Solothurner Stadtbummel
«Meh Dräck!» – das Open-Air-Publikum gab alles

Urs Mathys
Urs Mathys
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Blick in das Publikum beim Konzert von Krokus in der Solothurner Altstadt.

Blick in das Publikum beim Konzert von Krokus in der Solothurner Altstadt.

José R. Martinez

Es waren denkwürdige Anlässe, die letztes Wochenende die Altstadt erbeben liessen. Jene Glücklichen, die ein Ticket für die Konzerte von Patent Ochsner und Krokus ergattern konnten, dürften noch lange in Erinnerungen schwelgen. Und ihren Nachkommen vorschwärmen, dass sie damals auch dabei gewesen seien, als Solothurn seine ersten 2000 Jahre hatte feiern können.

Ja, Patent Ochsner und Krokus gaben alles. Und das Publikum auch. Es sparte nicht mit Applaus. Und auch nicht mit Abfall: Aludosen, Becher, PET-Flaschen und Verpackungsmaterialien aller Art bedeckten am Ende der Sausen die Gassen. Kein Wunder: Im Getümmel der jeweils über 5000 Begeisterten waren die aufgestellten Kehrichteimer – nein, eben nicht solche der Marke Patent Ochsner! – schlicht nicht zu finden, geschweige denn erreichbar.

Krokus-Gründer Chris von Rohr ist auch bekannt für den Ausruf «Meh Dräck!».

Krokus-Gründer Chris von Rohr ist auch bekannt für den Ausruf «Meh Dräck!».

José R. Martinez

Vielleicht hat das Publikum aber auch einfach das Motto «Meh Dräck!» von Krokus-Gründer Chris von Rohr etwas gar wörtlich genommen, der es mit diesem Patentrezept, zusammen mit seiner Band, schon zu Lebzeiten zu einem Denkmal auf der Chantierwiese gebracht hat. Wie dem auch sei: Für den Märet beziehungsweise den Festgottesdienst an den Morgen danach war die Festmeile zwischen der St.-Ursen-Kathedrale und dem Roten Turm bereits wieder blitzsauber geräumt – dem städtischen Werkhof sei Dank!

Apropos Roter Turm: Die Erneuerung des Zeitglockenturms ist noch nicht einmal abgeschlossen, da macht dem ältesten Gebäude der Altstadt ein anderes Bauwerk schon Konkurrenz: Nach der Renovation der St.Martinskapelle in der Einsiedelei leuchtet deren Türmchen in einem Rot, das Seinesgleichen sucht. Etwas sehr rot und leuchtend, finden manche Besucher.

Doch die Farbe entspreche der einstigen Originalbemalung, sagen jene, die es wissen müssen. Nun denn ... Ein schwacher Trost bleibt den Zweiflern: Die Zeit wird auch an dieser Bemalung nicht spurlos vorbeigehen, und Patina wird sich gnädig darüber legen. So wie bei der gegenüberliegenden St.-Verena-Kapelle: Bei dieser ist kaum mehr etwas davon zu sehen, dass sie erst kürzlich einer Totalrenovation unterzogen worden ist.

Nicht weit von der Einsiedelei entfernt, auf dem Känzeli mit dem mächtigen Wengistein, steht eine Steinsäule. Bekanntlich nicht einfach so: Denn beim Blick über deren glatte Oberfläche hinweg, in Richtung Süden, erkennt man die Spitze des St.-Ursen-Turms, die sich auf genau der gleichen Höhe befindet.

In den letzten Monaten blieb diese Aussicht allerdings von aufschiessenden Baumkronen unterhalb des Känzeli verwehrt. Nun ist aber plötzlich wieder für den Durchblick gesorgt. Hat die Bürgergemeinde korrigierend eingegriffen – oder ist einfach bereits genügend Laub von den Bäumen gefallen? So oder so: Wir wollen am Ende dieses Bummels nicht noch ins Grübeln kommen.