. Vor anderthalb Jahren hatten Oliver Studer und Raphael Oberholzer die Idee, eine Fernbedienung zu entwickeln, mit der sich alle Geräte im Haushalt steuern lassen: vom Fernseher über die Stereoanlage bis hin zum Whirlpool. «Neeo» macht genau das. Mittels programmierbarer Szenarien kann man mit nur einem Knopfdruck etwa Fernseher und Blu-ray-Player einschalten, die Storen runterlassen und das Licht dimmen.

Design auf Minimum beschränkt

«Neeo» erspart einem damit nicht bloss eine unübersichtliche Sammlung von Fernbedienungen, sondern auch zahllose Knöpfe, die sowieso nie jemand brauche, wie Studer sagt. Die Solothurner Entwickler haben auf schlichtes Design und Funktionalität gesetzt. Dass Menschen aus aller Welt von diesem Produkt angetan sind, ist an sich erfreulich. Doch das bedeutet auch Arbeit für Studer und Oberholzer und ihr ständig wachsendes Team (etwa 15 Leute in Solothurn, Bern und Amerika – Studer ist nicht ganz sicher, wie viele es derzeit sind).

Zertifizierungen müssen her, nicht bloss für die USA und Europa, wie erst gedacht, sondern auch für Asien. Die Datenbank von fernsteuerbaren Geräten muss laufend erweitert werden. Und die meisten Unterstützer auf Kickstarter haben mit ihrer «Spende» bereits ein oder zwei Geräte vorbestellt.

Unabhängig dank Crowdfunding

Die ersten 150 «Neeos» wollen noch im März ausgeliefert sein und werden in Handarbeit in der Schweiz hergestellt. Auch wenn man für die nächsten drei bis viertausend Geräte (bis im Mai) die Produktionskosten verringern will, werden die 219 Dollar, welche die meisten Unterstützer auf Kickstarter bezahlt haben, die Kosten kaum decken. Der Handelspreis wird später einmal rund 300 Dollar betragen. «Das war es uns aber wert», sagt Studer.

Immerhin ging es beim Crowdfunding in erster Linie um den Werbeeffekt und darum, die Initialkosten für die Produktion zu decken. Rund 20 000 «Neeos» (anstatt der erwarteten 2000) dürften bis Ende Jahr produziert sein, aber das werde ein genauso sportliches Unterfangen wie die Entwicklungsphase. «Dafür bleiben wir dank Crowdfunding unabhängig und mussten uns nicht an einen Investor verkaufen», sagt Studer. In nächster Zeit will er Produktionsstandorte in Osteuropa abklären. Marketing und Design sind bereits im Silicon Valley angesiedelt.